Kreis Pinneberg

Wo Halstenbek ein neues Gewerbegebiet plant

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Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolai Overbeck vor der Vorzugsfläche.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolai Overbeck vor der Vorzugsfläche.

Foto: Thomas Pöhlsen

Die Mehrheit der Politik favorisiert eine Fläche an Lübzer Straße und Heideweg. Die Grünen sind allerdings anderer Meinung.

Halstenbek.  Die Halstenbeker Gemeinderäte drücken in Sachen Gewerbegebietsausweisung aufs Tempo. Während ihrer Sitzung am Montagabend in der Mensa der Grund- und Gemeinschaftsschule wurde mit großer Mehrheit eine Fläche im Bereich Lübzer Straße und Heideweg als Vorzugsvariante ausgewählt. Den Politikern lag eine Liste mit zwölf möglichen Flächen vor. Die Verwaltung soll nun in die konkrete Prüfung einsteigen.

Grundsätzlichen Konsens über die Ausweisung eines Gewerbegebietes hatten die Politiker bereits während ihrer Februarsitzung erzielt. Die schwierige Haushaltslage der Gemeinde zwingt die Politiker, sich über zusätzliche Steuereinnahmen Gedanken zu machen. Durch die zu erwartenden Einnahmeausfälle wegen der Corona-Pandemie stellt sich jetzt diese Frage noch einmal verschärft. Nur blieb damals die Frage, wo dieses Gebiet ausgewiesen werden soll. Dazu wurde die Verwaltung beauftragt, potenzielle Flächen zu identifizieren, ferner Vor- und Nachteile aufzuführen.

Diese Liste lag den Politikern nun vor. Von den zwölf Arealen sind jedoch zwei Flächen faktisch unmöglich, weil in einem Fall großflächig Wohnbebauung bereits geplant ist und in einem zweiten Fall ein Teil auf den Biotopverbund „Grüne Brücke“ entfällt und damit Gewerbe ausgeschlossen ist. Mehrere Flächen an der Dockenhuder Chaussee, dem Eidelstedter Weg, dem Verbindungsweg sowie dem Heider Weg wurden ausgemacht. Dazu kommen Am Schützenplatz und Am Bahndamm.

SPD prescht mit Antrag vor

Mit langen Diskussionen über die Vor- und Nachteile der einzelnen Areale haben sich die Politiker nicht aufgehalten. Kommentarlos nahmen sie die Liste zur Kenntnis, die ihnen die Gemeindeverwaltung erarbeitet hatte. Mit einem Antrag preschte die SPD-Fraktion vor – und fand damit die Zustimmung bei CDU und FDP. Auserkoren wurde der Bereich Lübzer Straße und Heideweg. „Wir halten diesen Bereich für besonders geeignet“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolai Overbeck. Er liegt weitab vom Gemeindekern und damit weitab von den Menschen.

Die Verwaltung soll nun prüfen, wie ein Gewerbegebiet mit geringer Zerschneidung der Grünflächen entwickelt werden kann. Dabei wollen die Sozialdemokraten das Gebiet allerdings kompakter halten, als es in dem Rathaus-Vorschlag vorgesehen ist. Von den theoretisch möglichen zwölf Hektar möchten sie nur einen Teil nutzen. Sie erhoffen sich dadurch geringeren ökologischen Schaden.

Ein weiterer Vorteil des Vorschlags: In unmittelbarer Nähe befindet sich nur ein Wohnhaus. Die Zahl der betroffenen Nachbarn ist also klein. Als Nachteil des Areals hatte die Verwaltung die fehlenden ÖPNV-Anbindung ausgemacht. Über eine Busanbindung müsste im Rahmen der Planungen nachgedacht werden, schlug Overbeck vor.

„Charakter als grüne Gemeinde bleibt erhalten“

Die Verwaltung wird auch beauftragt zu prüfen, ob die Erschließung über die Lübzer Straße möglich ist. Das brächte eine bessere Anbindung. Bei der Prüfung ist die geplante Trasse des Radschnellweges südlich der Bahntrasse sowie der Erhalt eines Grünstreifens an der Lübzer Straße zu berücksichtigen. Für Overbeck steht fest: „Halstenbeks Charakter als grüne Gemeinde bleibt erhalten.“

Zusätzlich wird die Verwaltung gebeten, die Eigentumsverhältnisse der Flächen darzulegen. Ein Teil des Geländes, so vermutet Overbeck, ist bereits in Besitz der Kommune. Der Sozialdemokrat geht dennoch von einer längeren Planungsphase aus. In dieser Wahlperiode, die 2023 endet, wird es wohl nicht gelingen, das Gewerbegebiet auszuweisen. Für Overbeck ist es aber wichtig, „bereits jetzt Pflöcke einzuschlagen“. Sonst werde es nicht gelingen, in der nächsten Wahlperiode ein Gewerbegebiet zu schaffen, steht für den Genossen fest.

Der CDU-Fraktionschef Andreas Pauli signalisierte Zustimmung. Seine Partei hatte bereits 2017 eine Liste von möglichen Flächen für die Ausweisung eines Gewerbegebietes zusammengetragen. Darunter auch eine Fläche an der Lübzer Straße, unweit des von der SPD favorisierten Bereichs. In der Liste der Verwaltung war dieser Bereich allerdings nicht aufgetaucht. „Das wäre unsere A-Lage gewesen“, so Pauli.

Grüne wollen erst ökologische Inventur

Den SPD-Vorschlag charakterisierte er als B-Lage, der auch akzeptabel sei. Wichtig sei für den Christdemokraten, dass die Planungen für ein Gewerbegebiet angegangen werden. Pauli kritisierte die Verweigerungshaltung der Grünen gegenüber diesen Planungen.

Die FDP schloss sich der christdemokratischen Sicht an, kaum verwunderlich, dass es heftige Gegenwehr aus den Reihen der Grünen gab. Ines Strehlau sah zwar grundsätzlich die Notwendigkeit der Gewerbegebietsausweisung, verwies aber in dem konkreten Fall auf den in diesem Bereich befindlichen Grünzug.

Für ihren Fraktionskollege Dieter Thomas geht der Gemeinderat das Thema in der falschen Reihenfolge an. Er möchte erst eine ökologische Inventur der Gemeinde mit dem Konzept der grünen Infrastruktur (siehe Infotext). Erst danach will der Grüne über die Ausweisung eines Gewerbegebietes reden. „Damit wir wissen, wo wir der Natur noch etwas zumuten können“, so Thomas.

Über den Prüfauftrag, den die Politiker seiner Verwaltung erteilt haben, freut sich auch Bürgermeister Claudius von Rüden. „Es ist gut, dass es weiter geht“, sagt der Behördenleiter und Verwaltungschef.

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