Elmshorn

Dieser Anblick bleibt den VfL-Fans erspart

Während in Elmshorn große Enttäuschung herrscht und Pinneberg beim 1:1 den Nichtabstieg feierte, haderte Paloma in Halstenbek mit dem Schicksal.

Elmshorn. Ein mächtiger Haufen Pferdeäpfel auf dem Gehweg kurz vor dem Kassenhäuschen symbolisierte die Gemütsverfassung der Spieler. "Der Verzicht auf die Regionalliga-Aufstiegsrunde ist großer Mist", sagt nicht nur Jan Lüneburg, der nun seine Ankündigung wahr macht, die Fußballer des FC Elmshorn zu verlassen. "In spätestens zehn Tagen steht fest, wohin ich wechsele", kündigte der Torjäger an.

Viel Arbeit wartet nun wieder auf Sportdirektor Helge Werner Melzer, der sich eine Verschnaufpause gönnte und dem 1:1 (1:0) des Oberliga-Meisters im letzten Saisonspiel gegen den VfL Pinneberg fernblieb. "Mit Ausnahme von Milos Ljubisavjlevic, Thorben Reibe, Tim Jeske und Jan-Hendrik Kaetow haben wir noch keinen Spieler für die kommende Saison unter Vertrag", verriet Teamchef Eugen Igel.

Bis vor wenigen Tagen wusste Melzer schließlich nicht, für welche Spielklasse er die kommende Saison organisieren sollte. Neben Lüneburg entschieden sich bereits Antonio Ude ("Ich bin beim SC Egenbüttel im Wort.") sowie Edelreservist Steffen Maaß (VfL Pinneberg) für neue Herausforderungen. Kapitän Dennis Gersdorf akzeptierte das Angebot, nur noch in Notfällen zum Einsatz zu kommen und stattdessen hauptsächlich als Spielertrainer der zweiten Mannschaft (Bezirksliga) zu fungieren.

"Dass der Verein für ihn noch nicht einmal einen Blumenstrauß übrig hatte, ist traurig", wunderte sich der frühere FCE-Vorsitzende Manfred Rohde. Was aber wird aus dem vertraglich noch an den FCE gebundenen Trainer Achim Hollerieth, der von einer "riesigen Enttäuschung" spricht, dass der Mannschaft nun die Möglichkeit verwehrt bleibt, einer "fantastischen Saison" die Krone aufzusetzen? "Als Sportler willst du immer den maximalen Erfolg", klagt der frühere Bundesliga-Torhüter. Schuldzuweisungen lehnt er aber ab: "Ich mache niemandem einen Vorwurf."

Gegen die Gäste aus Pinneberg hockte der sonst so lebhafte Coach 90 Minuten in Gedanken versunken auf seinem Stuhl. Die jüngsten Ereignisse will er jetzt erst einmal "sacken lassen". Die Worte von Innenverteidiger Kaetow, dem Angebote aus der Regionalliga vorliegen, klingen besorgt: "So tief betrübt wie in den vergangenen Tagen habe ich Achim Hollerieth noch nicht erlebt."

In ihren Planungen sind sogar die Beinahe-Absteiger aus der Kreisstadt weiter als der souveräne Titelträger. Gleich nach dem Abpfiff verabschiedete Fußball-Vorstand Manfred Kirsch ("Einen Aderlass wie diesmal habe ich noch nicht erlebt und will ich auch nicht wieder erleben.") in der Kabine zwar zwölf Akteure, für Ersatz ist aber längst gesorgt.

Außer Tim Vollmer, Daniel Brehmer, Christian Dirksen und Artur Frost vom SV Rugenbergen, Keeper Tim Brüggemann (Bramfelder SV) und Sascha Richert (SV Halstenbek-Rellingen) kommen auch Daniel Zass (SV Blankenese), Benjamin Brameier (Niendorfer TSV), Steffen Maaß (FCE) und Mikail Pekdemir (zuletzt TSV Uetersen).

Die achte Saison beim VfL setzte Coach Michael Fischer stark zu

Damit sind maximal zwei Positionen noch offen. In seinem neunten VfL-Jahr freut sich Trainer Michael Fischer auf einen Neuanfang, nachdem seine achte ihn "bis an die Grenze der Belastbarkeit" forderte und in den zurückliegenden Monaten Unruhe um seine Person entstanden war.

"Dem Vorstand bin ich dankbar, am Trainer festgehalten zu haben", betonte Fischer. "Unschöne Dinge" seien intern vorgefallen, auf die er aber nicht mehr eingehen wolle. Manfred Kirsch nennt nur ein Beispiel: "Die vorzeitige Trennung von Stammtorwart Stefan Steen hat uns sicher Punkte gekostet." Letztlich habe auch er Fehler gemacht, räumt Fischer ein. Die Lehren daraus: "Ich werde in gewissen Situationen anders reagieren als bisher."

Zum Schluss kehrte wenigstens das Glück zur phasenweise desolat aufspielenden Mannschaft zurück. Mit dem Treffer zum 1:0 in letzter Minute beim USC Paloma hatte der VfL die Weichen am vorletzten Spieltag auf Klassenerhalt gestellt. Den Punkt, der ihnen zur ganz sicheren Rettung noch fehlte, bekamen sie von den Elmshornern geschenkt.

Nach hoch überlegener erster Halbzeit, dem 1:0 von Tim Jeske (16.) und Chancen für ein 4:0 hatte der Meister die Arbeit nach der Pause eingestellt. Zweimal lehnte Sören Badermann die Elmshorner Einladung zum Ausgleich nach erstaunlichen Fehlpässen von Dennis Gersdorf und Ömer Aygün ab, dann brachte ein Flachschuss von Jan Eggers die Erlösung (1:1/78.). Der fünftletzte Rang wird jetzt auf Mallorca gefeiert.

Die Elmshorner reisen erst am Mittwoch, 12. Juni, hinterher. Als sie den Ausflug buchten, waren sie noch fest davon ausgegangen, die ersten Juni-Tage in der Aufstiegsrunde beschäftigt zu sein.