Pinneberg
Kreis Pinneberg

Sie wollen den Verein für Frankophile retten

Heidemarie und Klaus Dauer von der Deutsch-französischen Gesellschaft in Elmshorn 

Heidemarie und Klaus Dauer von der Deutsch-französischen Gesellschaft in Elmshorn 

Foto: Anne Dewitz

Deutsch-Französische Gesellschaft Elmshorn hat sich neu aufgestellt und wirbt um jüngere Mitglieder. Verein stand vor Auflösung.

Elmshorn.  Die Deutsch-Französische Gesellschaft Elmshorn (DFGE) möchte in den Kreisen Pinneberg und Steinburg die Vielfalt Europas bei Sprache, Kultur und Wirtschaft stärken. „Wir wollen Kontakte zwischen Europäern, zwischen Deutschen und Franzosen sowie Französischsprechenden in der Region fördern“, sagt Klaus Dauer, neuer Vorsitzender des Vereins. Vor einem Jahr stand der kurz vor der Auflösung. Doch Dauer verhinderte es in letzter Minute.

Die Deutsch-Französische Gesellschaft (DFG) war schon immer ein Verein, der die deutsch-französischen Beziehungen erneuern und verbessern wollte. Er wurde 1928 von dem Publizisten und Dozenten für Kunstgeschichte Otto Grautoff (1876–1937) in Berlin gegründet. Es bildeten sich Ortsgruppen in vielen anderen deutschen Städten. Die DFG gab die deutsche Frankreich-Zeitschrift heraus, organisierte Vorträge und Veranstaltungen sowie Schüler- und Studentenaustausche.

Zu den Unterstützern und Mitgliedern der Gesellschaften zählten Thomas Mann, Otto Dix, André Gide, Georges Duhamel, Albert Einstein und Konrad Adenauer. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die DFG 1934 zerschlagen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte die Idee eine Renaissance. Durch Privatinitiativen unterstützt von französischen Behörden vor Ort oder in der Nähe und Funktionsträger der Politik wurden zahlreiche Gesellschaften in ganz Deutschland gegründet.

Er übernahm den Vorsitz, um die Auflösung zu verhindern

In Elmshorn kann die DFG nicht auf eine solch lange Tradition zurückblicken. Der Verein wurde am 22. Januar 2003, dem 40. Jahrestag des deutsch-französischen Elysée-Vertrags. in Elmshorn gegründet und beim Amtsgericht Pinneberg eingetragen. Heute hat er 72 Mitglieder und ebenso viele Freunde, die auch im E-Mail-Verteiler stehen und über Veranstaltungen informiert werden. Die Mitglieder kommen aus Uetersen, Barmstedt, Tornesch, Glückstadt und Elmshorn.

Vor einem Jahr stand der Verein auf der Kippe. Die Vorsitzende wollte das Amt aus Altersgründen niederlegen, ein Nachfolger war nicht in Sicht. „Ich war zu der Zeit Schriftführer im Verein. Als ich auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung las, dass der Verein aufgelöst wird, wurde mir bewusst, was dadurch verloren gehen würde. All die Kontakte und der Informationsaustausch“, sagt Klaus Dauer. Er erklärte sich bereit, den Vorsitz für die nächsten zwei Jahre zu übernehmen – trotz seines umfangreichen ehrenamtlichen Engagements beim Kinderschutzbund Elmshorn.

Nächstes Jahr wird der Vorstand neu gewählt. „Bis dahin finde ich jemanden, der den Vorsitz übernimmt“, ist er sich sicher. „Für die Vorstandsarbeit haben wir zwei jüngere Mitglieder gewinnen können, ansonsten sind alle überwiegend über 70 Jahre alt.“ Es fehlte an jungen Menschen, wie in den meisten anderen Vereinen auch. Statt eines Konzertes organisiert der Verein nun zwei im Jahr. „Uns ist es gelungen, Jean-Claude Séférian mit seiner Tochter Marie nach Elmshorn zu holen, die im Frühjahr in der Elbphilharmonie aufgetreten sind“, freut sich Dauer, der mit seiner Frau Heidemarie jedes Jahr nach Frankreich fährt. Zudem möchte der 75-Jährige den Kontakt zu Elmshorns Partnerstadt Tarascon intensivieren. „Ich möchte im nächsten Jahr eine Reise dorthin organisieren.“ Ansonsten kochen die Mitglieder gemeinsam, machen Ausflüge zu Ausstellungen, sehen französische Filme. „Wir arbeiten eng mit der VHS zusammen“, sagt Klaus Dauer. Wichtig im Verein seien die Muttersprachler, die zum Beispiel an der Volkshochschule Sprachkurse geben.

Heidemarie Dauer hat den „Ronde Table“ wiederbelebt. „Wir treffen uns alle zwei Monate beim Griechen, essen und sprechen ausschließlich französisch“, sagt die 73-Jährige, die – anders als ihr Mann – die Sprache fließend beherrscht. „Für mich ist es die schönste Sprache der Welt. Ich liebe den Klang.“ Zudem sei die Grundlage jeder Völkerfreundschaft die Sprache.