Bauarbeiten

Der Fahrplan für Pinnebergs neuen Bahnhof steht

Zukunftsvision: So stellen sich die Planer die Nordseite des Bahnhofs mit restauriertem Empfangsgebäude und rundlichen Verbindungsbauten vor.

Zukunftsvision: So stellen sich die Planer die Nordseite des Bahnhofs mit restauriertem Empfangsgebäude und rundlichen Verbindungsbauten vor.

Foto: Stationova DB / HA

Pendler und Einwohner müssen mit der Baustelle noch bis mindestens 2023 rechnen. Was fertig ist, was fertig wird.

Pinneberg. Die ewige Baustelle Pinnebergs wird Einwohner und Pendler der Stadt auch noch über die kommenden Jahre hinweg begleiten. Der Bahnhof bleibt mindestens bis zum Jahr 2023 ein Baufeld. Das geht aus Unterlagen des Stadtentwicklungsausschusses hervor, in denen die einzelnen Maßnahmen und der Zeitplan der umfangreichen Sanierung aufgelistet sind. Bekanntlich modernisieren die Deutsche Bahn und die Stadt seit 2018 gemeinsam den wichtigen Verkehrsknoten und sein Umfeld. Täglich nutzen 20.000 Menschen den Bahnhof in Pinneberg, in den kommenden Jahren sollen es bis zu 24.000 sein.

Nach derzeitigem Stand soll noch im Dezember dieses Jahres die Gleis-Unterführung eröffnet werden. Schon fertig sind teilweise die Bahnsteige sowie der Busbahnhof und die Bike-and-Ride-Anlage an der Nordseite. Beide hatte die Stadt weitgehend in Eigenregie verwirklicht.

Doch ob etwa das historische Empfangsgebäude wie geplant erhalten wird – eine Entscheidung darüber will der Vorstand der Bahn im Dezember treffen – , steht ebenso in den Sternen wie ein Termin für die endgültige Fertigstellung des gesamten Bahnhofs. Die Kosten liegen bei kalkulierten 15 Millionen Euro, bezahlt aus Infrastrukturgeld des Bundes, Landesmitteln und städtischem Eigenanteil. Das sind die aktuellen Pläne:

Historisches Empfangsgebäude

Laut Unternehmensangaben will der Vorstand der Deutschen Bahn in diesem Dezember über die Erneuerung und den Erhalt des historischen Empfangsgebäudes entscheiden. Daran gekoppelt ist auch ein zusätzliches Eingangsbauwerk auf der Bahnhofsnordseite (siehe Foto). Der Plan für das historische Gebäude ist, es komplett zu entkernen und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes neu aufzubauen.

Maßstab sei dabei der Zustand der Außenfassade aus dem Jahr 1936. Der Bau stammt eigentlich aus dem Jahr 1844 und ist damit der älteste noch in Betrieb befindliche Bahnhof Schleswig-Holsteins. Innen sollen eine beheizte Wartehalle, die Fahrkartenschalter sowie ein Café mit Sitzplätzen entstehen. Die Kosten wurden zuletzt mit sechs Millionen Euro kalkuliert.

Personenunterführung

Noch wird an der Personenunterführung gebaut. Eine Eröffnung ist noch für den Dezember 2020 vorgesehen. Die Restarbeiten an der Verkehrsstation werden sich nach Angaben der Deutschen Bahn aber mindestens bis in den Frühsommer 2021 erstrecken. Der bisherige Fußgängertunnel unter den Gleisen wird davor verfüllt. Doch auch nach Eröffnung der Personenunterführung, insbesondere während der geplanten Erneuerung des Empfangsgebäudes, wird es auf der Nordseite des Bahnhofes zu Umwegen und Einschränkungen kommen, kündigt die DB an.

Bahnhofsvorplatz Nordseite

Geplant sind ein Fahrradparkhaus rechts neben dem Empfangsgebäude in der Nähe des Busbahnhofs – und Einzelhandel. Die Deutsche Bahn sei intensiv bestrebt, am historischen Empfangsgebäude Richtung Norden Einzelhandel mit etwa 300 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie das von der Stadt geplante Fahrradparkhaus mit etwa 900 Stellplätzen verwirklichen zu können.

