Bundestagsmandat

Warum es Ralf Stegner nach Pinneberg zieht

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Sulanke
Ralf Stegner (r.) stellt sich als Bewerber für die Bundestagskandidatur im Kreis Pinneberg vor. Links der SPD-Kreisvorsitzender Thomas Hölck.

Ralf Stegner (r.) stellt sich als Bewerber für die Bundestagskandidatur im Kreis Pinneberg vor. Links der SPD-Kreisvorsitzender Thomas Hölck.

Foto: Alexander Sulanke

Und wen der Oppositionsführer in Kiel für einen guten Kanzlerkandidaten hält, welche Koalition er sich im Bund wünscht.

Kreis Pinneberg.  Er war SPD-Bundesvize, zweimal Minister in Kiel, stellvertretender Ministerpräsident, er gehört seit 15 Jahren dem Landtag an, die längste Zeit als SPD-Fraktionschef: Ralf Stegner gehört ohne Frage zu den profilierteren Gesichtern der Sozialdemokratie. Und nun interessiert er sich für – Pinneberg? Die Ankündigung des 60-Jährigen, sich hier um eine Bundestagskandidatur zu bewerben, hat am Mittwoch für große Überraschung gesorgt (wir berichteten). Warum macht er das, was will er hier?

Freitagmittag, Annemarie-Renger-Saal in der Parteizentrale an der Pinneberger Friedrich-Ebert-Straße. Stegner ist gekommen, um sich zu erklären. Es ist der selbe Ort, an dem erst am Dienstag der Elmshorner Abgeordnete Ernst Dieter Rossmann erklärt hat, sich 2021 nach dann 23 Jahren aus der Bundespolitik zurückzuziehen; wenige Stunden später ging Stegners Bewerbung beim Kreisverband Pinneberg ein.

Er macht anderen Genossen keine Konkurrenz

Auch oder gerade deshalb übrigens, weil Ernst Dieter Rossmann nicht erneut kandidiere. „Das ist eine Voraussetzung“, sagt Stegner. So komme es für ihn auch nicht infrage, in seinem eigenen Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde anzutreten. „Dort kandidiert Sönke Rix“, sagt der Bordesholmer Stegner. „Wir haben immer gesagt, dass wir uns gegenseitig keine Konkurrenz machen.“

Der Kreis Pinneberg sei aber auch ein Stück Zuhause für ihn, der Ort nämlich, an dem er einst in Rellingen erstmals kommunalpolitisch aktiv gewesen sei. Er nennt Namen, mit denen er viel verbinde, explizit den des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Hannes Birke, und den der Schenefelder Bürgermeisterin Christiane Küchenhof.

Stegner gefiele ein Bündnis mit Grünen und Linken

Stegner spricht von einem „Kraftzentrum in Schleswig-Holstein“. Von einer Region, deren Einwohner oft eher nach Hamburg blickten als nach Kiel; deren SPD-Kreisverband immer zu den stärksten im Land gehöre; in der sich die Chancen und Probleme der Metropolregion besonders herauskristallisierten. Er benennt den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs als eine Herausforderung, geht auf die Baumschulen im ökologischen Wandel ein. „Und es gibt hier viele mittelständische Unternehmen mit all ihren Arbeitsplätzen, die darauf angewiesen sind, dass wir nach Corona wieder auf die Beine kommen. Kurzum: „Es ist ein Kreis, der im Bundestag gut vertreten sein will.“

Und dann sind da die bundespolitischen Themen, die den Oppositionsführer im Landtag reizen. Ob Daseinsvorsorge, Europa, Digitalisierung oder Sozialstaat: „Die sozialdemokratischen Antworten liegen auf der Straße“, sagt Ralf Stegner. „15 Prozent in den Meinungsumfragen sind da extrem unbefriedigend.“ Und dann ergänzt er: „Ich will dafür sorgen, dass die SPD es nicht versemmelt.“ Power, Temperament und Kraft seien da. „Können meine Gegner bestätigen, und meine Freunde wissen das.“

„Kontrast zum konservativen Kandidaten“ sichtbar

Nun ist der Kreis Pinneberg aber auch keine sichere Bank für einen Sozialdemokraten. Bei den letzten vier Bundestagswahlen ist das Direktmandat an die CDU gegangen. Den Partei-Linken Stegner reizt daran, dass „der Kontrast zum konservativen Kandidaten (Michael von Abercron, Anm. d. Red.)“ ganz sichtbar sei. Er sagt: „Daraus lässt sich was machen.“

Ernst Dieter Rossmann hat 72 Stunden zuvor am selben Ort für einen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz geworben. Und Stegner? „Dass die Debatte um Olaf Scholz geführt wird, hat seine Berechtigung. Olaf Scholz und ich stellen eine gewisse Vielfalt in der Partei dar, nicht nur, was das Temperament angeht.“ Aber auch Fraktionschef Rolf Mützenich mache eine exzellente Arbeit.

Pinneberger SPD-Mitglieder wählen am 5. Dezember

Auf die Frage nach einer Wunsch-Koalition sagt Stegner zunächst, dass bis zur Wahl jede Partei für sich kämpfe und danach alle demokratischen Parteien miteinander sprechen müssten („Ich habe in Kiel schon nahezu jede Konstellation miterlebt“), macht dann aber deutlich, dass ihm eine „progressive Koalition vielleicht mit Grünen und Linkspartei“ gefallen könnte.

Nach Auskunft des SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Thomas Hölck aus Holm ist Ralf Stegner bis jetzt einziger Bewerber. Bis zum 2. August können sich weitere melden, am 5. Dezember soll ein Kandidat per Mitgliedervotum nominiert werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg