Agenda 2022

Was Halstenbek, Rellingen und das Amt Pinnau planen

| Lesedauer: 14 Minuten
Katja Engler und Arne Kolarczyk
Bürgermeister Marc Trampe zeigt, wie das Grundstück zwischen Hermann-Löns-Weg und Kellerstraße in Zukunft wohl bebaut wird.

Bürgermeister Marc Trampe zeigt, wie das Grundstück zwischen Hermann-Löns-Weg und Kellerstraße in Zukunft wohl bebaut wird.

Foto: Katja Engler

Was passiert 2022 in den Gemeinden? Kita- und Schulbau drängen. Neue Einnahmen aus Gewerbe sollen her. Die Details.

Rellingen/Halstenbek. Knapp ein Jahr, nachdem Rellingen erstmals ein Haushaltsdefizit verkraften musste, ist dieses Minus 2022 fast ausgeglichen. Das lässt Politik und Verwaltung optimistisch in die Zukunft blicken, geplante Projekte verfolgen. In Halstenbek dagegen ist die finanzielle Lage weiter düster. Im noch nicht beschlossenen Haushaltsentwurf klafft eine Lücke von 4,3 Millionen Euro. Seit mehreren Jahren schleppt die Gemeinde ein Defizit mit sich herum – und hat große Investitionen vor der Brust. Auch die Kommunen im Amt Pinnau stecken viel Geld in ihre Infrastruktur.

Agenda 2022: Das plant die Gemeinde Rellingen


1. Grundstück Hermann-Löns-Weg

Die Fläche am Kreisel hat in den vergangenen zwei Jahren viel Energie gebunden, bis sich nach Bürgerprotesten gegen die Ansiedlung von Riesenhallen Politiker, Bürgermeister und Anwohner auf einen Kompromiss für den Bebauungsplan 72 geeinigt hatten. Ein 19.000 Quadratmeter großes Grundstück hat die Gemeinde gerade gekauft, um dort die neue Erich-Kästner-Schule mit Sporthalle zu bauen, außerdem wurden weitere 5500 Quadratmeter erworben, um Grünflächen und Knick zu sichern. Gebaut wird auch ein Rechenzentrum, auf einer weiteren Fläche siedeln sich Handwerksbetriebe an, am Kreisel ist eine Mischnutzung vorgesehen und zur Kellerstraße hin soll Wohnraum entstehen. Die Pläne liegen bis 14. Januar zur Einsicht im Rathaus. Ermittelt wird zudem der genaue Nutzerbedarf für Schule und Sporthalle. Baubeginn: wohl erst 2023. „Qualität geht vor Eile“, sagt Bürgermeister Marc Trampe. „Wir wollen eine gute Entwicklung.“


2. Umzug und Umbau der Bücherei

Weil das Ortsentwicklungskonzept, an dem sich viele Rellinger Bürger beteiligt haben, deutlich gezeigt hat, dass Treffpunkte fehlen, soll die Bücherei nicht nur an den Appelkamp umziehen, wo sich noch die DRK-Sozialstation befindet, sondern sie soll zum „dritten Ort“ umgestaltet werden. 2021 wurde das Konzept dafür erarbeitet, dieses Jahr wird konkret geplant, und 2023, wenn die DRK-Station an den Ellerbeker Weg zieht, wird gebaut. Entstehen soll eine offene Bücherei mit automatischem Buchungssystem, ein Haus, das auch abends und am Wochenende lange geöffnet hat. Im Erdgeschoss sollen eine Kinderbühne für Lesungen, Theater oder Kinderbuchkino eingerichtet werden. Gruppenräume und Repair-Café sind geplant. Alle Rellinger sollen die Räume nutzen, um eigene Angebote umzusetzen. Denkbar sind Nähgruppe, Fotobearbeitung, eine Gruppe, die Youtube-Filme dreht oder eine Literaturgruppe.



