Agenda 2020

Wedel setzt auf Businesspark und modernen Hafen

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Thomas Pöhlsen
Bürgermeister Niels Schmidt in seinem Büro.

Bürgermeister Niels Schmidt in seinem Büro.

Foto: Thomas Pöhlsen

Agenda 2020, Teil 8: Im Elbstädtchen sollen 1000 Wohnungen und zwei neue Kitas an den Start gebracht werden. Doch es fehlt Geld.

Wedel. Theorie und Praxis klaffen manchmal weit auseinander. Wer wüsste das besser als die Entscheidungsträger in Wedel. Theoretisch gibt es viele neue Projekte an der Elbe. Praktisch hängt die Realisierung, zumindest was einige städtische Vorhaben betrifft, stark von der klammen Stadtkasse ab. Finanzierungsvorbehalt heißt das Zauberwort, das etwa Schulbauten treffen könnte. Mit einem Defizit von rund fünf Millionen Euro starten die Politiker ins neue Jahr 2020. Einsparungen sind geplant, doch wo der unpopuläre Rotstift angesetzt wird, mag noch niemand voraussagen. Außerdem dürften die Steuern wohl empfindlich angehoben werden. Im Gespräch mit dem Abendblatt listet Bürgermeister Niels Schmidt die wichtigsten Projekte auf, noch ohne en détail Rücksicht auf die jeweilige Finanzierbarkeit nehmen zu können.

Die Entwicklung des Businessparks soll 2020 Fahrt aufnehmen. Der Bebauungsplan Nummer 88 wurde Ende 2019 verabschiedet, der Bau des ersten und größten von fünf Elbcubes hat begonnen. Die Fertigstellung des Gebäudes als Pionierstandort ist für den Herbst dieses Jahres vorgesehen. Allerdings ist nicht klar, wie die Kläger, die vor dem Oberverwaltungsgericht in Schleswig einen Baustopp gegen den alten B-Plan erwirken konnten, auf die überarbeitete Fassung reagieren. Erneute Klagen sind nicht unwahrscheinlich und könnten zu weiteren Verzögerungen führen.

Auf dem ehemaligen Raffineriegelände harrt allerdings noch ein weiteres Problem der Lösung. Der zweite Grundwasserleiter muss saniert werden. Wie das zu geschehen hat, wird derzeit von der Stadtverwaltung in Gesprächen mit dem Kreis Pinneberg geklärt.

Der Businesspark könnte durch eine Initiative aus dem Kreis einen weiteren Schub bekommen. Ein Gründerzentrum wird von der in der Sache federführenden Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg, kurz WEP, gesucht. Verwaltung und Politik, unterstützt von der Fachhochschule und unternehmerischen Initiativen wie dem Rotary Club, sehen großes Entwicklungspotenzial für den Businesspark und die Stadt. Nicht grundlos hat man sich selbst als Standort ins Spiel gebracht. Neben Wedel ist aktuell aber auch noch die Stadt Pinneberg in dem Wettbewerb. Bis Mitte 2020 soll die WEP ein Konzept erarbeiten, wann der Kreistag eine Standortentscheidung trifft, ist allerdings offen.

Im Bereich Schulauer Hafen wird mit dem Baubeginn für das Hotel ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Außerdem soll die Ostmole umgestaltet werden, inklusive Kiosk und Hafenmeisterhaus-Rekonstruktion. Ein Fragezeichen steht am Anfang des Jahres hinter der zukünftigen Nutzung des Hafens. Ob dies mit einem Investor geschieht, müssen die laufenden Verhandlungen erbringen. Der Bürgermeister hält es aber auch für möglich, dass die Stadt für eine Nutzung sorgt, dann allerdings in abgespeckter Form gegenüber den bisher diskutierten Ideen.

Der nächste Schritt zum XXL-Baugebiet Wedel Nord soll im Sommer 2020 mit der Veröffentlichung des Masterplans gemacht werden. An dem grundsätzlichen Rahmen wird sich nichts ändern. Etwa 1000 Wohneinheiten sollen in zwei Bauabschnitten entstehen. Eine Aussage möchte der Bürgermeister allerdings nicht treffen, wann der erste Spatenstich erfolgt.

