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Kreis Pinneberg

Wedel bekommt Legionellen-Problem nicht in den Griff

Legionellen unter dem Mikroskop.

Legionellen unter dem Mikroskop.

Foto: dpa Picture-Alliance / Photographer: Janice Haney Carr / picture alliance / dpa

Wedel sperrt aus Sicherheitsgründen die Duschen in zwei Sporthallen. Beide beschäftigen die Stadt schon seit Monaten.

Wedel.  Schon wieder Legionellen in Wedel – beziehungsweise immer noch. Die Stadtverwaltung hat aktuell die Duschen in den beiden Sporthallen an der Rudolf-Breitscheid-Straße und an der Bergstraße gesperrt. „Toiletten und mit Legionellenfiltern versehene Waschbecken können aber bedenkenlos genutzt werden“, sagt der städtische Pressesprecher Sven Kamin.

Beide Fälle haben bereits eine längere Vorgeschichte. Bei einer jährlich durchgeführten Routinekontrolle in der Sporthalle an der Rudolf-Breitscheid-Straße am 13. August 2019 waren Legionellen in erhöhter Konzentration in den dortigen Wasserleitungen gefunden und die Duschbereiche umgehend gesperrt worden. Das daraufhin als vorgeschriebene Gegenmaßnahme erfolgte heiße Spülen der Leitungen brachte kaum Verbesserung, sodass nach der erneuten Kontrolle keine Entwarnung gegeben werden konnte.

Viel versucht – der Erfolg bliebt aus

Die Stadt Wedel ließ deshalb nicht genutzte Leitungsbereiche zurückbauen und dämmte die Trinkwasserleitungen, damit sich das darin enthaltene Wasser nicht auf Temperaturen erwärmt, in denen Legionellen sich besonders wohlfühlen und vermehren: Legionellen können sich vor allem in selten durchgespülten Leitungsteilen und warmen Bereichen vermehren, in denen die Temperatur nicht über 60 Grad Celsius ansteigt.

Auch diese Maßnahmen brachten nicht den erhofften Effekt, sodass der Kreis Pinneberg nach einer Begehung der Stadt Wedel für eine bessere Wasserzirkulation den hydraulischen Abgleich des Trinkwassersystems und den Einbau automatischer Spülstationen auferlegte. Auch diese Vorgaben wurden von der Stadt wie vorgeschrieben umgesetzt, blieben aber, wie die jüngste Probenentnahme vom 7. Januar ergab, ohne Erfolg.

Kreis verlangt Konzept eines externen Sachverständigen

Die Stadt Wedel muss nun nach Vorgabe des Kreises Pinneberg eine Gefährdungsanalyse mit Handlungsempfehlungen eines externen Sachverständigen beauftragen, bis zum 7. Februar beim Kreis Pinneberg vorlegen und anschließend die empfohlenen Maßnahmen umsetzen.

Ähnlich verhält es sich an der Bergstraße. Am 22. August 2019 waren bei der jährlichen Routinekontrolle Legionellen in erhöhter Konzentration im Bereich der selten genutzten Lehrerumkleideräumeaufgetreten und die Duschbereiche daraufhin wie vorgeschrieben gesperrt und die Leitungen durchgespült worden. Eine erste Nachkontrolle am 28. Oktober wies weiterhin vermehrt Legionellen auf. In der Folge wurden Spülarmaturen für automatische Spülungen an Waschbecken montiert. Eine dritte Probe am 3. Dezember zeigte zwar, dass sich die Legionellenkonzentration verringert hatte, aber immer noch zu hoch war. Derzeit wird deshalb auch in der Sporthalle an der Bergstraße eine automatische Spülstation eingebaut.

Die Sperrung der Duschen muss so lange aufrechterhalten werden, bis eine Probenentnahme durch den Fachdienst Umwelt des Kreises Pinneberg die Unbedenklichkeit des Wassers wieder nachweist. Die Stadtverwaltung weist deshalb mit Nachdruck darauf hin, dass eine Nutzung der Duschen im eigenen Interesse der Sporttreibenden unterbleiben muss, da bis zur Freigabe durch den Kreis gesundheitliche Folgen gerade für Personen mit geschwächtem Immunsystem nicht ausgeschlossen werden können. Legionellen gelangen typischerweise durch Einatmen von Wasserdampf, wie er in Duschbereichen entsteht, in die Lunge.