3. Caspar-Voght-Schule

Nach der Baustelle ist vor der Baustelle: Monatelang haben Schüler und Lehrkräfte der Caspar-Voght-Schule Baulärm und Dreck wegen des Neubaues ertragen, da kündigen sich die nächsten Arbeiten an. Laut Trampe gab es vor Planungsbeginn „eine sehr intensive Analyse“. Eine neue Oberstufenverordnung verlangt größere Einheiten. Folge: Die Schule wolle und müsse ein viertes Profil anbieten. „Das ist im Bestand nicht möglich, die Räume fehlen. Das war nicht vorherzusehen“, so Trampe. Um dauerhaft die Attraktivität der Schule zu sichern, haben Schulleitung, Politik und Verwaltung über einen weiteren Bau beratschlagt. 2022 soll er geplant werden. „Wir werden ohne riesige Einschränkungen bauen“, verspricht Trampe. Auch Container sollen vermieden werden. Wo früher die Mensa war, ist die Erweiterung des Jugendzentrums Oase geplant. Ein Video- und YouTube-Raum, wo Gymnastik oder Yoga gemacht werden kann, ist schon da. Umgebaut wird 2023. Neben der Skateranlage soll zudem ein Verkehrsübungsplatz entstehen.


4. Dirtpark

Hinter der Caspar-Voght-Schule soll der fertig geplante Dirtpark entstehen. „Wir warten auf Fördergelder“, sagt Bürgermeister Trampe. Ein Dirtpark ist eine erdige, mit Hügeln versehene Fläche, auf der mit BMX-Rädern Tricks geübt und Rennen gefahren werden können. Auch eine Rollsportanlage ist im Gespräch, eine Zone für Knirpse, die dort mit Laufrädern spielen können oder ein so genannter Pumptrack (Strecke mit Hügeln, Steilwandkurven und Wellen). Zudem ist angedacht, dass Menschen mit Behinderung sich dort bewegen können. 2022 soll das Ganze oder Teile davon realisiert werden.


5. Kita Lohacker

Der Spatenstich war im Dezember: 2022 bauen die Johanniter am Lohacker eine Kita mit 120 Plätzen, die sie auch betreiben. 80 Plätze für Kinder im Elementarbereich, 40 für Krippenkinder sind geplant. Die Gesamtkosten liegen bei 3,6 Millionen Euro, der Zuschuss beträgt 410.000 Euro. Anfang 2023 soll der Kindergarten in Betrieb gehen. In der Nachbarschaft wachsen schon 22 Wohneinheiten.

Agenda 2022: Das plant die Gemeinde Halstenbek


6. Grundschule Bickbargen

Noch findet der Unterricht für den Großteil der Grundschüler im Container statt. Bis zu den Osterferien soll die Sanierung des Hauptgebäudes abgeschlossen sein. Sollte der Zeitplan nicht zu halten sein, verspricht Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden „einen Neustart nach den Sommerferien“. Auch am Schulhof wird noch gewerkelt. Seit 2017 wird die 1974 und 1975 erbaute Lehreinrichtung von Grund auf saniert. Weil die Substanz in einigen Bereichen deutlich schlechter war als angenommen, schnellten die Kosten in die Höhe – und auch der Neubau der Mensa und des benötigten Anbaus war deutlich teurer. Erste Schätzungen beliefen sich auf 5,8 Millionen Euro, jetzt sind 14 Millionen Euro im Gespräch. „Die Schule hat einen besonderen Charme und eine lange Tradition, wir werden eine sehr schöne neue Schule bekommen“, sagt der Bürgermeister.


7. Grund- und Gemeinschaftsschule

Die erst 2011 eingeweihte Schule platzt aus allen Nähten, mehr als 30 Räume fehlen. Halstenbek fährt zweigleisig. Gemeinsam mit der Goldbeck-Gruppe, die das Gebäude als ÖPP-Projekt gebaut hat, wird die Möglichkeit einer Aufstockung geprüft. Angesichts der Modulbauweise könnte das schwierig sein. Parallel dazu hat die Gemeinde einen Bebauungsplan für das Nachbargrundstück in Angriff genommen. Dort steht der leerstehende Hof Brandt. Die Kaufverhandlungen mit den Eigentümern waren ins Stocken geraten. Von Rüden rechnet mit einer Auslegung des B-Plans im ersten Quartal.

8. Wolfgang-Borchert-Gymnasium

Mit dem Gymnasium ist auch die zweite weiterführende Schule in Halstenbek zu klein, obwohl die Schüler erst 2015 den Neubau am Bickbargen bezogen haben. „Wir treffen uns Anfang des Jahres mit Hochtief zum Gespräch“, kündigt von Rüden an. Das Bauunternehmen hatte das Gebäude ebenfalls als ÖPP-Projekt erstellt. Für den Erweiterungsbau und die neue Sechs-Feld-Halle gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder als ÖPP-Projekt mit Hochtief oder einem anderen Partner – oder die Gemeinde beauftragt selbst einen Generalunternehmer. „Wir nutzen das erste Halbjahr für die Entscheidungen“, so von Rüden. Die Zeit drängt: 2026 muss die Erweiterung bezugsfertig sein, die Schule wächst dann wegen der Einführung von G 9 auf maximale Schülerzahl.


