Pandemie

Coronavirus befällt viertes Altenheim im Kreis Pinneberg

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Alexander Sulanke
Eine Pflegekraft schiebt einen alten Menschen über den Flur (Symbolbild). Bisher haben sich im Kreis Pinneberg 100 Bewohner von Senioreneinrichtungen mit dem Coronavirus infiziert.

Eine Pflegekraft schiebt einen alten Menschen über den Flur (Symbolbild). Bisher haben sich im Kreis Pinneberg 100 Bewohner von Senioreneinrichtungen mit dem Coronavirus infiziert.

Foto: Tom Weller / dpa

Kreisgesundheitsamt registriert 14 Neuinfektionen und einen Todesfall in einer Pflegeeinrichtung in Appen.

Appen.  Das tückische Coronavirus, es hat sich jetzt in eine vierte Senioreneinrichtung im Kreis Pinneberg eingeschlichen. Betroffen ist ein großes Haus in Appen, das nach eigenen Angaben 118 Pflegeplätze bietet und ungefähr 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Elf Senioren und drei Personen aus den Reihen der Belegschaft haben sich nach Angaben aus der Kreisverwaltung nachweislich angesteckt. Ein Mensch aus dem Kreis der infizierten Bewohner ist bereits am Mittwoch vergangener Woche im Krankenhaus gestorben; die Person war nach Abendblatt-Informationen zuvor schon einmal in einer Klinik gewesen. Die anderen sind auf ihren Zimmern in Quarantäne und werden dort medizinisch betreut.

Die ersten Verdachtsfälle in dem Heim waren Anfang vergangener Woche bekannt geworden. Daraufhin veranlasste das Kreisgesundheitsamt einen Massentest. Ein Team der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein fuhr für zwei Tage nach Appen und nahm Abstriche von allen Bewohnern und allen anwesenden Mitarbeitern. Das Ergebnis liegt seit Montagnachmittag vor.

In der Einrichtung gelten strenge Hygienevorschriften

„Es hat uns trotz aller Maßnahmen hier erwischt“, sagt Einrichtungsleiterin Anne Schäfer auf Abendblatt-Anfrage. Schon lange gilt in ihrem Haus ebenso wie in allen Senioreneinrichtungen im Kreis Pinneberg, im gesamten Land, ja in ganz Deutschland ein generelles Zutrittsverbot. Selbst Angehörige dürfen seit bald zwei Monaten nicht mehr zu den Bewohnern. „Kontakt ist nur durchs Fenster möglich“, sagt Schäfer. Ihre Mitarbeiter sind in mehrere Schichten eingeteilt, die untereinander keinen Kontakt haben und sich an strenge Hygienevorgaben halten.

Trotzdem ist das Virus ins Haus gekommen. Aber: „Der genaue Infektionsweg konnte ermittelt werden“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens. Das heißt: Im Kreisgesundheitsamt ist man sich offenbar sicher, den Menschen zu kennen, der sich im Zusammenhang mit der Appener Einrichtung als Erster mit dem Erreger Sars-Cov-2 infiziert hatte.

Ende März war das Coronavirus in einer ersten Senioreneinrichtung im Kreis Pinneberg ausgebrochen. Betroffen war eine kleines Heim in Tornesch. Kurz darauf meldeten auch zwei Rellinger Altenheime erste Corona-Fälle. Seitdem hat sich das Virus in den drei Häusern rasant ausgebreitet. „Bisher gab es in allen betroffenen Pflegeheimen im Kreis Pinneberg 100 infizierte Bewohner“, sagt Kreissprecher Carstens.

Landrat: Virus ist weiter im Umlauf, Abstand halten

Von ihnen seien bis heute 27 an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben; insgesamt sind im Kreis Pinneberg bislang 34 Corona-Tote zu beklagen.

Unterdessen fällt die um die aktuellen Appener Fälle bereinigte Zahl der Neuinfektionen mit zwei (siehe unten) sehr gering aus. „Das Infektionsgeschehen im Kreis Pinneberg spielt sich inzwischen zu großen Teilen in den Heimen ab“, sagt dazu Kreissprecher Carstens.

Auch wenn demnach das Infektionsrisiko auf der Straße vergleichsweise gering zu sein scheint, appelliert Landrat Oliver Stolz an die Bevölkerung, sich jetzt nicht in falscher Sicherheit zu wiegen beziehungsweise gar übermütig zu werden. „Dass es nun ein weiteres Heim im Kreis Pinneberg getroffen hat, ist sehr bedauerlich und zeigt auf eindringliche Art und Weise, dass das Virus weiter im Umlauf ist.“

"Jeder kann sich anstecken"

Sicherlich freuten sich alle über die seit Montag geltenden Lockerungen, denn sie brächten der Gesellschaft ein Stück weit das gewohnte Miteinander zurück. „Die Erkrankungen in Appen machen aber deutlich, wie außerordentlich wichtig es ist, auch auf Dauer Abstand zu halten und die Hygieneregeln zu befolgen“, so Stolz weiter. „Jeder kann sich anstecken und danach einen geliebten Menschen infizieren, der möglicherweise sehr schwer erkrankt, weil er nicht so gute Abwehrkräfte hat.“

Die momentane Ausnahmesituation zerrt auf alle Fälle auch den Nerven der Frauen und Männer, die in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen weitestgehend isoliert leben müssen. Anne Schäfer aus Appen sagt: „Unsere Bewohner möchten gern wieder raus. Sie möchten wieder in Kontakt mit anderen Menschen treten. Sie haben aber auch Angst, sich zu infizieren. Sie wollen nicht ins Krankenhaus.“

Die Zahlen vom Montag

Die in Appen bekannt gewordenen Neuinfektionen sind zwar erst am Montag zusammengefasst, aber schon zuvor einzeln erhoben worden. So erklärt sich, dass es von Sonntag auf Montag lediglich zwei neue Corona-Fälle gegeben hat. Die Gesamtzahl aller bislang Infizierten erhöht sich damit auf 567.

Von ihnen allen wurden in der Vergangenheit oder werden aktuell 115 im Krankenhaus behandelt. Das sind zwei mehr als tags zuvor. Unterdessen ist ein weiterer Mensch an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Zahl der Corona-Toten im Kreis Pinneberg steigt damit auf 34. 150 Menschen sind aktuell noch erkrankt.

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