Quickborn/Itzehoe

Vier Zeugen geladen, aber nur einer kommt

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Arne Kolarczyk
Der Angeklagte (m.) sitzt zwischen seinen Anwälten zu Beginn eines Prozesses wegen Mordes vor dem Landgericht Itzehoe

Der Angeklagte (m.) sitzt zwischen seinen Anwälten zu Beginn eines Prozesses wegen Mordes vor dem Landgericht Itzehoe

Foto: Christian Charisius / dpa

Im Prozess um den Mord auf dem Quickborner Eulenhof im Juni des vergangenen Jahres gestaltet sich die Beweisaufnahme zäh.

Quickborn/Itzehoe.  Vier Zeugen waren geladen. Gekommen ist nur einer. Damit begann das Beweisprogramm im Mordfall Andre Piontek am Mittwoch mehr als holprig. Es war vor dem Landgericht Itzehoe der vierte Prozesstag, der sich mit dem Tötungsdelikt auf dem Quickborner Eulenhof vom 29. Juni 2020 befasste. Nachdem zum Prozessauftakt nur die Anklageschrift verlesen worden war und dann der Angeklagte Jens von P. (41) zwei Tage lang seine Unschuld beteuerte, sollte das bis Ende Juli terminierte Verfahren jetzt Fahrt aufnehmen.

Eigentlich. Denn bereits zu Prozessbeginn am frühen Vormittag gab es die erste unangenehme Überraschung. Die Schwurgerichtskammer hatte als erste Zeugin des Verfahrens Luisa C. geladen. Sie war auf dem Eulenhof die Ansprechpartnerin für die Pferdehalter, die ihre Tiere dort einstellten – und sie war es, die gemeinsam mit dem wegen Mordes angeklagten Jens von P. am 29. Juni die Leiche des mit zwei Kopfschüssen regelrecht hingerichteten Andre Piontek in seinen Wohnräumen auffand.

Doch kurz vor Beginn meldete sich Luisa C. bei Gericht und sagte ihr Erscheinen wegen einer angeblichen Erkrankung ab. „Wir werden das prüfen“, kündigte Richter Johann Lohmann an. Der bemühte sich in der Folge, die weiteren drei für den Mittwoch geladenen Zeugen vorzuziehen. Dabei wurde offenbar, dass ausgerechnet zwei für den Nachmittag bestellte Polizeibeamte, die als erste am Tatort waren, die gerichtliche Vorladung nicht erhalten haben sollen. Da beide Beamte nicht im Dienst waren und sich mehrere 100 Kilometer vom Landgericht entfernt befanden, fiel ihre Aussage für diesen Prozesstag aus. Blieb als einziger Zeuge Mike W. übrig,

Der 52-Jährige ist ein langjähriger Freund des Mordopfers – und er hat den Kontakt zwischen Luisa C., die im März 2020 auf Jobsuche war, und Andre Piontek hergestellt. „Andre hatte damals eine andere Verwalterin, mit der er nicht konnte“, so Mike W.. Er habe gewusst, dass Luisa („Wir sind eng befreundet“) nach einer neuen Beschäftigung suchte und alle Nachweise besaß, die für das Leiten eines Reiterhofs notwendig sind. „Einen Tag später war die Luisa auf dem Eulenhof und das dann täglich für zehn bis zwölf Stunden.“ In der Folge sei er mehrfach die Woche auf dem Areal gewesen, um mit Luisa Kaffee zu trinken – und um Andre Piontek in technischen Fragen zu beraten.

„Luisa hat mich angerufen, nachdem sie die Leiche gefunden hat“, so Mike W.. Er habe an diesem Tag in Bremen gearbeitet und nach dem Anruf sofort seine Zelte abgebrochen. „Als ich auf dem Eulenhof ankam, war Luisa völlig aus der Bahn geworfen.“ Er habe dann dort mit ihr und Jens von P. längere Zeit zusammengesessen, ehe alle von der Polizei vernommen worden seien.

Er selbst sei einen Tag vor der Tat zuletzt auf dem Hof gewesen und habe mit Andre Piontek gesprochen. „Er fühlte sich bedroht, wollte sehr zügig eine Videoüberwachung und eine Eingangskontrolle für den Hof.“ Er habe ihm ein Chipkartensystem empfohlen und einen Freund mitgebracht, der sich mit dem Thema Videoüberwachung auskennt. Andre Piontek habe behauptet, dass ihm ein Dachdecker aus Bevern 30.000 Euro schulde, die Summe nicht zahlen wolle und ihm Ärger mache.

Etwa ein halbes Jahr vor seinem Tod habe der 44-Jährige ihn zudem gefragt, wie er schnell an eine Pistole komme. „Er wusste, dass ich im Schützenverein bin. Ich habe ihm dann die Eintrittsunterlagen mitgebracht, die hat er ausgefüllt und hingebracht.“ Von den illegalen Geschäften Pionteks, der laut Einlassung des Angeklagten mit Drogen und Waffen gehandelt haben soll, will Mike W. nichts gewusst haben. Er beschreibt den Toten als Visionär, als Macher. „Er hat nicht groß analysiert, einfach gemacht.“ Mit dem Reiterhof habe Piontek große Pläne gehabt, sei jedoch durch Geldprobleme ausgebremst worden. Und für die Umsetzung sei er auf die Hilfe von Jens von P. angewiesen gewesen. „Der eine konnte nicht ohne den anderen.“

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