Kreis Pinneberg

Was passiert jetzt mit Prisdorfs Problem-Gewerbegebiet?

Der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps muss laut Gerichtsentscheidung schließen.

Der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps muss laut Gerichtsentscheidung schließen.

Foto: HA

Nach Verwaltungsgerichtsurteil: Sonderpostenmarkt muss schließen, will aber offenbar in die Berufung. Kommt ein neuer Discounter?

Prisdorf.  Der Verkauf geht weiter. Noch. Der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps in Prisdorf wird nach Abendblatt-Informationen versuchen, das Urteil des Verwaltungsgerichts Schleswig anzufechten. Die Richter hatten die vom Kreis 2018 erlassene Nutzungsuntersagung für die Geschäftsräume des Billigmarktes für rechtmäßig erklärt und damit das Aus des Standorts in Prisdorf besiegelt (wir berichteten).

Für Lorenz Lüders ist das bitter. Ihm gehört die ehemalige Gewerbehalle, in die 2014 der Sonderpostenmarkt einzog. „Die Sache liegt bei meinen Anwälten und denen von Thomas Philipps“, sagt der Vermieter. Und er sagt weiter: „Der Antrag auf Berufung beim Oberverwaltungsgericht wird gestellt.“ Man wolle alles dafür tun, das Urteil in der nächsthöheren Instanz überprüfen zu lassen. Auf diese Weise würde der Billigmarkt eine weitere Gnadenfrist erhalten – vorausgesetzt, das Oberverwaltungsgericht lässt die Berufung überhaupt zu.

Bei Thomas Philipps wollen sich die Verantwortlichen nicht zum weiteren Vorgehen in der Sache äußern. „Keine Stellungnahme“, heißt es kurz und knapp bei Uwe Dreckmann, der bei der Ladenkette für Expansion zuständige Mitarbeiter. Der Fall „liege auf einer anderen Ebene“, so Dreckmann weiter.

Verkauf läuft noch, als wäre nichts geschehen

Wie es für den Sonderpostenmarkt weitergeht? Am Mittwoch läuft der Verkauf vor Ort in Prisdorf, als wäre nichts geschehen. Am Zug ist jetzt der Kreis, der als Bauaufsichtsbehörde für Prisdorf zuständig ist. 2013 hatte er Lüders die Baugenehmigung erteilt, aus der Gewerbehalle einer Firma für Antriebstechnik eine Einzelhandelsfläche zu machen.

Nachdem die Stadt Pinneberg mit mehreren Klagen gegen das immer stärker wachsende Nahversorgungszentrum in Prisdorf Erfolg hatte, musste der Kreis die Baugenehmigung widerrufen und Thomas Philipps die weitere Nutzung untersagen. Dagegen legte der Billigmarkt erst Widerspruch ein und klagte nach Zurückweisung des Widerspruchs gegen die Nutzungsuntersagung. Jedoch ebenfalls erfolglos.

„Wir warten jetzt erst einmal die Rechtskraft des Urteils ab“, sagt Silke Linne, Sprecherin des Kreises Pinneberg. Sollte kein Antrag auf Berufung gestellt werden, könnte dies in der zweiten Novemberwoche der Fall sein. Wie der Kreis dann weiter vorgehe, werde derzeit geprüft. Möglich wäre, dem Unternehmen eine Frist zur Räumung der Ladenfläche zu setzen. Wird die nicht eingehalten, müsste die Behörde die Einstellung des Geschäftsbetriebes erzwingen – etwa mit einer Räumungsklage.

Bürgermeister hat das Urteil erwartet

„Das Urteil überrascht mich nicht“, sagt Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz. Das sei bereits nach der mündlichen Verhandlung im September absehbar gewesen. „Für uns als Gemeinde geht das natürlich nicht in die richtige Richtung, das beschränkt uns weiter in unseren Einkaufsmöglichkeiten.“

Die Gemeinde musste in den vergangenen Jahren einen Exodus an Einzelhandelsgeschäften verkraften. Der Baumarkt Toom zog nach Pinneberg, seine Fläche steht leer. Der Elektronikmarkt Medimax gab 2014 seine Filiale mit 1450 Quadratmeter Verkaufsfläche auf. Der Versuch, in diesen Räumen einen Markt für Tierfutter anzusiedeln, der schon einmal mit einer kleineren Filiale in Prisdorf ansässig war, scheiterte ebenfalls am Widerstand der Stadt Pinneberg. Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht blieb im Juni dieses Jahres erfolglos.

An diesem Termin scheiterte auch Lorenz Lüders mit einer Klage. Ihm gehört auch eine Immobilie, die an den Discounter Aldi vermietet ist. Dem wurde eine Vergrößerung seiner Verkaufsfläche verwehrt, was vom Gericht bestätigt wurde. Der Discountriese hat inzwischen seine Konsequenzen gezogen. Er gibt sein Geschäft in Prisdorf zum 31. Oktober auf.

Im Januar verließ die Drogeriekette DM den Peiner Hag

Ende Januar dieses Jahres hatte die Drogeriekette DM ihre dortige Filiale geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen. Die Fläche in einer Ladenzeile, die ebenfalls Lüders gehört, liegt seitdem brach. Das Problem: Die Stadt Pinneberg hatte gerichtlich durchgesetzt, dass Erweiterungen oder Umnutzungen am Peiner Hag grundsätzlich nicht zulässig sind. Es wäre also nur ein Drogeriemarkt möglich. Und aus diesem Segment hat niemand Interesse.

Aus anderen Segmenten auch nicht. So steht seit Mai 2018 auch die 600 Quadratmeter große Fläche, die bis dahin den Modemarkt Takko beherbergte, leer. Takko war in die Ratshauspassage in Pinneberg gezogen. Diese Fläche wird wie auch die Medimax-Geschäftsräume im Internet von einem Makler angeboten. Zumindest einen kleinen Lichtblick gibt es: Lorenz Lüders steht in Verhandlungen mit einem Lebensmitteldiscounter, der die Aldi-Fläche übernehmen will. Das wäre, weil der Nachfolger aus der gleichen Branche stammt, rein rechtlich zulässig. Einen Namen will Lüders nicht verraten. „Noch ist da nichts spruchreif.“ Wenn es klappt, würde eine Neueröffnung frühestens zum Jahreswechsel realisierbar.