Kreis Pinneberg

Ortsentwicklung: Das soll sich in Rellingen verbessern

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Katja Engler
Wirtschaftsförderer Harald Poppner, auf dem Bild auf dem Balkon des Rellinger Rathauses, hat das Ortsentwicklungskonzept maßgeblich mit betreut.

Wirtschaftsförderer Harald Poppner, auf dem Bild auf dem Balkon des Rellinger Rathauses, hat das Ortsentwicklungskonzept maßgeblich mit betreut.

Foto: Katja Engler

Bürgermeister Marc Trampe stellt im Rathaus die Auswertung des Konzeptes und die nächsten Schritte der Gemeinde vor.

Rellingen.  Ein Papiertiger soll das neue Ortsentwicklungskonzept für alle Ortsteile Rellingens auf keinen Fall bleiben. Sondern eine konkrete Handlungsempfehlung für die Entwicklung der Gemeinde darstellen. Das betonte Bürgermeister Marc Trampe am Dienstag im Rathaus, wo das Konzept anhand der Schlüsselprojekte vorgestellt wurde. Ende März hatte es die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen.

Eineinhalb Jahre hat es gedauert vom Startschuss bis zur Veröffentlichung, 570 Ideen kamen auf der virtuellen Wiki-Map zusammen, 8500 Wertungen verschickten die Bürgerinnen und Bürger, und an den drei Ortsspaziergängen haben jeweils bis zu 80 Rellinger teilgenommen. Eine phänomenale Beteiligung, die es laut Martin Hellriegel von der beteiligten Beratungsfirma CIMA so noch in keiner anderen Gemeinde gegeben hat.

Um Schwerpunkte herauszufiltern, haben nicht nur quantitative Aspekte eine Rolle gespielt, sondern auch qualitative, erklärt Hellriegel. Ansatz sei gewesen, zu ermitteln, was die Gemeinde weiterbringe, aber auch, wo sie etwas bewegen könne, sagt Hellriegel. Das bestätigt Bürgermeister Marc Trampe, der, was die Umsetzung angeht, von einem „dauerhaften Abwägungsprozess“ spricht.

Fünf bis zehn Jahre dauere es bis zur Realisierung, in vielen Bereichen, die angepackt werden müssten, spiele das komplizierte Planungsrecht und privates Eigentum eine Rolle. Insgesamt, findet Marc Trampe, „stellt das Ortsentwicklungskonzept der Gemeinde ein gutes Zeugnis aus mit Luft nach oben“.

Die meiste Luft nach oben ist im Bereich Verkehr. Beschlossen wurde daher als erster, aber auch schwierigster Punkt ein integriertes Mobilitätskonzept, das an vielen Stellen Verbesserungen anstrebt: „Wir kennen die Problempunkte“, sagt Trampe. Die Gestaltung der Verkehrswege sei aber leider der Punkt, wo die Gemeinde am wenigsten zu sagen habe, da sie durchzogen sei von Kreis- und Landesstraßen: „Es gibt keinen Bereich mit so vielen Zuständigkeiten.“

Was also tun? Die Ausbaupläne der Autobahn 23 will Trampe als Gelegenheit nutzen, „um den Verkehr langfristig anders durch den Ort zu leiten über eine Umgehungsstraße ab Pinneberg-Mitte. Ich glaube aber, dass am Ende viele Einzelmaßnahmen Entlastung in jedem Ortsteil bringen werden“, so Trampe. Die Vollsperrung an der Kreuzung Tangstedter Chaussee/Hauptstraße wird jetzt aufgehoben, der Hermann-Löns-Weg soll nicht mehr zur Rennstrecke taugen, die Adlerstraße soll Tempo-30-Zone werden, und rund um die Brücke in Krupunder müsse der Verkehr künftig besser abfließen. Die Frage, wie der Fahrradverkehr akzeptabel durch den Ort zu führen sei, würde ernsthaft diskutiert. „Es ist unstrittig, dass der Radverkehr verbessert werden muss“, sagt der Bürgermeister. Konkreter wurde er nicht.

Treffpunkte sind das zweite, was den Bürgern wichtig ist. „Wir werden dafür sorgen, dass die bestehenden, oft nicht so bekannten Orte zum Treffen besser vernetzt und besser zugänglich sind“, sagt Trampe. Zudem sollen die künftigen Büchereien am Appelkamp und in Krupunder zum Treff für alle Altersstufen ausgebaut werden. Kopfzerbrechen bereitet der Ortskern, der „eine Auffrischung vertragen kann. Ich wünsche mir da mehr Anziehungspunkte, damit mehr Menschen ins Zentrum kommen.“ Erster Schritt sind schönere Bänke, anderes Pflaster und freies WLAN.

Die Bestrebungen für besseren Klimaschutz kollidieren naturgemäß mit der noch immer am Individualverkehr ausgerichteten Mobilitätsplanung. Dennoch wird die Gemeinde dauerhaft einen Klimabeirat einrichten und hat bereits einen runden Tisch zur Biodiversität gegründet, um etwa Flächen für Blühwiesen zu identifizieren. Alle Fraktionen seien dabei, Anträge in dieser Richtung zu formulieren, um entsprechende Fördermittel abzurufen.

Auch bei Veranstaltungen sei noch Luft nach oben, dieser Teil sei aber wegen Corona nach hinten gerutscht. „Wir werden eine Arbeitsgemeinschaft gründen, die zentral Veranstaltungen plant. Zum Beispiel einen After-Work-Abend für alle Altersgruppen.“ Mehr Veranstaltungen seien ein dringendes Anliegen, sobald die Pandemie vorbei sei.

Auch die Beteiligung von Jugendlichen am Prozess zeigt konkrete Konsequenzen. Ein Abenteuerparcours für BMX-Radlern nahe der Caspar-Voght-Schule ist geplant und wird nach den Sommerferien konkret beraten. Überhaupt wird die Entwicklungsperspektive rund um den Sportplatz an der Schule angepackt, denn schon die Skater-Anlage dort wird unglaublich gut angenommen.

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