Schleswig-Holstein

Pinneberg hat die schlechtesten Radwege im Land

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Fahrradfahrer in Pinneberg sehen rot (Symbolbild).

Fahrradfahrer in Pinneberg sehen rot (Symbolbild).

Foto: McPHOTO/C. Ohde / picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/C. Ohde

Im Vergleich der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern landet Pinneberg bundesweit auf Platz 303 – von 311 überprüften Kommunen.

Kreis Pinneberg.  Fahrradfahrer stellen dem Kreis Pinneberg ein schlechtes Zeugnis aus. Das geht aus dem Klimaindex für das Jahr 2018 hervor, den der ADFC jetzt vorgestellt hat. Besonders schlecht kommt Pinneberg weg. Versetzung gefährdet, würde ein Lehrer angesichts der Note 4,5 wohl urteilen. Pinneberg landet im Vergleich der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern bundesweit auf Platz 303 von 311 untersuchten Kommunen. In Schleswig-Holstein gibt’s sogar die rote Laterne.

Ein letzter Rang, mit dem Pinneberg in den vergangenen Jahren schon viermal leben musste. Bemühungen der Politik, die Situation für Radler zu verbessern haben offenkundig nicht gefruchtet. Kritikpunkte der in Pinneberg befragten Radfahrer sind unter anderem der schlechte Zustand von Radwegen, der mangelhafte Winterdienst, schlechte Verkehrsführung an Baustellen und die fehlende Förderung des Radverkehrs ganz allgemein. Positiv wird hervorgehoben, dass es in der Stadt Einbahnstraßen gibt, die für Radler entgegen der Fahrtrichtung geöffnet sind. Auch die gute Erreichbarkeit der City gehört zu den genannten Stärken. Für die meisten der Befragten ist das Radeln in Pinneberg allerdings eher Stress als Spaß. Bei der Frage nach der Entwicklung seit 2012 konstatieren viele von ihnen Stagnation. Es werde zu wenig für Radfahrer getan.

Das sieht auch der Pinneberger ADFC-Sprecher Ulf Brüggmann so: „Obwohl Pinneberg gute Voraussetzungen für eine fahrradfreundliche Stadt mitbringt, wird die Chance durch die Stadtverwaltung nicht genutzt. Wir erreichen im Dialog immer wieder kleine Erfolge, jedoch fehlt der großflächige Durchbruch. Dazu wäre eine Strategie erforderlich und der Wille, diese Strategie auch konsequent umzusetzen.“ Es zeichne sich bei Pinnebergs Radfahrern mittlerweile Resignation ab.

Ein Bild, das sich in anderen Städten des Kreises Pinneberg spiegelt. Etwa in Schenefeld, das es im Vergleich der Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnern nur auf den vorletzten Platz in Schleswig-Holstein schafft. Ebenfalls mit der Note 4,5. Bundesweit bedeutet das Rang 184 von 186 unter den vergleichbar großen Städten. Auch an der Düpenau werden übler Zustand und schlechte Reinigung der Wege beklagt. Ein Großteil der für den Index Befragten kritisiert zudem, dass es geduldet wird, wenn Autofahrer Radwege zuparken. Ampelschaltungen seien nicht vernünftig abgestimmt.

Eltern lassen Kinder nur ungern zur Schule radeln

Geht es um die Sicherheit ihrer zur Schule radelnden Kinder, haben viele Eltern im Kreis Pinneberg ein ganz schlechtes Gefühl. Das gilt auch für die Stadt Elmshorn, die es mit ihrer Gesamtnote von 3,9 immerhin landesweit auf Rang drei der vergleichbar großen Kommunen schafft und bundesweit einen Mittelfeldplatz belegt. Es gibt jedoch keinen für die Studie befragten Elmshorner, der sein Kind im Grundschulalter ganz ohne schlechtes Gewissen aufs Rad setzt. Allerdings erkennen die Menschen in der größten Stadt der Region an, dass an der Krückau Werbung für das Radfahren gemacht und auch investiert wird. Ein Aufwärtstrend ist bei der Frage nach der Entwicklung seit 2012 unverkennbar, als positive Beispiele werden neue Abstellanlagen und bessere Bekämpfung des Fahrraddiebstahls genannt.

Tornesch landet im neuen Klimaindex des des ADFC mit einer Gesamtnote von 4,2 im Vergleich der Kommunen bis 20.000 Einwohner landesweit auf Rang 19 von 26 und auch bundesweit weit hinten. Dieselbe Note erreicht Wedel – auch dort ist seit 2012 kaum eine Entwicklung erkennbar. In der Stadt an der Elbe sind den Befragten vor allem Aspekte der Verkehrssicherheit sowie holprige und schmale Radwege ein Dorn im Auge. Uetersen reiht sich mit der Note 4,4 in die Phalanx der schlecht bewerteten Kommunen ein.

Die Gemeinde Halstenbek, die mit einer Note von 4,0 im Klimaindex sicher ebenfalls keinen Grund zum Feiern hat, hat kürzlich angekündigt, zu reagieren und fahrradfreundlich zu werden.

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