Wedel

Skipper in Vorfreude auf eine Brise Normalität

| Lesedauer: 6 Minuten
Joana Ekrutt
Die Bootsbauer Rasmus Lamersdorf (r.) und Philipp Mörstedt haben nach der Corona-Zwangspause alle Hände voll zu tun.

Die Bootsbauer Rasmus Lamersdorf (r.) und Philipp Mörstedt haben nach der Corona-Zwangspause alle Hände voll zu tun.

Foto: Joana Ekrutt / HA

Nach Wochen der Zwangspause machen die Skipper im Hamburger Yachthafen in Wedel ihre Boote startklar. Auch die Hamburger sind zurück

Wedel.  Keine Verkehrskegel. Kein geschlossenes Tor. Und auch kein Pförtner. Nach Wochen der Zwangspause, in denen der Hamburger Yachthafen nur eingeschränkt betretbar war, herrscht nun wieder reger Betrieb auf dem Gelände an der Elbe in Wedel.

Die Bootseigner, die durch die Corona-bedingte Sperrung mit ihren Zeitplänen in Verzug geraten sind, wollen ihre Schiffe schnellstmöglich ins Wasser bringen. Auch Hamburger dürfen das Gelände nun wieder betreten. In den vergangenen Wochen war dies laut einer Allgemeinverfügung des Landes zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 nur Bootseignern gestattet, die ihren Erstwohnsitz in Schleswig-Holstein haben. „Jetzt sind einfach alle froh, dass es wieder losgeht“, sagt der Vorsitzende der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft, Jörg-Michael Satz.

Zu Pfingsten sollen alle Boote im Wasser sein

Nun gilt es vor allem die verlorene Zeit wettzumachen und die Boote, die sich noch in den drei Freilagern und den vier Winterlagerhallen des Yachthafens befinden, per Kran ins Wasser zu lassen. Rund 800 Boote lagern im Winter auf dem Gelände. Ende April wäre das Kranen der Schiffe normalerweise abgeschlossen und wären die leeren Hallen zu Parkplätzen umfunktioniert worden. In diesem Jahr verschiebt sich alles nach hinten. „Wir gehen davon aus, dass zu Pfingsten alle Schiffe im Wasser sind“, sagt Satz und wirft einen Blick in eine bereits fast leere Halle.

Die restlichen Boote, die andernorts überwintern, kommen überwiegend auf dem nun ebenfalls wieder geöffneten Wasserweg in den Yachthafen, der über etwa 1800 Liegeplätze verfügt. Von diesen sind zur Zeit nur rund 650 belegt, schätzt der Vereinsvorsitzende. In der Woche nach Wiedereröffnung seien 200 Schiffe per Kran ins Wasser gelassen worden. Bis zu 30 pro Tag. Ende dieser Woche wird noch einmal die gleiche Anzahl erwartet. „Wir sind über jedes Schiff froh, das im Wasser ist.“

Um die Einhaltung der geltenden Sicherheitsvorkehrungen zu gewährleisten, hat die Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft ein Hygienekonzept erarbeitet und auf ihrer Internetseite veröffentlicht. So müssen laut der aktuellen Landesverordnung die Duschen und Gemeinschaftsräume mit Ausnahme von Toilettenräumen geschlossen bleiben. „Auch die Spiel- und Grillplätze sind noch geschlossen“, sagt Satz. Das Tragen einer Maske ist in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel auf der Kranbrücke, verpflichtend. Dort dürfen sich auch nur wenige Personen gleichzeitig aufhalten.

Das gilt auch auf einem an einem Liegeplatz vertäuten Sportboot, an dem sich zu jeder Zeit nur so viele Personen aufhalten dürfen, wie die allgemeingültigen Versammlungs- und Abstandsregeln erlauben. Und auch wie überall sonst gilt vor allem eines: Abstand halten.

