Pinneberg
Wedel

„März-Wahnsinn“ am Steinberg

Rist-Basketballer gewinnen Hinspiel des Play-off-Viertelfinals gegen Leipzig nach packendem Verlauf mit 93:81

Wedel. Jetzt wissen auch alle Basketball-Fans in Wedel und Umgebung, warum die heiße Phase der College-Saison im US-amerikanischen Hochschulsport als „march madness“, frei übersetzt etwa „März-Wahnsinn“, bezeichnet wird. In einem irren Play-off-Viertelfinalspiel der 2. Bundesliga Pro B setzten sich die Herren des SC Rist vor 680 Zuschauern in der Steinberghalle mit 93:81 (76:76, 30:43) gegen die Uni-Riesen Leipzig durch, obwohl sie im ersten Viertel bereits mit 8:24 zurückgelegen hatten. Mit einem weiteren Sieg am kommenden Sonnabend, 5. April (Spielbeginn: 20 Uhr), in Sachsen kann die Mannschaft von Rist-Headcoach Sebastian Gleim den erstmaligen Halbfinal-Einzug frühzeitig perfekt machen.

Darauf hatte vor großer Kulisse am Steinberg allerdings mehr als eine Halbzeit lang fast nicht hingedeutet. Die Wedeler begannnen hypernervös, die Gäste aus Leipzig dafür umso selbstbewusster, trafen vor allem aus der Ferndistanz sicher. Besonders schwer zu stoppen war vom Heimteam zunächst der Deutschamerikaner Eric Vierneisel, kaum weniger effektiv agierten US-Boy Christopher Flores und der erfahrene Jorge Schmidt.

„Wir waren zu Beginn der Partie zu passiv, sind in Rückstand geraten und haben dadurch vorübergehend unser Selbstbewusstsein eingebüßt“, sagte Coach Gleim. Später aber erfreute es den Trainer umso mehr, dass sich sein Team vor einer imposanten grün-gelben Wand von Fans in den Vereinsfarben in die Partie zurückkämpfen konnte und eine furiose Aufholjagd startete. Eine Ursache dafür sei die Einwechslung von Kapitän Davey Hopkins für Lee Jeka gewesen, der laut Gleim nicht seinen besten Tag hatte. Schon gegen Ende der ersten Halbzeit sank die Trefferquote der Ostdeutschen, von denen einige zudem früh in Foulprobleme kamen und sich daher in der Verteidigung zurückhalten mussten.

Diante Watkins zeigt eine seiner besten Leistungen im Rist-Trikot

Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie dann vollends. „Uns war frühzeitig klar geworden, dass wir diesen Gegner niederkämpfen mussten, wenn wir eine Chance haben wollten, und das haben wir in der zweiten Halbzeit auch geschafft“, sagte Center Christoph Roquette, der mit ebenso gutem Beispiel voranging wie der treffsichere Youngster Janis Stielow (drei Dreier in wichtigen Situationen).

Besonders heiß auf diese Begegnung waren aber die früheren College-Spieler Davey Hopkins und Diante Watkins, der eine seiner besten Leistungen im Rist-Trikot erbrachte und 29 Punkte erzielte. „Ich wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen, obwohl ich im zweiten Viertel zwischenzeitlich am Sieg gezweifelt hatte“, sagte der 1,75 Meter kleine Aufbau- und Flügelspieler aus Chicago.

Möglich machte die erfolgreiche Aufholjagd der Heimmannschaft in erster Linie eine Steigerung in der Verteidigung, die die Gäste auf Dauer zermürbte. Erst in der 39. Minute sorgte Fabian Böke, ein weiterer Wedeler mit US-College-Erfahrung, mit seinem Treffer zum 73:72 für den einzigen Führungswechsel in der gesamten Partie.

Wedeler sind in der Verlängerung nicht mehr zu stoppen

Obwohl sich die Leipziger per Ferndistanztreffer mit der Schlusssirene doch noch in die Verlängerung retten konnten, hatten sie in den zusätzlichen fünf Minuten dem Siegeswillen der Gastgeber nichts mehr entgegenzusetzen. Während Hopkins, Watkins, Böke und Roquette die entscheidenden Treffer für das Heimteam setzten, erzielten die Uni-Riesen nur noch ganze fünf Punkte und verloren zudem drei Spieler. Für Flores und Vierneisel war nach ihrem jeweils fünften persönlichen Foul vorzeitig Feierabend, während sich Teamkamerad André Spalke bei einem Sturz aufs Parkett ohne gegnerische Einwirkung einen Handbruch zuzog.

Ob die ohnehin nur mit acht Akteuren angereisten Leipziger diesen Ausfall in Spiel zwei komsensieren können, bleibt abzuwarten. Richtig durchstarten möchte dagegen in der sächsischen Metropole Rist-Center Paul Owusu. Der Zwei-Meter-Mann war im Abschlusstraining umgeknickt, stand dann aber dennoch 19 Minuten lang auf dem Parkett und erzielte trotz Schmerzen sechs Punkte.

Statistik: Viertelergebnisse: 15:26, 15:17, 22:15, 24:18, Verlängerung: 17:5.SC Rist (Punkte): Diante Watkins (29), Davey Hopkins (20), Janis Stielow, Christoph Roquette (je 15), Fabian Böke (8), Paul Owusu (6), Jens Hirschberg, Lee Jeka, René Kindzeka, nicht eingesetzt: Jonas Laatzen, Fabian Strauß.