Pinneberg

„Der Trainer muss den Kopf hinhalten“

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Wolfgang Helm

Fußball-Fans im Kreis diskutieren die Nachfolge von Thorsten Fink als HSV-Coach. Thomas Schaaf und Holger Stanislawski sind die Favoriten

Pinneberg. „Während des Spiels hatte ich mir gar keine großen Gedanken über den Verantwortlichen gemacht. Ich habe nur gedacht, dass ich längst gefeuert wäre, würde ich als Speditionskaufmann so arbeiten wir die da unten auf dem Rasen.“ Thorsten Gumbrich, 34, Inhaber der Trainer-C-Lizenz, seit 1989 Anhänger des Bundesliga-Dinos, ist enttäuscht von seinem HSV, der am Montag seinen Trainer Thorsten Fink entließ.

Nicht zum ersten Mal hatte der Fußball-Abteilungsleiter (Herren) des 1. FC Quickborn sein Lieblingsteam zu einem Auswärtsspiel begleitet. Mit den FCQ-Spielern Steven Schönfeld, Mike Walter, Colin Heath, Bastian Sube und Pascal Plucinski machte er es sich in der Gästekurve des Signal-Iduna-Parks von Borussia Dortmund gemütlich. Beim Altbier in Düsseldorf spülte er danach den Kummer über das 2:6 hinunter.

Michael Fischer, 45, ahnte da schon, dass die Uhr von Thorsten Fink in Hamburg abgelaufen war. Der Trainer des VfL Pinneberg (Oberliga), als ehemaliger Spieler des FC St. Pauli dem HSV-Stadtrivalen zugeneigt, hatte seine Söhne Yannik, 16, und Lukas, 13, nebst zwei Freunden auf deren Flehen hin nach Dortmund kutschiert.

Während der Heimfahrt machten die Appener bei McDonald’s Rast, und wer lief ihnen dort über den Weg? Es war HSV-Clubchef Carl-Heinz Jarchow, der mit seiner Familie ebenfalls einen Zwischenstopp einlegte. „Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn höflich anzusprechen. Er hat nur gelächelt, als ich ihn fragte, ob denn nicht bald ein Trainerwechsel fällig werden würde. Doch manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte“, erzählt Michael Fischer. Sein Assistent beim VfL, Börje Scharnberg, 35, konnte die Trennung von Fink nachvollziehen: „Der Trainer muss den Kopf für die Leistungen und die Ergebnisse hinhalten, so ist das Geschäft.“

Wie aber soll es jetzt weitergehen? Scharnberg: „Der HSV braucht Ruhe, Bodenständigkeit und eine Autorität wie Thomas Schaaf. Der Dortmunder Jürgen Klopp, der aus dem Nichts eine Weltklassemannschaft formte, ist ja leider nicht zu haben.“

Wenn Experten im Kreis Pinneberg die Zukunft des Europa-Pokalsiegers der Landesmeister von 1983 diskutieren, fällt häufig der Name Holger Stanislawski, der beim 1. FC Köln aufhörte, langjähriger Spieler und Trainer des FC St. Pauli. „Vom Typ her ist er mein persönlicher Favorit. Die Masse der HSV-Fans würde seine Verpflichtung mittragen“, glaubt Gumbrich.

Dennis Schoppe, 37, Fitnesstrainer des Wedeler TSV, erinnert daran, dass auch Torwart Manuel Neuer beim Wechsel aus Schalke vom harten Fan-Kern des FC Bayern mit Pfiffen empfangen wurde: „Inzwischen lieben sie ihn in München.“ Von Fink habe er ohnehin nicht viel gehalten: „Der war mir zu arrogant.“ Mit Stanislawski als Finks Nachfolger könnte sich auch Ralf Palapies, 43, Trainer des SV Rugenbergen (Oberliga), anfreunden. Eine Alternative zu HSV-Manager Oliver Kreuzer geistert ihm durch den Kopf. „Nico-Jan Hoogma muss Sportchef werden. Der trägt die Raute im Herzen.“ Der niederländische Nationalspieler dirigierte von 1998 bis 2004 die HSV-Abwehr. Während dieser Zeit schloss er Freundschaft mit SVR-Manager Andreas Lätsch, wurde Ehrenmitglied des SV Rugenbergen.

Geht es nach Peter Ehlers, muss der HSV den kompletten Umbruch vornehmen. „Der Aufsichtsrat gibt ein klägliches Bild ab. Der Club braucht kürzere Wege und schnellere Entscheidungen“, sagt der Coach des TSV Uetersen (Landesliga), 47. Einen Fachmann, der etwas bewegt wie Klopp oder Ralf Rangnick, werde der Club sonst nie bekommen. „Welcher namhafte Trainer will im Moment zum HSV?“

Gegen Werder Bremen soll Rodolfo Cardoso, Coach der HSV-Reserve und Vater von Pablo Cardoso, Spieler der SV Halstenbek-Rellingen, auf der Bank sitzen. HR-Boss Hans Jürgen Stammer, 64, begrüßte Finks Rauswurf: „Wer in der Krise nicht zu 100 Prozent bei der Mannschaft ist, hat nichts anderes verdient.“ Den eigenen Trainer, Ex-HSV-Profi Thomas Bliemeister, 57, bringt Stammer nicht ins Gespräch: „Der bleibt bei uns, der hat noch Vertrag.“

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