Schon seit Herbst 2019 prüfe die Bahn, ob sich der vorgesehene Bau neben den Gleisen und den technischen Anlagen machen lässt. Das Ergebnis soll „in Kürze“ vorliegen. Von diesem Ergebnis hängt auch die grundsätzliche Neugestaltung des Vorplatzes vor dem historischen Empfangsgebäude ab. Wegen der erwartet langen Bauzeit am Empfangsgebäude und des geplanten Fahrradparkhauses sei die konkrete Gestaltungsplanung des Vorplatzes zunächst aber nach hinten verschoben worden.

Busbahnhof

Der 2019 eingeweihte Busbahnhof wirkt noch wie ein Fremdkörper in der Baustelle – ein Ufo umgeben von Brachflächen. Eine noch ungenutzte Fläche an der Nordseite sei im Privatbesitz, der vorliegende Bebauungsplan 124 sieht dort Stellplätze vor. Obwohl es Anfragen für eine gewerbliche Nutzung dieser Fläche gab, etwa Dienstleistungen, Hotel, Büros, wurden konkrete Anträge bisher noch nicht eingereicht. Bedeutet: Alles ist offen.

Bahnhofsvorplatz Südseite

Auch die Südseite des Bahnhofs soll ihr Gesicht grundlegend ändern: Parkhaus, Radabstellplätze, Lärmschutz sind geplant. Insgesamt soll dieser Bereich für etwa vier Millionen Euro umgestaltet werden, unter anderem sollen aus 87 später 127 Autoparkplätze werden. Hinzu kommen 128 abschließbare Rad-Stellplätze sowie 640 überdachte und 131 offene Fahrrad-Abstellmöglichkeiten. Der gesamte südliche Vorplatz soll mit Bäumen und Sitzmöglichkeiten nicht nur einladender, sondern auch verkehrsberuhigt werden.

Nachdem die Förderbescheide des Landes im Juli bei der Stadt eingegangen waren, kann das Geld aber trotzdem erst abgerufen werden, wenn die Stadt ihren Eigenanteil in den Haushalt 2021 einstellt und genehmigt. Ein ergänzender Unterstützungsantrag sei bei der Metropolregion Hamburg gestellt worden. Prüfung: noch offen. Ziel sei, die Ausschreibung spätestens Anfang 2021 zu starten. Bis dahin muss aber noch ein provisorischer Zugang gebaut werden, um die Fußgänger verkehrssicher in diesen Bereich zu führen. Das Parkhaus soll bis zum Herbst 2021 gebaut werden und auch Lärmschutz bieten. Eine weitere Lärmschutzwand der Bahnhofssüdseite soll bis Ende 2020 fertig werden. Die Fertigstellung des gesamten Lärmschutzes sei Voraussetzung für den Bezug der Wohnungen im Neubaugebiet „Ilo-Park“.

Wohnungen Ilo-Park

Die ersten Gebäude an der Straße An der Mühlenau sind im Bau und sollen im kommenden Jahr bezogen werden. Die weiteren insgesamt 360 Wohnungen werden sich nach Plan der Investoren von Norden nach Süden entwickeln. Im Bereich des südlichen Bahnhofsvorplatzes müsse wegen des Baustellenverkehrs und wegen der Neugestaltung der Platzflächen noch länger mit erhöhtem Bauaufkommen gerechnet werden.

Brücken

Laut Unterlagen soll der Heinrich-Christiansen-Weg verbreitert werden, auch ein Neubau der abgängigen Brücke über die Mühlenau ist geplant. Ziel ist, dort künftig Fußgänger und Radfahrer parallel zu führen. Für den Neubau der Brücke über die Mühlenau ist bereits ein städtebaulicher Vertrag mit den Ilo-Park-Investoren geschlossen worden. Ein Zuschuss von 100.000 Euro wurde zugesagt, wenn der Brückenneubau bis Juli 2023 vollständig abgeschlossen ist.