Barmstedt/Itzehoe

Fehlende Dolmetscherin bringt Prozess ins Stocken

Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Barmstedter mit armenischen Wurzeln wird versuchter Mord vorgeworfen. Übersetzerin erscheint nicht, Zeugen weggeschickt.

Barmstedt/Itzehoe.  Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Angeklagter – alle waren sie am Freitag pünktlich im Landgericht Itzehoe anwesend. Nur eine Person fehlte im Verfahren gegen den Barmstedter Sargis G. (41), dem ein versuchter Mord vorgeworfen wird. Jedoch eine entscheidende: Ausgerechnet die Dolmetscherin, die für den Angeklagten das Gesagte in seine Muttersprache Armenisch übersetzen sollte, war dem Termin unentschuldigt ferngeblieben.

Das stellte die Schwurgerichtskammer vor ein großes Problem. Ohne die vorgeschriebene Übersetzerin konnte nicht verhandelt werden, jedoch wäre bei einem Ausfall des Termins der gesamte Prozess geplatzt. Denn der nächste Verhandlungstag ist aufgrund der Terminfülle des Gerichts erst am 23. März – und bei einem Ausfall am Freitag wäre der gesetzlich vorgegebene Abstand zwischen zwei Verhandlungstagen nicht eingehalten worden.

Anderer Dolmetscher sprang bei Prozess ein

Das Problem löste schließlich der Dolmetscher Hauke Groth aus Elmshorn, der kurzfristig für die nicht gekommene Kollegin einspringen konnte. Allerdings konnte der keine Armenisch-Kenntnisse vorweisen, sondern lediglich die russische Sprache ins Deutsche übertragen.

Doch weil der Angeklagte auch Russisch versteht, konnte zumindest einer von drei Zeugen vernommen und so die in der Strafprozessordnung aufgestellten Vorgaben eingehalten werden.

Bei dem Zeugen handelte es sich um Alexander G. (39), den Schwager des Angeklagten. Und der machte es kurz. „Es gibt nichts zu sagen“, ließ er die Richter wissen und verkündete, sein Zeugnisverweigerungsrecht als Verwandter des Beschuldigten in Anspruch nehmen zu wollen. Weil dem 39-Jährigen dieses auch zustand, war er nach wenigen Sekunden entlassen und der zweite Prozesstag, der mit langer Verspätung begonnen hatte, wieder beendet.

Vorwurf des versuchten Mordes

Sargis G. wird vorgeworfen, am Abend des 16. September 2019 am Nappenhorn in Barmstedt einem Freund zweimal in den Rücken gestochen zu haben. Motiv waren laut der Anklage Geldschulden des Opfers. Der 41-Jährige hat zu Prozessauftakt die Vorwürfe abgestritten, und auch das Opfer bekundete, nicht sicher zu sein, dass der Angeklagte der Täter war. Und selbst die Ehefrau des Opfers wollte zunächst nicht bei ihrer belastenden Aussage bleiben.