Kreis Pinneberg

Bus gegen Bahn: Streit um Lokschuppen geht vor Gericht

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Burkhard Fuchs
KViP-Geschäftsführer Thomas Becker vor dem Lokschuppen, der seinem Unternehmen gehört und den er zu gerne als Werkstatt für die neuen Elektrobusse verwenden würde.

KViP-Geschäftsführer Thomas Becker vor dem Lokschuppen, der seinem Unternehmen gehört und den er zu gerne als Werkstatt für die neuen Elektrobusse verwenden würde.

Foto: Burkhard Fuchs

Der Zankapfel: Ein leer stehender Lokschuppen in Uetersen, der der KViP gehört und von der NEG gepachtet wurde.

Uetersen.  Die Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP), die den Busverkehr im Kreis Pinneberg und in Elmshorn organisiert, will bis 2030 alle ihre 50 Omnibusse auf Elektroantriebe umstellen. Im Sommer werden für fünf Millionen Euro die ersten sechs neuen E-Busse mit der dazu gehörigen Ladestruktur angeschafft und sollen in den Linienverkehr gehen.

Uetersen: Streit zwischen KViP und NEG vor Gericht

Das mehrheitlich dem Kreis gehörende Unternehmen ist auch Eigentümer des gesamten Betriebsgeländes der Uetersener Eisenbahn – einschließlich des Bahngleises nach Tornesch und des alten Lokschuppens. Den Lokschuppen möchte die KViP gerne als Werkstatt für die neuen E-Busse nutzen. Doch sie bekommt keinen Zugriff auf ihr Eigentum.

Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG), die diese Bahninfrastruktur seit 1997 von der Uetersener Eisenbahn AG langfristig gepachtet hat, weigert sich, die Kündigung des Pachtvertrages anzuerkennen. Dabei ist der Lokschuppen leer. Jetzt treffen sich die Kontrahenten demnächst vor Gericht wieder.

Für KViP-Geschäftsführer Thomas Becker ist dies nicht nachvollziehbar. „Unsere Buswerkstatt ist zu klein für die neuen Elektrobusse.“ Weil die Batterien für die Fahrzeuge sich auf dem Dach befinden, seien die Busse zu hoch für die bisherige Werkstatt. Der alte Lokschuppen wäre dagegen hoch genug und ideal für diese Zwecke. Darum habe die KViP bereits zum Jahresende 2020 den Pachtvertrag mit der NEG gekündigt. „Das ist alles komplett unser Gelände, seit wir die Uetersener Eisenbahn, die jetzt noch eine GmbH ist, vor Jahren zu 100 Prozent übernommen haben.“

Uetersen: NEG akzeptiert Kündigung des Pachtvertrags nicht

Doch die NEG akzeptiere die Kündigung nicht. Dabei nutze sie den Lokschuppen überhaupt nicht mehr. „Wir wollen und würden auch nichts an den Gleisanlagen verändern, falls in Zukunft die Strecke nach Tornesch wieder für den Schienen-Personennahverkehr genutzt werden sollte“, versichert Becker. Dies war bis in die 1960er Jahre der Fall. Dann stieg die Uetersener Eisenbahn in den Busbetrieb ein, ehe 1993 der Kreis Pinneberg die Bus-Sparte mit der neu gegründeten KViP übernahm. Danach blieb der Uetersener Eisenbahn nur noch der Zulieferverkehr auf der Schiene zur Papierfabrik StoraEnso, die inzwischen wieder Feldmühle heißt.

Um die Betriebskosten von damals rund 200.000 Mark im Jahr zu sparen, verpachtete die Stadt Uetersen, die damals noch Mehrheitsaktionärin war, Gleis und Lokschuppen 1997 an die Vossloh AG, die dafür die NEG gründete. 2001 verkaufte Vossloh die NEG an die luxemburgische Staatsbahn CFL, die mit der Tochter CFL Cargo bundesweit Güterverkehr betreibt. Dazu gehören auch die wöchentlich drei Zuglieferungen mit Zellstoff und Kreideschlamm zur Feldmühle.

Uetersen: Einigung nach Eigentümerwechsel möglich?

Die NEG selbst hat längst ihren Sitz nach Niebüll verlagert, wo sie die Strecke Niebüll – Dagebüll betreibt. Und seit Anfang diesen Jahres ist sie von der CFL an das US-amerikanische Unternehmen Railroad Development Corporation (RDC) verkauft worden, das den blauen Autozug vom Festland nach Sylt bringt und seinen Firmensitz in Hamburg hat.

„Wir sind überzeugt, dass sich für die NEG und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Konstellation attraktive neue Aufgabenfelder sowie für das Unternehmen ganz neue Perspektiven ergeben, und dies zudem auf neuen Einsatzstrecken auch über Ländergrenzen hinaus. Als CFL bleiben wir als Gesellschafter an Bord und bringen uns weiter aktiv ein“, hieß es dazu vom CFL-Vorstandschef Marc Wengler in einer Pressemitteilung.

Was dieser Eigentumswechsel für den Wunsch von KViP-Chef Becker, den Lokschuppen zu nutzen, bedeutet, ist noch unklar. Der bisherige NEG-Geschäftsführer, der den Rechtsstreit riskiert haben soll, ist abgelöst. Auf die Frage, ob eine Einigung in dieser Frage möglich sei, heißt es von einem NEG-Sprecher vage, dass „dazu momentan keine Auskunft“ gegeben werden könne.

Uetersen: KViP will leeren Lokschuppen umbauen

Becker sagt, die NEG bringe eisenbahnrechtliche Argumente gegen das Vorhaben der KViP vor – weil das Gleis am Lokschuppen umgewidmet werden müsste. Doch Becker sagt: „Der Eisenbahnverbindung nach Tornesch soll auf jeden Fall frei bleiben.“ Der Umbau des Lokschuppens in eine E-Bus-Werkstatt würde dem nicht im Wege stehen. Becker hofft, dass sich dieses aus seiner Sicht unnötige Problem bald in seinem Sinne lösen lässt.

Die Eisenbahnfreunde, die ihre Modellbahn künftig in ausrangierten Personenzugwaggons ausstellen wollen, seien bald aus den Räumen im Lokschuppen raus, sagt der ehemals langjährige Vorsitzende Ingo Vagt. „Dann ist der Lokschuppen leer.“ Für den Außenstehenden erscheint der Rechtsstreit zweier Unternehmen, die sich auf Straße und Schiene um den öffentlichen Personennahverkehr kümmern, unverständlich.

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