Pinneberg
Hetlingen

Hoffen auf die goldene Generation

A-Junioren des Hetlinger MTV sorgen für größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Fußballsparte wächst stetig

Hetlingen . Ihren Platz im Geschichtsbuch ihres Sportvereins haben sie schon vor dem ersten Anpfiff sicher. Die A-Junioren des Hetlinger MTV spielen nach der Sommerpause in der Verbandsliga Hamburg, also in der höchsten Spielklasse des Hamburger Fußballverbandes. Trainer Michael Kirmse, in Personalunion Fußball-Abteilungsleiter des HMTV, ist sich der historischen Aufgabe bewusst, die da auf ihn und seine Schützlinge zukommt. „Es ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte, auf jeden Fall. Eine Verbandsliga-Mannschaft gab es in der Hetlinger Fußballgeschichte noch nicht.“

Während die 1. Herren in der untersten Klasse (Kreisklasse/9. Liga) kicken und in den vergangenen Jahrzehnten über die Bezirksliga (7. Liga) nie hinaus kamen, sind die Hetlinger „Jungmannen“, wie die A-Jugend-Fußballer auf dem Dorf auch genannt werden, fast ganz oben. Oberhalb der Verbandsliga gibt es nur noch die Regionalliga Nord mit den besten Teams aus ganz Norddeutschland und die A-Junioren-Bundesliga, in der aus Hamburg in der neuen Saison nur der Nachwuchs der Profis des FC St. Pauli und des HSV antreten wird. In der Regionalliga wird Hamburg durch Eintracht Norderstedt, den SC Condor, die SV Nettelnburg/Allermöhe und den Niendorfer TSV vertreten sein.

Ein paar Zahlenvergleiche verdeutlichen, was den Aufstieg der 16 bis 18 Jahre alten Nachwuchskicker vom Deich so besonders macht. In einem Fußball-Großverein wie dem Niendorfer TSV gibt es alleine im Kinder- und Jugendbereich mehr als 40 Mannschaften – im HMTV sind es einschließlich den Alten Herren und Senioren ganze sieben. Dabei ist die kleine Sparte durchaus auf dem Vormarsch, wie Obmann Kirmse sagt: „Wir sind inzwischen fast 140 Aktive, vor drei Jahren waren es nur gut 60.“

Blau-Weiß 96, zusammen mit der SV Halstenbek-Rellingen einer der beiden künftigen Ligakonkurrenten der Hetlinger aus dem Kreis Pinneberg, ist ein Großverein mit mehr als 3100 Mitgliedern – das sind fast dreimal so viel Menschen wie die Marschgemeinde Einwohner hat. Der Eimsbütteler TV, der ebenfalls ein Junioren-Team in der künftigen Verbandsliga stellt, hat mehr als 12.000 Mitglieder.

Aus dem Team der vorherigen A-Jugend, das unter Trainer Reiner Plüschau zum Abschluss der vorigen Saison die Meisterschaft in der Landesliga feierte und damit den Aufstieg schaffte, sind sechs Spieler auch in der kommenden Saison dabei. Dazu kommt der Stamm der bisherigen B-Junioren, einer Mannschaft, die Trainer Kirmse durchgehend schon seit der G-Jugend betreut. Mit Lasse Wolf und Trainersohn Felix Kirmse sind noch zwei Eigengewächse seit der Zeit der „Pampersliga“ dabei. Im 25-köpfigen Kader, wie er dem Coach vorschwebt, finden sich fünf Hetlinger Jungs. Die anderen Spieler kommen aus den benachbarten Marsch- und Geestgemeinden Holm, Heist, Moorrege und vor allem aus Wedel.

„Als sehr kleiner Verein muss man seine Vorteile herausstellen, zum Beispiel, was für tolle Plätze wir haben“, sagt Kirmse. „Wir müssen uns charmant und nett präsentieren.“ Dazu gehöre auch, dank der Zusammenarbeit mit Sponsoren, den Jugendlichen möglichst modische Outfits bescheren zu können. Die Verantwortlichen des HMTV aber gingen beim Bemühen, den Fußballnachwuchs im Dorf zu halten oder sogar Spieler aus anderen Orten an den Deich zu locken, noch weiter: Die Trainingszeiten wurden punktgenau auf den Busfahrplan abgestimmt, wie Kirmse erklärt.

Um in der Verbandsliga bestehen zu können, gibt Kirmse folgendes Motto aus: „Wir spielen vom ersten Tag an gegen den Abstieg, müssen versuchen, jeden möglichen Punkt zu holen. Unterschätzen werden wir in dieser Klasse bestimmt niemanden …“ Es sei klar, dass die Mannschaft eine gewisse Zeit brauche, „um in dieser Liga anzukommen“. Dass noch einiges zu tun ist, zeigte das jüngste Testspiel beim SC Ellerau (Bezirksliga), das mit 3:4 verloren ging. Die Gäste aus der Marsch hatten bereits 3:1 geführt. Weil aber viel ausprobiert wurde und einige Testspieler zum Einsatz kamen, verloren die Hetlinger den Faden. Die Tore für den HMTV erzielten Samet Baygündiz, Tim Eberle und Onur Hayran.

Früher wurden Hetlingens Kicker belächelt, heute nicht mehr

Die A-Junioren des HMTV setzen auf mannschaftliche Geschlossenheit, wie der Coach sagt: „Wir waren nie eine Supertruppe. Uns zeichnet die Kompaktheit aus, der Zusammenhalt.“ Wer sich in der Vergangenheit als Star aufgeführt habe, der sei sehr schnell aussortiert worden. Extra motivieren muss der Trainer seine Truppe, zu der schon seit neun Jahren auch Co-Trainer Oliver Lammert gehört, nicht. Die Trainingsbeteiligung liege durchweg bei 90 Prozent. Kirmse aber weiß auch: „Der Druck wächst, das ist nicht nur Freude, sondern für die Jungs auch Stress.“

Dafür haben sie die Fußballfans aus ihrem Heimatort hinter sich. „Die Leute strömen ins Stadion. Wir spielen vor 150 Zuschauern und mehr. Früher wurden wir manchmal belächelt, heute lacht keiner mehr über uns.“

Nicht wenige in der Fußballsparte der Hetlinger träumen von Goldenen Zeiten, die dank des starken Nachwuchses anbrechen könnten. Die älteren Spieler der bisherigen A-Jugend rückten beinahe komplett in die 1. Herren ein. Im kommenden Jahr könnte der nächste Schub talentierter Spieler folgen. Dazu Michael Kirmse: „So starke Junioren im Verein zu haben, das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Manche hoffen auf ein Goldenes Zeitalter hier in Hetlingen.“

Eventuell begleitet Kirmse selbst „seine Jungs“ weiter: „Ich möchte gerne noch einmal im Herrenbereich trainieren. Am liebsten natürlich hier in Hetlingen.“