Kreis Pinneberg

Projekt See: Tornesch baut sich ein Gewässer

Aus dieser beachtlichen Baugrube soll in Tornesch bald ein neuer See werden. Henning Tams und Bürgermeisterin Sabine Kählert stehen am Rand des Lochs, das an der tiefsten Stelle sieben Meter misst. Mitten im Neubaugebiet „Tornesch am See“ wird der Lüttensee das erholsame Zentrum des Quartiers.

Aus dieser beachtlichen Baugrube soll in Tornesch bald ein neuer See werden. Henning Tams und Bürgermeisterin Sabine Kählert stehen am Rand des Lochs, das an der tiefsten Stelle sieben Meter misst. Mitten im Neubaugebiet „Tornesch am See“ wird der Lüttensee das erholsame Zentrum des Quartiers.

Foto: Anne Dewitz

Der künstliche Teich soll Herzstück eines Wohnquartiers werden. Doch: Wie geht das? Ein Besuch auf der Baustelle.

Tornesch. Fünf Bagger graben sich gleichzeitig tiefer in die Erde. Lkw fahren an den Rand des Loches, um den Aushub vom Gelände zu schaffen. Auch wenn die Grube teilweise schon mit Wasser gefüllt ist – ein See lässt sich noch nicht erahnen. Da, wo jetzt noch Modder und Schlamm zu sehen ist, sollen Senioren und Familien bald am Ufer flanieren und Kinder am Wasser planschen. Denn hier wird ein völlig neues Gewässer für die Stadt Tornesch angelegt. Die Frage ist: Wie geht so etwas?

„Wir haben Glück, das ist bindiger Boden. Das heißt, wir brauchen später keine Folie zu verlegen“, sagt Henning Tams vom städtischen Fachdienst Stadtplanung und Umwelt. Nur ein paar Sandlinsen durchziehen an wenigen Stellen den Boden wie Adern. Hier könnte Wasser durchdringen. „Deswegen werden sie ausgehoben und durch Lehmboden ersetzt.“

Bis vor einigen Jahren befand sich an dieser Stelle der Stadt eine größere Freifläche, die landwirtschaftlich und von einer Baumschule genutzt wurde. Die Baumschule wurde mittlerweile umgesiedelt, nur einige Baracken stehen noch. Sie werden bald abgerissen. Auf den 40 Hektar entsteht ortskern- und bahnhofsnah neben dem Gewässer ein ganz neues Viertel: „Tornesch am See“.

Mittlerweile hat das Gewässer einen Namen: Lüttensee

Verantwortlich für das Projekt „See“ ist die Firma Polyplan Kreikenbaum Gruppe aus Bremen. Die Planer haben schon viele Seen angelegt oder saniert, unter anderem in Niedersachsen. Einen Beispiel-See hat sich eine Gruppe Tornescher Politiker bei einer Exkursion extra angesehen, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeit der Bauplaner zu machen.

Dem ersten Spatenstich im September für den See gingen elf Jahre Planung voran. Mittlerweile ist auch ein Name für das 5000 Quadratmeter große Gewässer gefunden: Lüttensee in Anlehnung an die Flurbezeichnung (siehe Infotext). Für die Erdarbeiten und Wasseraufbereitung hat die Firma E.A. Meinert Straßen- und Tiefbau mit einem Angebot von 1,3 Millionen Euro den Zuschlag erhalten.

„2009 hatten wir einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für das damals noch landwirtschaftlich geprägte Gebiet im Osten der Stadt ausgelobt. Kernelement des Siegerentwurfes des Büros Schellenberg-Bäumler war ein zentraler See mit einem angrenzenden urbanen Bereich und einer großzügigen Grünlage“, erinnert sich Bürgermeisterin Sabine Kählert an die Anfänge von „Tornesch am See“. In Gummistiefeln steht sie am Rand der Baugrube und blickt in Richtung der neuen Mehrfamilien-, Reihen- und Einfamilienhäuser, die in einiger Entfernung bereits entstanden sind. Weitere Mehrgeschosswohnungen sollen folgen. „Der See wird aus den Grundstücksverkäufen finanziert“, sagt Kählert. Sogenannte „grüne Finger“ sollen das Wohngebiet durchziehen.