„Es ist sehr wichtig, dass die Regeln eingehalten werden und unsere Mitarbeiter geschützt sind“, betont Satz und fügt hinzu: „Ich bin positiv überrascht von dem Verhalten der Bootseigner. Ich hätte eher gedacht, dass die Abstände nach der Wiedereröffnung nicht eingehalten werden.“ Acht Mitarbeiter sind beim Hamburger Yachthafen beschäftigt. Vier Hafenmeister, zwei Verwaltungsangestellte und zwei Handwerker kümmern sich um einen reibungslosen Ablauf.

Streit zwischen Hamburgern und Holsteinern blieb aus

Während der vergangenen Wochen herrschte auch im Vorstand der Yachthafen-Gemeinschaft Hochbetrieb. „So eine Krise hat es vorher noch nie gegeben“, sagt der 59-Jährige. Bis auf die geltenden Abstands- und Hygieneregeln sei der Normalzustand nun jedoch wieder erreicht. Auch der erwartete Ansturm am ersten Tag der Wiedereröffnung sei ausgeblieben. „Das hielt sich in Grenzen, was ich sehr diszipliniert fand.“

Streitigkeiten zwischen Hamburgern und Schleswig-Holsteinern aufgrund der unterschiedlichen Zutrittsmöglichkeiten während der Corona-Zwangspause habe Satz ebenfalls nicht mitbekommen. „Hier herrscht eine familiäre Atmosphäre.“ Was sich beim Anblick der Bootseigner, die an diesem sonnigen Maitag gekommen sind, um an ihren Masten zu werkeln und auf ihren Kran-Termin zu warten, nur bestätigen lässt.

Bootsbauer Rasmus Lamersdorf kommt zwar aus Hamburg, da er und sein Mitarbeiter gewerblich auf dem Yachthafen-Gelände zu tun haben, sind sie jedoch nicht erst seit der Wiedereröffnung vor Ort. „Wir waren da und haben die Leere genossen“, sagt Lamersdorf und lacht. „Jetzt wird es hektisch, da alle Kunden ihre Boote bei schönem Wetter im Wasser haben wollen und vorher noch einige Aufträge zu erledigen sind.“

Einen Mast weiter sind die Studienfreunde Arne Moritz und Daniel Rüter dabei, einen Mast für den Einsatz auf See vorzubereiten. Anders als der Pinneberger Rüter durfte der im Hamburger Stadtteil Marienthal lebende Moritz in den vergangenen Wochen das Hamburger Yachthafen-Areal nicht betreten. „Wir teilen uns zwar ein Boot, aber ich musste alles allein machen, weil er nicht kommen durfte“, sagt Rüter. „Ich fand’s nicht so schlimm“, entgegnet Moritz und lacht.

Zu ihrem Kran-Termin, der an diesem Nachmittag ansteht, sind die beiden nun erstmals wieder gemeinsam am Wasser und sehen sich auch nach der langen Corona-Kontaktsperre erstmals wieder. „Wir haben viel telefoniert“, sagt Moritz. Auf diesen Tag haben jedoch beide hingefiebert. „Es ist sehr aufregend, wenn das Boot ins Wasser kommt“, sagt Rüter. Wenn alles glattgeht und es die Lockerungen erlauben, soll es für einen der beiden samt Familie an Pfingsten zum Liegeplatz nach Kiel gehen. Der verzögerte Saisonstart macht den beiden jungen Familienvätern hingegen nicht allzu viel aus. Auch nicht die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer. „Das Doofe an Corona ist, dass die Kinder nicht in die Kita können“, sagt Rüter. Das sieht auch Moritz so. Beide haben in den vergangenen Wochen Homeoffice-Erfahrung in Anwesenheit zweier Kindergartenkinder gesammelt. Da liegen die Prioritäten woanders. Dennoch sind sich die beiden passionierten Segler einig: „Es ist schön, dass es jetzt wieder losgeht.“

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