9. Sanierung Sportplatz Bickbargen

Das 870.000 Euro teure Projekt sollte Ende 2021 abgeschlossen sein. „Es verzögert sich“, so Bürgermeister von Rüden. Die Sanierung sei abgeschlossen, der Platz werde auch schon wieder genutzt. Die Beschichtung der Laufbahn erfolge voraussichtlich im Sommer, Flutlicht komme im März. Der Sportplatz selbst werde nicht beleuchtet, lediglich die Laufbahn.


10. Kita Ostereschweg

Die Gemeinde sucht derzeit den Träger für die neue Kita. Vier Einrichtungen betreibt die Gemeinde selbst, diese will sie abgeben. „Es ist keine Kernaufgabe einer Gemeinde, Kindergärten zu betreiben“, sagt der Verwaltungschef. Nach Auswahl des Trägers werde entschieden, ob der künftige Partner den Neubau stemmt oder die Gemeinde als Bauträger aktiv wird. „Wir müssen sehen, was am besten ist“, so von Rüden. Erste Gespräche dazu seien in Kürze zu erwarten. Die Kita soll 2023 gebaut, 2024 eröffnet werden.


11. Erweiterung der Feuerwache

Zu wenig Platz für die ehrenamtlichen Retter und den wachsenden Fahrzeugpark: Die Heimat der Feuerwehr an der Gärtnerstraße muss schnellstens erweitert und an heutige Ansprüche angepasst werden. Helfen soll eine Machbarkeitsstudie, die vorliegt. Von Rüden erwartet, dass die Varianten noch 2022 beraten werden und auch eine Entscheidung getroffen wird, wie das Projekt am besten zu realisieren ist.


12. Greve-Projekt

Die Bürgerbeteiligung fand neun Tage vor Heiligabend digital statt. Laut von Rüden waren die verkehrliche Erschließung und die Anbindung der dort geplanten Kita die größten Sorgenkinder der Anlieger. In Kürze soll die Auslegung des B-Plans erfolgen, im Frühjahr dann die Abwägung der Einwendungen. Ein Satzungsbeschluss könnte in der zweiten Jahreshälfte folgen. Zuvor muss das mit Spannung erwartete Verkehrsgutachten vorliegen. An der Bebauung des 17,89 Hektar großen Areals an der Wohnmeile arbeiten sich die Gemeinde und der Investor Greve seit fast 18 Jahren ab. Die Einigung aus dem Jahr 2015 sieht vor, dass nun 7,5 Hektar für Gewerbe zur Verfügung stehen sollen, 2,5 Hektar sind für Wohnbebauung vorgesehen. Entstehen dürfen maximal 90 Wohneinheiten, und zwar als Reihen-, Doppel- und Einzelhäuser. 0,34 Hektar sind für einen Kindergarten reserviert. Bei der Ansiedlung der Betriebe hat die Gemeinde ein Mitspracherecht, dafür bedarf es noch einer Vermarktungsgesellschaft mit dem Investor.

13. Wohnungsbau Verbindungsweg

Im ersten Quartal soll die Entscheidung fallen, wie die einstige Baumschulfläche bebaut werden soll. Mehrere Varianten stehen zur Wahl, von einer großflächigen Ausnutzung der Fläche bis hin zu einer kleinteiligeren Bebauung mit mehr Grün. Eine Genossenschaft soll bezahlbaren Wohnraum schaffen.

14. Straßenbauprojekte

Die Gemeinde steckt 2022 viel Geld in die Kompletterneuerung von maroden Straßen. Die Bartelstraße, an der seit Mai gearbeitet wird, soll im Mai 2022 fertig werden. Investiert werden 831.000 Euro. An der Grünen Twiete sind die Bauarbeiter ebenfalls im Mai 2021 angerückt. Drei Bauabschnitte sind geplant, noch einmal unterteilt in zehn Unterabschnitte. Der Abschluss erfolgt im Mai 2023, in dieses Projekt fließen knapp 3,2 Millionen Euro. An der Königstraße wird ab nächster Woche gebaut. Der erste Bauabschnitt beinhaltet bis 15. April die Sperrung des Knotenpunktes Gärtnerstraße/Poststraße/Bäckerstraße/Königstraße. Der Abschluss ist für Mai 2023 vorgesehen, hier verbaut die Gemeinde 1,632 Millionen Euro. Im Mai starten die Arbeiten am Bogenweg, wo ein Jahr gebaut werden soll. Kosten: 510.000 Euro. Auch die Bahnunterführung Lübzer Straße soll saniert werden. Dort müssen Trogwände, Kappen, Geländer und die Fahrbahn überarbeitet werden. Das Budget beträgt 445.000 Euro. In sechs Bereichen erfolgt eine Sanierung der Fahrbahndecke, dafür wendet die Gemeinde 391.000 Euro auf. Für Stinnhorn, Bäckerstraße und Osterrader Weg erfolgen in diesem Jahr die Planungen, die Straßensanierungen sollen dann 2023 starten.

