Kreis Pinneberg

Coronavirus bricht in Tornescher Altenheim aus

Ein ältere Frau mit Rollator geht vor dem Eingang eines Seniorenheimes (Symbolbild).

Ein ältere Frau mit Rollator geht vor dem Eingang eines Seniorenheimes (Symbolbild).

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Zwei Todesfälle wegen Covid-19 in Tornesch. Weitere Infizierte bestätigt. Kreisverwaltung rätselt, wie das Virus ins Haus kam.

Tornesch. Zwei Todesfälle und weitere Coronavirus-Infizierte in einem Tornescher Seniorenheim geben Rätsel auf: Nachdem eine 87 Jahre alte Bewohnerin der Einrichtung schon am Donnerstag an der neuartigen Lungenerkrankung Covid-19 gestorben war und am Sonntag eine zweite Frau aus demselben Haus ebenfalls dem Virus erlag, bestätigt der Kreis Pinneberg nun, dass auch andere Bewohner positiv auf Corona getestet wurden. „Bei den Bewohnern hat es leider weitere bestätigte Infizierte gegeben“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens auf Abendblatt-Anfrage.

Erst am Sonntag war bei der zweiten verstorbenen Bewohnerin des Seniorenheims, einer 81-Jährigen, die Virusinfektion als Todesursache bestätigt worden. „Die erkrankte Person gehörte aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters zu einer Hochrisikogruppe und litt an Vorerkrankungen“, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

Welchen Kontaktweg nahm das Coronavirus?

Beide Frauen sind aber nicht nur die ersten Todesopfer der Pandemie im Kreis Pinneberg. Ihre durch das Virus hervorgerufenen Lungenerkrankungen gehen offenbar auch auf denselben Kontaktweg im Seniorenheim zurück. Die Frage ist nur: Welchen?

War es ein Besucher? Oder das Pflegepersonal? Ein Reiserückkehrer, der zuvor unwissentlich Kontakt mit einem Coronainfizierten hatte? Diesen Fragen zur Eingrenzung des Ausbruchs gehe das Gesundheitsamt schon seit dem ersten Todesfall vom Donnerstag nach. Bisher ohne Erfolg. „Die Ermittlungen dazu dauern an“, so Carstens.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Zimmer dürfen nur mit Schutzausrüstung betreten werden

Inzwischen seien alle Mitarbeiter, Bewohner und die betroffenen Kontaktpersonen getestet worden. Und während die Ergebnisse der Mitarbeiter am heutigen Dienstag vorliegen sollen, hat sich bei einigen Bewohnern der Infektionsverdacht „leider bereits bestätigt“, so der Kreissprecher. „Die betroffenen Bewohner befinden sich in Quarantäne in ihren Zimmern. Alle Infizierten befinden sich in ärztlicher Behandlung“, versichert Carstens. Die Pflege dieser Personen werde strikt getrennt von den gesunden Bewohnern der Einrichtung organisiert. Die Zimmer dürften nur mit Schutzausrüstung betreten werden.

Mehrere Infizierte in einem Wohnheim für die Hochrisikogruppe? Wegen des Verdachts dieses schlimmsten anzunehmenden Falls hatte das Gesundheitsamt des Kreises schon nach dem Bekanntwerden des ersten Todesfalls umfangreiche Recherchen angestellt. „Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte macht der Kreis keine Angaben zum Heim und seinen Bewohnern“, sagt Carstens.

Eigentlich herrscht in Altenheimen Besuchsverbot

Nach Abendblatt-Informationen wurden aber sofortige Schutzmaßnahmen für die etwa 30 Senioren und die dazugehörigen Angestellten eingeleitet. Der Betreiber des Seniorenwohnheims unterhält insgesamt drei Standorte. Inwieweit das Personal zwischen den Stützpunkten getauscht wird und ob auch an den anderen Standorten Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, war am Montag noch nicht klar.

Eigentlich herrscht seit Mitte März in sämtlichen Altenheimen der Republik de facto Besuchsverbot, da bekanntermaßen insbesondere Senioren durch die neuartige Viruserkrankung gefährdet sind. Mehr noch: Sie gelten als „Hochrisikogruppe“.

Schon am 19. März wurde auch auf der Internetseite des betroffenen Seniorenheims in Tornesch ein Aufruf veröffentlicht, der Besucher davon abhalten sollte, die älteren Menschen zu gefährden. Wörtlich heißt es: „Wir möchten Sie sehr herzlich um Ihre Unterstützung bitten, um unsere Bewohnerinnen und Bewohner, unsere dringend benötigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Sie bestmöglich zu schützen.“ Es wurde gefordert, nicht dringend notwendige Kontakte zu vermeiden. „Deshalb möchten wir Sie bitten, zum Schutz Ihrer Angehörigen Ihre Besuche gänzlich einzustellen.“ Weiter hieß es: „Bitte informieren Sie auch weitere Angehörige oder Freunde unserer Bewohner und erinnern Sie an die Verantwortung, die wir hier alle tragen. Auf keinen Fall dürfen Besucher ins Haus kommen, die Erkältungssymptome vorweisen!“

Coronavirus: Dramatische Situation im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim

Wie bedrohlich Corona in einem Altenheim werden kann, zeigt sich gerade am Beispiel der Todesfälle im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim. Bis Montag waren dort 17 Menschen am Coronavirus gestorben, etwa die Hälfte der 165 Bewohner soll sich inzwischen mit dem Erreger infiziert haben. Auch dort sollen Infizierte strikt von negativ getesteten Bewohnern getrennt werden. Wie es zum Ausbruch des Virus’ in dem Wolfsburger Heim kam, ist weiterhin unklar.

Coronavirus: Das sollten ältere Menschen beachten:

  • Meiden Sie soziale Kontakte so weit wie möglich
  • Halten Sie Kontakt mit Ihren Freunden und Ihrer Familie über Telefon, Brief, soziale Netzwerke oder Skype
  • Besuchen Sie keine Freizeitveranstaltungen
  • Meiden Sie den öffentlichen Personennahverkehr
  • Meiden Sie unbedingt den Kontakt zu Enkelkindern
  • Halten Sie persönlichen Abstand von mindestens zwei Metern
  • Geben Sie niemandem die Hand, und umarmen Sie niemanden
  • Gehen Sie nicht in eine Arztpraxis, sondern rufen Sie bei Bedarf dort an, und besprechen Sie das weitere Vorgehen
  • Wenn möglich, gehen Sie nicht in Apotheken, sondern lassen Sie sich benötigte Medikamente nach Hause liefern
  • Nutzen Sie Lieferdienste von Supermärkten
  • Nehmen Sie gern Hilfe oder das Angebot von Botengängen aus der Nachbarschaft und Familie an
  • Gehen Sie gern eine Runde spazieren. Wenn Sie dabei Bekannte treffen: Denken Sie daran, Abstand von zwei Metern zu halten
  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände

Am Wochenende wurde zudem bekannt, dass sich auch in einem Seniorenheim in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) 23 Bewohner und 18 Pflegekräfte mit dem Coronavirus angesteckt haben. Ein Pflegeheim in Herzberg (Landkreis Göttingen) ist ebenfalls betroffen. Dort wurden 14 Bewohner sowie acht Beschäftigte positiv getestet. In Niedersachsen gilt seit Montag ein Aufnahmestopp für neue Bewohner in Pflegeheimen. Zudem wurden 22 Rehakliniken angewiesen, notwendige Kurzzeitpflege zu übernehmen.