Kreis Pinneberg

Maifestival Young – Auf zum Preisträgerkonzert!

Lasse Tellkamp (vorn mit Trompete) und Lorant Aktan (Klavier) spielen beim Preisträgerkonzert. Hinten von links: Organist Oliver Schmidt mit Simone Anders und Sabine Maria Schoeneich vom Verein Little Opera und künstlerische Leiterinnen des Maifestivals Young.

Lasse Tellkamp (vorn mit Trompete) und Lorant Aktan (Klavier) spielen beim Preisträgerkonzert. Hinten von links: Organist Oliver Schmidt mit Simone Anders und Sabine Maria Schoeneich vom Verein Little Opera und künstlerische Leiterinnen des Maifestivals Young.

Foto: Katja Engler

Das Festival samt Wettbewerb konnte trotz Corona mit Auflagen stattfinden. In der Rellinger Kirche zeigt der Nachwuchs, womit er punkten konnte.

Rellingen. Ein riesiger Kraftakt war das vergangene Maifestival Young für Simone Anders, Sibylle Maria Schoeneich und die Fachjury. Und eine Riesenfreude, dass es trotz Corona doch noch reduziert unter strengen Auflagen stattfinden konnte, während die Jury draußen im Freien vor der Kirche tagte.

Jetzt, wo am 7. November um 17 Uhr das große Festival-Preisträgerkonzert vor der Tür steht, ziehen die beiden Leiterinnen nochmals Bilanz. Zum Termin haben sie mit Lasse Tellkamp und Lorant Aktan (beide elf Jahre alt) zwei junge Musiker eingeladen, die ganz neu dabei waren und deshalb in der Starterklasse gespielt und gewonnen haben. Sie geben außerdem einen vorsichtigen Ausblick ins nächste Jahr.

Beim Konzert in der Rellinger Kirche werden am 7. November neben 16 weiteren Jung-Talenten Lasse Tellkamp, dessen Instrumente Trompete und Klavier sind, und der Jung-Pianist Lorant Aktan Stücke spielen, mit deren Interpretation sie beim Wettbewerb gewonnen haben. Die jugendlichen Gewinner zwischen sechs und 20 Jahren waren in mehreren Kategorien angetreten – von Startern bis zur Meisterklasse.

Darunter war, weil die Initiatorinnen die kulturelle Verbindung mit den historischen Meistern der Region hoch schätzen, auch eine Kategorie „Hamburger Komponisten“, in der mindestens ein Werk von Brahms, Mendelssohn, Mahler, Hensel, Hasse, Telemann oder Carl Philipp Emanuel Bach vorgetragen werden musste. Im Konzert kommen Werke von Beethoven, Bach, Reger, Brahms, Händel, Rachmaninow, Elgar, Liszt, und anderen Komponisten zu Gehör.

Der Rellinger Nachwuchswettbewerb unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen, zu denen junge Talente offenbar oft von ihren überehrgeizigen Eltern angemeldet werden. „Wenn ich unter Druck gesetzt werde, hab ich keinen Ehrgeiz mehr“, sagt Lasse Tellkamp dazu. Weil er Bachs Weihnachtsoratorium in der Rellinger Kirche gehört und ihm die Bläser darin so gut gefallen haben, wollte er lernen, Trompete zu spielen. Wenig später sah er dann noch den Rellinger Musikzug in Aktion: „Ich hab da eine kleine Trompete gesehen. Die hab ich ausprobiert, und es hat mir Spaß gemacht.“ Heute bekommt er Unterricht in der Pinneberger Musikschule. Klavier mag er aber mindestens genauso gern und tummelt sich am liebsten auf dem Feld der Klassik.

Lorant Aktan hat schon als Vierjähriger Klavier gespielt, aber intensiv ist er seit ein, zwei Jahren dabei und komponiert außerdem eigene Stücke. „Ich mag die Vorfreude und das Kribbeln“, sagt er zu seiner Teilnahme am Wettbewerb. Dort hat er ein Stück des US-Jazzpianisten Herbie Hancock gespielt, aber auch eine Fantasie von Händel. „Ich übe nicht wirklich oft, aber jetzt viel mehr als früher“, sagt Lorant. „Der Wettbewerb hat mich motiviert, mehr zu machen.“

Beide Jung-Musiker stammen aus musikalischen Familien, in denen weitere Familienmitglieder ein Instrument spielen, Musik lieben und Eltern ihre Kinder auch schon zu Livekonzerten mitgenommen haben.

Simone Anders und Sabine Maria Schoeneich wollten von vornherein einen Wettbewerb ohne Angst und Leistungsdruck. Und wenn ein Kind beim Vorspielen so aufgeregt ist, dass es einen Fehler macht und dann anfängt zu weinen, gehen sie behutsam mit der Situation um, schützen das Kind, das dann noch mal von vorn beginnen darf.

Eben so, wie sie in ihrem Verein „Little Opera“ auch unterrichten. „Die meisten Wettbewerbe fördern die Nachwuchsmusiker nicht wirklich. Bei uns erhalten alle, die einen ersten Preis mit Auszeichnung gewonnen haben, eine echte, konstruktive Resonanz und eine Meisterstunde“, sagt Simone Anders. Und ihre Kollegin Sabine Maria Schoeneich ergänzt: „Wir kritisieren nicht, wir zeigen einen Weg.“

Das gefällt auch dem neuen Hauptsponsor Thomas Pötzsch, dessen Logistik-Unternehmen in Rellingen sitzt: „Ich wollte kein Kunstturnen für die Ohren fördern, nichts, was Kinder kaputtmacht“, sagt er. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, haben aber oft versäumt, Leistung zu definieren.“ Simone Anders erklärt: „Uns geht es nicht um eine akrobatische musikalische Leistung, sondern um Persönlichkeit, Ausdruck und Zusammenhang.“ Oft genug bemerken die beiden Musikerinnen aufgesetzte „Genie-Gesten“, die nicht von den Kindern kommen. Sie aber wollen authentischen Ausdruck. Der ist ihnen wichtiger, als punktgenaues Musizieren.

Was die Pläne für das kommende Jahr angeht, lautet das derzeitige Motto: flexibel sein. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir einen konzertlosen Plan B brauchen“, sagt Thomas Pötzsch. Im schlimmsten Fall will Kantor Oliver Schmidt, dass in der menschenleeren Kirche gespielt wird, und die Konzerte per Live-Stream über YouTube übertragen werden. Das sei aber nur im Extremfall angedacht, „einen Totalausfall wird es nicht noch mal geben“, sagt Schmidt, „ich bin wild entschlossen, 2021 wieder ein Maifestival zu haben.“ Auch das zwischenzeitliche Auswechseln der Besucher sei eine Möglichkeit, dass mehr Menschen dabei sein können.

Zum Finalkonzert Anfang November sind 150 Zuschauer zugelassen. Dann wird auch der Sonderpreis vergeben, der mit einer Reise nach Salzburg zum Schirmherrn des Festivals verbunden ist, dem Geiger Lutz Leskowitz.

Finalkonzert Sa, 7. November, 17 Uhr. Karten kosten zehn, ermäßigt sieben Euro, zu kaufen im Pinneberger Bücherwurm, bei der Rellinger Buchhandlung Lesestoff und beim Verein Little Opera.