Pinneberg
Halstenbek

Es geht alles wie von selbst

HR-Fußballer spielen nach dem Motto des HB-Männchens, dabei steckt hinter den Erfolgen auch akribische Arbeit. Am Sonntag Topspiel bei Altona 93

Halstenbek. Zehn Siege, drei Unentschieden, sechs Punkte Abstand zum Tabellenzweiten VfL Pinneberg: Wie selbstverständlich, leicht und locker, meistern die Oberliga-Fußballer der SV Halstenbek-Rellingen auch die schwierigsten Aufgaben. Erinnerungen kommen auf an frühere Werbespots in Kino und Fernsehen, als Zeichentrick-Figur Bruno wegen irgendwelcher Missgeschicke im Alltag tobte, bis er buchstäblich „in die Luft ging“. Eine sanfte Stimme empfahl den Genuss einer Zigarette: „Dann geht alles wie von selbst.“ Bruno schwebte entspannt zu Boden.

Im Gegensatz zum HB-Männchen will HR noch lange oben bleiben und beim Tabellensechsten Altona 93 die nächste hohe Auswärtshürde vor vermutlich mehr als 1000 Fans überwinden. „Doch nichts geht von selbst. Es wirkt nur so“, betont Trainer Thomas Bliemeister, der dem Nikotin übrigens abschwor, als ihm ein Arbeitskollege vor 15 Jahren von dessen Zungenkrebs-Erkrankung erzählte. Hinter dem Höhenflug verberge sich vielmehr gewissenhafte Arbeit, der Mut, neue Wege zu beschreiten und ein Näschen bei den Spielerverpflichtungen. Bliemeister lobt Manager Detlef Kebbe. „Alle reden von den Norderstedter A-Junioren und welches Geschenk des Himmels es gewesen ist, sie zu bekommen“, sagt der Coach. „Dabei wird vergessen, dass Detlef auch Spieler wie Adrian Matthäi, Yannick Sottorf, Jan-Marc Schneider und Marlo Steinecke zur SV HR geholt hat. Nicht zu vergessen Nikola Maksimovic, schon 2013 ein Königstransfer. Wir könnten auch ohne Kooperation mit Eintracht Norderstedt ein starkes Team aufbieten.“

Die rasante Entwicklung der Talente (Niklas Siebert, Ümit Karakaya, Enrik Nrecay, Vincent Ermisch) macht dennoch Freude. Und Kummer. „Ihre Leistungen wecken natürlich Begehrlichkeiten. Der eine oder andere wird in der Winterpause oder am Saisonende vielleicht nicht mehr zu halten sein“, fürchtet Kebbe. Und wenn ihnen die Halstenbeker vielleicht die Möglichkeit eines Regionalliga-Aufstiegs anbieten? Der Manager spricht das Tabu-Thema fast aller Hamburger Oberliga-Clubs direkt an: „Bevor wir die 4. Liga rigoros ablehnen, sollten wir alle Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen ganz genau abwägen.“

Thomas Bliemeister entspannt gerne bei einer Tasse Kaffee oder wenn ihm Enkelin Celeste, 8, nach dem Abpfiff in die Arme fliegt. HR-Macher Kebbe geht nach Niederlagen manchmal in die Luft. In Altona soll es aber noch nicht so weit sein. Der Halstenbeker Torwart-Trainer Jürgen Stars beobachtet die HR-Gegner immer in der Adolf-Jäger-Kampfbahn und kennt die Gastgeber aus dem FF. Bliemeister freut sich auf eine weitere „hoch interessante Herausforderung vor toller Kulisse“. Spielbeginn: Sonntag, 14 Uhr. HA-Tipp: 3:1 für Halstenbek-Rellingen.

Oberliga Hamburg, 14. Spieltag

VfL Pinneberg – FC Elmshorn

Als Erstes bot Florian Gossow den Elmshorner Spielern das „Du“ an. „Wir sind alle Sportkameraden.“ Als Zweites gab es „Schweineeinheiten“ mit Sprints sowie Übungen im Kraft- und Ausdauerbereich, dass es weh tat. „Ein Charaktertest. Ich wollte sehen, wer sich quälen kann und wer nicht“, sagt der neue FCE-Coach. Den Pinnebergern kommt der neuerliche Trainerwechsel an der Krückau ausgerechnet vor dem Derby nicht gelegen. „So eine Maßnahme setzt meistens Kräfte frei und sorgt für eine zusätzliche Motivation“, glaubt Michael Fischer.

Der Trainer des Überraschungszweiten VfL geht von einer unangenehmen Aufgabe aus, zumal etliche Spieler (Benjamin Brameier, Artur Frost, Tim Brüggemann, Steffen Maaß, Alexander Borck) angeschlagen sind. „Ich werde ein Prinzip von mir über den Haufen schmeißen und Brameier ohne Training spielen lassen“, kündigte Michael Fischer an.

Nach „Vollgas“ am Montag, Dienstag und Donnerstag entscheidet Gossow seine Aufstellung erst in den letzten 24 Stunden vor dem Anpfiff. Den Charaktertest hätten alle bestanden. Dann gibt’s noch die frohe Kunde vom Verband, dass der frühere Regionalliga-Spieler Jeton Arifi nicht erst im März, sondern schon ab dem 1. Januar für den FCE spielberechtigt ist. Spielbeginn: Sonnabend, 14 Uhr. HA-Tipp: 3:2 für den VfL.

FC Süderelbe – SV Rugenbergen

Nach dem Ausfall von Sebastian Munzel (Muskelfaserriss) plant SVR-Trainer Ralf Palapies in Hausbruch die Flucht nach vorn. „Pascal Haase und Max Scholz als gemeinsame Spitzen? Warum nicht.“ In Buxtehude beruflich beschäftigt bleibt Palapies gleich auf der anderen Seite der Elbe. Den Spielern empfiehlt er eine überpünktliche Abreise: „Ich sehe die Probleme am Elbtunnel jeden Tag. Es besteht höchste Stau-Gefahr.“ Spielbeginn: Freitag, 19.30 Uhr. HA-Tipp: 1:1.