Kleine Dämme verhindern, das Grundwasser durchbricht

Sechs bis sieben Meter tief soll der See an seiner tiefsten Stelle werden. An den Rändern bleibt er flach, auch damit Kinder dort spielen können. An einer Stelle soll es einen Spielstrand geben mit Wasserspielzeugen. „Baden wird allerdings nicht erlaubt sein, weil wir zum einen keine Badeaufsicht haben, zum anderen müsste die Wasserqualität entsprechend regelmäßig geprüft werden“, sagt Kählert.

Um die Gefahr zu reduzieren, dass Grundwasser durchbricht, werden in der Grube kleine Dämme angelegt, die mit Wasser geflutet werden - als Gegengewicht. Weil viel Dinge beim Anlegen eines Sees beachtet werden müssen, begleitet ein Biologe die Ausgrabungen.

See benötigt etwa 17.000 Kubikmeter Wasser

20.000 Kubikmeter Erde müssen für den See ausgehoben werden. Aus einem Teil des Bodens entsteht ein paar Meter weiter ein Landschaftshügel. Der Rest muss entsorgt werden. „Wir hatten lange gehofft, dass der Boden für den Bau des A7-Deckels genutzt werden könnte, aber die Bodenzusammensetzung passt nicht“, sagt Tams. Auch beim Deichbau gibt es derzeit keine Verwendung für den Aushub aus Tornesch.

„Bislang liegen wir zeitlich und finanziell gut im Plan“, sagt Tams. Auch weil bei Bodenuntersuchungen nichts Problematisches gefunden wurde. Bis März soll das Loch ausgehoben sein, so dass es im Mai oder Juni mit Wasser befüllt werden kann. Gespeist werden soll der See fast ausschließlich mit Regenwasser aus den Gräben und Mulden drum herum. Zudem wird Wasser aus den umliegenden Regenrückhaltebecken genommen. Immerhin werden 17.000 bis 18.000 Kubikmeter Wasser für Torneschs neuen See benötigt.

Wasser geht über Muldensystem zurück in den Kreislauf

„Der Wasserpegel kann bis zu 40 Zentimeter variieren, je nach Niederschlagsmenge“, erklärt Tams. In regenreichen Phasen wird aufgestaut, so dass es in trockenen Zeiten einen Puffer gibt und kein Füllwasser benötigt wird. „So kann der See dazu beitragen, Klimaschwankungen auszugleichen und bei Hitze die Luft zu kühlen und zu durchfeuchten“, sagt Tams. Es ist auch ein Notüberlauf vorgesehen - statistisch soll er aber nur alle zehn Jahre gebraucht werden, so Tams. Der See ersetzt außerdem ein Regenrückhaltebecken und soll die Regenwasserkanalisationen entlasten – durch den Klimawandel ist mit einer Zunahme von Starkregenereignissen zu rechen.

Durch ein Muldensystem geht das Wasser zurück in den natürlichen Kreislauf. Ein Filter mit Spezialkies soll Schwebeteilchen heraus filtern und Algenblüte verhindern. Er wird unter der Wasseroberfläche verschwinden.

Zum Schluss werden Wasserpflanzen eingesetzt und die Ufer, sogenannte Seeterrassen, gestaltet. An den Wegen entstehen Sitzecken, joggerfreundliche Strecken und Fitnesspfade. „Wir wünschen uns auch ein kleines Café“, sagt Kählert, die sich einen Treffpunkt mitten im neuen Wohngebiet erhofft. Mit dem weiteren 200 Geschosswohnungen wird begonnen, wenn der See fertig ist.