Agenda 2022: Das planen die Gemeinden im Amt Pinnau


15. Schulverband Rugenbergen (SVR)

Drei Gemeinden teilen sich die zehn Millionen Euro Kosten und den Nutzen dieser Schule: Bönningstedt (50 Prozent), Hasloh und Ellerbek (je 25 Prozent). Der Rohbau für den Erweiterungsbau mit neuen Klassenräumen steht, 2022 geht es an den Innenausbau. Zunächst ziehen die Lehrer ein, bevor sie 2023 in den dann neuen Verwaltungstrakt wechseln können. Dann kommen dort Differenzierungsräume hinein. Eine pfiffige Idee verschafft dem Ort eine neue Schulsportanlage: Weil diese an den SV Rugenbergen verpachtet wurde (sie muss für 1,8 Millionen Euro saniert werden), konnte der Verein Fördergelder beantragen, die jetzt vom Land, dem Landessportverband, dem Kreis und dem Schulverband fließen könnten. Damit bekommt der SVR im Jahr 2022 den Kunstrasenplatz, Eigenanteil: 360.000 Euro.


16. Borstel-Hohenraden

Die Planung der neuen Sporthalle ist fertig, 2022 geht es an die Umsetzung, die im Frühjahr 2023 beendet sein soll. Im Anschluss sind die Sportstätten dran, und die leer gewordene Turnhalle wird zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Bei Kita, Schule, Feuerwehr und Dorfzentrum arbeitet die Gemeinde als Pilot an energetischen Quartierskonzepten. Der Breitbandausbau wurde begonnen.


17. Kummerfeld

Unter hohen naturschutzrechtlichen Auflagen wurde das Gewerbegebiet am Ossenpadd fertig geplant. Baulandflächen sind ausgewiesen, im Sommer 2022 können wohl die ersten Betriebe loslegen. Ebenfalls in Kummerfeld ist das Seniorenwohnheim fertig geworden, weitere Bauten auf dem Gelände sollen folgen. Der Ausbau der Breitband-Versorgung soll schon im Januar beendet sein.


18. Tangstedt

Für 1,3 Millionen Euro plant Tangstedt, seine Kita mit einem kleinen separaten Bau zu erweitern, um mehr Krippenplätze für bis zu Dreijährige zu schaffen – mit Gründach und Wärmepumpe. Baustart ist hoffentlich 2022, noch fehlen Förderbescheide. Es drängt, „momentan hangeln wir uns noch mit Tagesmüttern durch“, sagt Bauamtsleiterin Heidi Mohr. Auch das Jugendhaus ist zu klein. Was damit werden soll, entscheidet sich 2022. Eventuell kommen Container als Zwischenlösung.


19. Ellerbek

Der Ort hat sich zum Ziel gesetzt, dass jedes Kind hier schwimmen lernen soll. „Das Schwimmbad ist heilig“, sagt Detlev Brüggemann, Verwaltungsleitender Beamter im Amt Pinnau. Mit Fördergeldern aus dem Topf für technische Anlagen sollen dort in den Sommerferien die Pumpenanlagen erneuert werden. Auch am Fuß- und Radweg Ihlweg wird gebaut.


20. Prisdorf

Der Breitbandausbau in Prisdorf soll nach Freigabe des Kampfmittelräumdienstes zum Ende des Jahres 2022 beginnen. Um auch in Zukunft Einzelhandel zu ermöglichen, will die Gemeinde im neuen Jahr die Bebauungspläne des Gewerbegebietes anpassen. Gemeinsam finanziert mit Kummerfeld soll im Frühjahr 2022 an der Bilsbekschule mit dem Bau der Mensa begonnen werden und die Aufstockung für einen weiteren Klassenraum erfolgen. Dieser soll multifunktional genutzt werden.

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