Für die Erschließung des Mega-Baugebietes setzen die Investoren nicht mehr auf die Nordumfahrung. Sie haben mittlerweile einen Alternativplan, der 2020 vorgestellt werden soll. Was aus der von der Politik gewollten Nordumfahrung wird, steht derzeit in den Sternen. Der Bürgermeister beklagt zudem widersprüchliche Aussagen von den zuständigen Landesbehörden zu dem Thema.

Für Radfahrer, die gern per S-Bahn nach Hamburg fahren, wird es 2020 eine deutliche Verbesserung geben. 500 Fahrrad-Stellplätze sollen im Bereich zwischen S-Bahnhof und Jugendzentrum Villa gebaut werden. Sie werden die Fahrradboxen im Park&Ride-Gebäude ersetzen, bei denen es seit 2016 Feuchtigkeitsprobleme gibt. Derzeit steht das Wasser dort knöchelhoch. Die neuen Anlagen sollen dezentral an mehreren Standorten errichtet werden. Radlern könnte auch mit dem Bau eines Radschnellwegs im Auweidenweg Gutes getan werden. Dies würde die Verlängerung der Hamburger Veloroute 1 vom Rissener Rheingoldweg bis zum Wedeler S-Bahnhof bedeuten.

In Wedel fehlen Kita-Plätze und dieser Mangel soll mit dem Neubau von zwei Einrichtungen begegnet werden. Eine neue Kindertagesstätte ist im Bereich Wedel-Nord geplant. Dieser Kindergarten hat jedoch nichts mit der Planung für das Mega-Neubaugebiet gleichen Namens zu tun. Im Rahmen dieses Projekts müssen noch einmal zusätzlich Betreuungsplätze geschaffen werden. Der aktuelle Neubau Nummer zwei wird aller Voraussicht nach an der katholischen Kirche erfolgen.

Dringenden Handlungsbedarf gibt es im Schulbereich. Drei größere Veränderungen stehen momentan auf der Agenda. Am Johann-Rist-Gymnasium muss der marode Unterstufentrakt durch einen Neubau ersetzt werden. Außerdem steht ein teilweiser Abriss und ein neuer Anbau an der Gebrüder-Humboldt-Schule an. Und es ist ein Erweiterungs- beziehungsweise Ersatzbau an der Albert-Schweitzer-Grundschule in Planung.

Spannend wird sicher die Diskussion um den Sportstättenentwicklungsplan der Stadt, die 2020 ansteht. Dass es an Sportstätten mangelt, ist in Wedel unumstritten. Doch wo soll was gebaut werden? Der SC Rist hat schon mal eine Forderung formuliert. Der Basketball-Drittligist möchte die Steinberghalle, in der die Heimspiele ausgetragen werden, erweitert wissen. Aus der Sicht des Verwaltungschefs sind sogar mehrere Hallenstandorte möglich.

Positiv sieht der Bürgermeister die Schaffung eines Recyclinghofes durch die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (GAB) auf dem ehemaligen Bötel-Gelände. Denn jahrelang gab es dort Probleme, die Stadtverwaltung musste sich immer wieder mit massiven Beschwerden von Bürgern auseinandersetzen. Schmidt geht davon aus, dass diese Zeiten mit dem GAB-Recyclinghof zu Ende sind.

Die Bahnhofstraße wollen die Politiker aufhübschen. Ideen wurden bereits 2012 im Rahmen von Workshops entwickelt, jedoch aufgrund von benötigten Millionen-Investitionen wieder ad acta gelegt. Nun soll das Thema wieder angegangen werden, diesmal aber für weniger Geld. Schmidt hält kleinere Vorhaben für realisierbar. Der Seniorenbeirat hat schon Ideen entwickelt, etwa Verlegungen von Teilen des Radwegs, Entfernung der Fahrbahnverengungen sowie von einzelnen Parkplätzen zu Gunsten von Fußgängern und Radfahrern und eine Verlegung der Bushaltestelle auf die Fahrbahn, um mehr Platz auf dem Fußweg zu schaffen. Was in welcher Form realistisch erscheint, entscheidet einmal mehr das vorhandene Geld.

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