Pinneberg
Fußball-Kreisliga

Für die SV Lieth springt Bo in die Bresche

Bo Hansen ist kommissarischer Fußball-Abteilungsleiter bei der SV Lieth

Bo Hansen ist kommissarischer Fußball-Abteilungsleiter bei der SV Lieth

Foto: Meincke

Den Herren-Fußballern drohte das Aus – nach Rücktritt des Abteilungsleiters sorgte das kommissarische Führungs-Duo für die Kehrtwende.

Klein Nordende.  „Auf etwas lege ich Wert“, betont Benjamin Linse, Abwehr-Routinier und neuerdings zweiter kommissarischer Fußball-Abteilungsleiter der SV Lieth. „Ich möchte nicht, dass anklingt, ich hätte auch nur ein einziges schlechtes Wort über Manfred Pieper gesagt.“

Gibts noch eine Versöhnung der Klein Nordender Kicker mit dem Vereins-Urgestein, seit 59 Jahren Beitragszahler, das nach fast 30 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit, davon zwölf als 1. Vorsitzender und 15 als 2. Vorsitzender der Fußball-Sparte, seinen Rücktritt einreichte? Für Pieper, 67 Jahre alt, ist das zurzeit nicht denkbar. „Mein Herz schlägt weiterhin für die SV Lieth. Doch ich will keine Verabschiedung, auch keine Ehren-Mitgliedschaft oder etwas ähnliches. Ich bin gekränkt. So hätte man mit mir nicht umgehen dürfen.“

Ab sofort schreiten die Spieler Bo Hansen, Film-Schauspieler sowie Clubwirt, und Benjamin Linse auch abseits des Spielfeldes voran. Nach Ansicht des Club-Vorsitzenden Michael Bartl haben die vorläufigen Abteilungsleiter den Herren-Fußball der SV Lieth vor dem Zerfall bewahrt. „Die dritte Mannschaft hatte sich aufgelöst. Die zweite Mannschaft schloss sich komplett Holsatia Elmshorn an. Von der Ersten blieb nach dem Bezirksliga-Abstieg nur eine Handvoll Spieler übrig. Dann reichten auch Liga-Trainer Michael Radde-Krüger und Manager Gencer Dag ihren Abschied ein. Es sah so aus, dass unser Herrenbereich wegbricht.“ So stellte sich die Situation für Bartl Anfang Mai da. „Dann trat man an mich heran und bat um Unterstützung, sofort Änderungen herbeizuführen.“

Der geschäftsführende Vorstand forderte von Pieper und seinen Gefolgsleuten wie zu diesem Zeitpunkt noch Gencer Dag und Betreuer Dieter Steffens Vorschläge ein, den Trend zu stoppen. Bartl: „Die kamen nicht.“ Ein paar Minuten wurde noch diskutiert „und ich hatte mein Bier noch nicht mal ausgetrunken“, da erhob sich Pieper und trat den Heimweg an. „Ich hatte sofort gespürt, dass ich aus dem Amt gedrängt werden sollte. Da habe ich ihnen gesagt, dass kein Pattex an meinem Hintern klebt und bin gegangen.“

Pieper war Jahrzehnte das Gesicht der SVL-Fußballer. Das Kunstrasen-Projekt wurde von ihm angeschoben. Beim Hallenbau am Rande des Waldstadions übernahm er ehrenamtlich die Bauleitung. Trotz eines schweren persönlichen Schicksalsschlags 2014 blieb sein Ohr nach eigener Aussage am Puls der Teams. Was er mitbekam, gefiel ihm nicht: „Mittlerweile diktieren die Spieler dem Club, was gemacht wird.“ Auf Druck der ersten Mannschaft wurden etwa Heimspiele auf den Freitag verlegt. Seine Idee, den zweiten Vorsitzenden Steffen Weers bis zu den Neuwahlen im Januar als seinen Nachfolger einzuarbeiten, stieß auf wenig Gegenliebe. Hatte Manfred Pieper Entwicklungen und Trends im Club zu spät oder gar nicht erkannt? Benjamin Linse ist um eine diplomatische Wortwahl bemüht. „Für Manfred Pieper gelten ganz besondere Umstände. Manchmal gibt es Wichtigeres im Leben als Fußball.“

Nach Piepers Rücktritt ging alles ganz schnell. Bo Hansen und Linse zauberten ein neues Team aus dem Hut. Der aktuelle Kader umfasst 26 Mann. Zur riesigen Freude aller SVL-Fans kehrt Abwehr-Haudegen Patrick Scheidt nach seiner Zeit beim FC Elmshorn und beim VfR Horst an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Daniel Asmussen, Protagonist glorreicher Landesliga-Jahre (bis 2013), als noch Manager Torben Roß den Laden zusammenhielt, ließ sich reaktivieren. „Aus dem Bauch heraus“ denkt Benjamin Linse, mit Christoph Prüfer (zuletzt Störtebeker SV, früher TuS Holstein Quickborn), 52, eine sinnvolle Trainer-Verpflichtung getätigt zu haben.

Der Weg zurück in höhere Gefilde ist aber steinig, das merkten die Klein Nordender im Test gegen Kreisliga-Aufsteiger Hetlinger MTV. Zur Pause (0:4) bahnte sich ein Debakel an. Dann sorgten Marvin Böttcher (2), Hendrik Steen und Thies Harbeck für das 4:4. Pieper wohnte dem Spiel nicht bei, auch nicht Ex-Manager Gencer Dag, der seinen Posten aber nicht im Groll räumte: „Ich bleibe Spieler der Alten Herren und Betreuer der 2. C-Jugend. Bei den Herren habe ich den Weg frei- gemacht für einen totalen Neuanfang.“