Kreis Pinneberg

Arbeiter in Elmshorn gefoltert – Vater und Sohn vor Gericht

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Arne Kolarczyk
Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Prozess gegen Vater und Sohn demnächst verhandelt.

Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Prozess gegen Vater und Sohn demnächst verhandelt.

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Weil sie gestohlen haben sollen, wurden zwei Rumänen stundenlang misshandelt. Den Tätern droht eine hohe Haftstrafe.

Elmshorn. Die Methoden, die ein Vater-Sohn-Gespann angewandt haben soll, erinnern an Praktiken, wie man sie sich im US-amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo vorstellt. Die Staatsanwaltschaft wirft den 52 und 25 Jahre alten Elmshornern vor, auf einer Baustelle zwei rumänische Bauarbeiter regelrecht gefoltert zu haben. Vater und Sohn hatten die Männer verdächtigt, eine Maschine gestohlen zu haben. Die Anklage lautet auf Freiheitsberaubung.

Das Schöffengericht hat das Verfahren gegen Ali und Sertan A., das am 3. Dezember in Elmshorn begonnen hatte, nach zwei Prozesstagen abgebrochen und zur Neuverhandlung an das Landgericht Itzehoe überwiesen. Denn die Aussage eines der beiden mutmaßlichen Opfer lasse den Schluss zu, dass sich die Angeklagten auch einer Geiselnahme schuldig gemacht haben. In diesem Fall läge die Mindeststrafe bei fünf Jahren. Das Schöffengericht darf maximal vier Jahre Haft verhängen.

Kopf in einen Wassereimer gedrückt

So hatte das Opfer (38) ausgesagt, er und sein Cousin seien am 26. März 2018 von den beiden Angeklagten zunächst eines Diebstahls beschuldigt worden. Sie hätten ihn abgestritten. Daraufhin seien sie in den Keller eines Hauses auf der Baustelle verschleppt worden, dessen Tür abgesperrt worden sei. „Sie haben uns angegriffen und geschlagen. Dann hat einer einen großen Eimer mit Wasser vollgemacht.“ Ihm sei ein Kabel um den Hals gelegt, und sein Kopf sei mehrfach unter Wasser gedrückt worden, so das Opfer weiter.

Er habe Todesangst gehabt. Ali und Sertan A. hätten ihnen auch angedroht, sie beide „von Negern vergewaltigen zu lassen“. Zudem seien ihnen die Handys abgenommen worden. Er sei dann mit einem Stock geschlagen worden, bis der abbrach.

Anwalt hielt Richterin für befangen

Die Tortur soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft drei Stunden gedauert haben. Die beiden gefangenen Rumänen kamen nach Angaben des Opfers erst frei, als als andere Arbeiter auf der Baustelle auftauchten.

Vater und Sohn haben sich bislang nicht zur Sache geäußert. Friedrich Fülscher, einer ihrer beiden Verteidiger, hatte einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Christine Franzius gestellt. Sie habe es der Verteidigung verweigert, den Hauptbelastungszeugen zu Ende zu befragen.

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