Pinneberg
Firmenserie

fabfab – dieses Schenefelder Unternehmen gibt Stoff

Fabfab-Geschäftsführer Andreas Seifert steht im Stofflager des Unternehmens.

Fabfab-Geschäftsführer Andreas Seifert steht im Stofflager des Unternehmens.

Foto: Marcelo Hernandez

In der Serie „Wo in aller Welt“ geht es heute um fabfab. Die Firma ist auf Wachstumskurs und liefert in 53 Länder alles rund ums Nähen.

Schenefeld .. Wenn es um Internationalität geht, dann kann dem Schenefelder Stoffhändler fabfab so schnell keiner etwas vormachen. Das Unternehmen bezieht einen Großteil seiner Waren aus dem Ausland und vertreibt 50 Prozent wiederum in andere Länder. Neben dem deutschen Onlineauftritt stoffe.de bedient das Unternehmen elf weitere Länder unter jeweils eigenen Markennamen beziehungsweise jeweils eigener Internetpräsenz, darunter sind beispielsweise Frankreich, Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich.

Zu den jeweiligen Shops leistet sich das Unternehmen auch eine Kundenbetreuung in der Landessprache. „Bis auf Finnland und Tschechien“, muss Markenmanagerin Annika Nagel einräumen. Nicht, dass man das nicht wollte. Es sei nur so schwer, jemanden Passenden zu finden, erklärt die Halbfinnin. Und da sind wir schon beim nächsten Punkt. International und weltoffen ist auch die Mitarbeiterschaft. Denn unter den derzeit 180 Angestellten von Europas größtem Onlinehändler für Stoffe sind 14 Nationen vertreten.

Doch all das sieht der Besucher dem Unternehmenssitz nun wahrlich nicht an. Dort, wo einst die Spar und später Edeka zu Hause war, zog fabfab 2012 ein. In den leer stehenden und heute etwas in die Jahre gekommenen Gebäuden beziehungsweisen Hallen im Schenefelder Gewerbegebiet am Osterbrooksweg fand das rasant wachsende Unternehmen Platz. 2003 hatten die drei Brüder Jörn, Nils und Melf Haack die Idee, Stoffe übers Internet zu vertreiben. Was sie anderen voraus hatten: Sie gehörten nicht nur zu den Ersten am Markt, sondern sie verschickten auch Stoffproben an die Kunden, damit die etwas zum Anfassen hatten. Das kam gut an. Bereits 2007 knackte fabfab – das steht für fabulous fabrics – die Umsatzmarke von einer Million Euro.

In diesem Jahr wird es die 20-Millionen-Euro-Marke. „Wir wachsen so stark wie noch nie und sind in Europa die treibende Kraft im Markt für Selbermacher“, sagt Andreas Seifert, der seit 2016 die Geschäftsführung innehat und damit Melf Haack ablöste. Der Mitbegründer ist weiterhin im Unternehmen tätig und verantwortet den Einkauf. Seine Brüder sind weiterhin an fabfab beteiligt, haben sich aber aus der aktiven Tätigkeit zurückgezogen. Dafür ist mit dem Begründer von New Look, Tom Singh, ein neuer Investor an Bord, der Erfahrung und Wissen ins Unternehmen einbringt.

Doch Umsatzwachstum ist das eine. Laut Annika Nagel stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent, und das bei einem eher schwächelnden Markt. Gewinn ist das andere. In der Vergangenheit schwächelte fabfab hierbei. Seifert hatte sich zu seinem Amtsantritt deshalb auf die Fahnen geschrieben, „die Wertschöpfung zu erhöhen“. Das ist gelungen. Wobei über die Höhe nicht gesprochen wird. Zumindest leistet sich das Unternehmen nun in den kommenden Wochen eine personelle Umstrukturierung samt Umbau und Modernisierung der Büroräume. Was dafür spricht, dass fabfab in Schenefeld bleiben will.

Allerdings ist keine Rede mehr von dem 2015 einmal diskutierten Stoffcenter. Das plante fabfab kurzzeitig in dem seit Jahrzehnten leer stehenden Bürogebäude, in dem Spar einst seine Zentrale hatte. Auf 8400 Quadratmetern über vier Etagen sollte so eine Art „Do-it-yourself-Zentrum“ entstehen, samt einer Kreativschule mit ganztägigen Kursangeboten sowie Dienstleistern vom Atelier für Brautmode über Hutmacher bis zum Schneider. Zudem sollte hier auch ein Direktverkauf Platz finden. Das sanierungsbedürftige Gebäude gehört aber einer Immobiliengesellschaft. Ein teurer Umbau wäre nötig gewesen. Letztlich platzte der Deal an der Finanzierung.

„Ganz aus dem Kopf ist die Idee nicht“, sagt Nagel. Vielleicht könne etwas in kleinerer Form wie ein Pop-up-Store entstehen. „Aber derzeit haben andere Projekte Priorität.“ Unter anderem will man die Zusammenarbeit mit Amazon ausweiten und das Sortiment optimieren. Aktuell werden 10.000 Stoffe und im Bereich Kurzwaren wie Knöpfe sogar 30.000 Artikel angeboten. Aufgrund einer Marktforschung möchte man bei fabfab nun genauer herausfinden, was davon bei den Kunden warum gefragt ist und was vielleicht fehlt. Mit der Studie soll in Deutschland begonnen werden, und dann könnte sie auf andere wichtige Märkte ausgedehnt werden.

Denn so viel ist klar: Die Kunden haben länderspezifische Interessen. So werden in Großbritannien mehr Polyester und bunte Muster nachgefragt als in Deutschland. Die Franzosen bevorzugen klassische Stoffe und Farben. In den südlichen Ländern ist Leinen der Renner, und Finnen und Schweden fallen laut Nagel durch ihr Faible für Weihnachtsstoffe auf. In 53 Länder liefert fabfab theoretisch, 50 waren es praktisch in 2018. So wurden die Stoffe und Kurzwaren aus Schenefeld bis nach Japan, Guadeloupe, Neukaledonien, Martinique, Zypern, Andorra, Chile und in die Emirate versandt. Nähen verbindet offenbar.