Pinneberg
Halstenbek

Erst 2015 eingeweihte Schule ist viel zu klein

Der Neubau des  Wolfgang-Borchert-Gymnasiums am  Halstenbeker Bickbargen wurde im September 2015 eingeweiht. Schon jetzt ist das Gebäude viel zu klein.

Der Neubau des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums am Halstenbeker Bickbargen wurde im September 2015 eingeweiht. Schon jetzt ist das Gebäude viel zu klein.

Foto: GRS Reimer Architekten / HA

Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek fehlen 23 Räume. Marode Sporthalle könnte durch einen Neubau ersetzt werden.

Halstenbek. Der Neubau wurde erst im Herbst 2015 eingeweiht. Doch gerade einmal dreieinhalb Jahre später ist das Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium viel zu klein. 23 fehlende Räume listet Schulleiter Veit Poeschel auf, darunter zehn Klassen- und zwei Fachräume sowie fünf Räume für den Offenen Ganztag. Auch die Sporthalle, die als Einziges vom Mitte der 70er-Jahre errichteten Altbau übrig blieb, ist stark sanierungsbedürftig und könnte laut den ersten Ideen durch einen Neubau ersetzt werden.

Warum das Gymnasium nach so kurzer Zeit aus allen Nähten platzt, ist schnell erzählt. Geplant war der Neubau als 4,5-zügige G8-Schule. „Inzwischen sind wir durchgängig fünfzügig und haben uns entschieden, zum Abitur nach neun Jahren zurückzukehren“, sagt Schulleiter Poeschel. Die Folgen: „Aktuell fehlen uns fünf Klassenräume. Fünf weitere brauchen wir bis 2026, wenn die Schule komplett auf G9 angewachsen ist.“ Momentan behilft sich die Schule mit Wanderklassen. Während die Schüler in der Unter- und Mittelstufe noch feste Klassenräume haben, wandert die Oberstufe von einem freien Raum in den nächsten.

Auch ein Computerraum fehlt

„Während die Unter- und Mittelstufenschüler Fachräume nutzen, nutzen die Schüler der Oberstufe die dann freien Klassenräume“, beschreibt Poeschel das System. Es funktioniert – dank digitaler Anzeigetafel und einem Stundenplanprogramm, das die Schüler auf ihrem Smartphone nutzen können. „In der Unter- oder Mittelstufe wäre das nicht denkbar, weil die Schüler ihren festen Raum benötigen“, sagt der Schulleiter. Die Älteren in der Oberstufe hätten sich jedoch damit arrangiert. Poeschel: „Es entspricht aber nicht unserem pädagogischen Anspruch.“

Der kann derzeit auch im Fach Informatik nicht erfüllt werden, weil ein Computerraum fehlt. Den hat Poeschel ebenfalls auf seiner Wunschliste – ebenso wie einen Fachraum für Darstellendes Spiel. Es fehlen auch fünf Räume plus Büro, Lagerraum und Mitarbeiterzimmer für den Offenen Ganztag, ein Besprechungsraum, ein Büro für den Schulsozialpädagogen sowie eine Hausmeisterwerkstatt. „Ich hoffe sehr, dass die Politik diesen Raumbedarf anerkennt“, so der Schulleiter weiter.

Aufgrund des beengten Platzes hat die Schule seit mehreren Jahren eine Kapazitätsgrenze für die Neuanmeldung eingeführt. Maximal 145 Schüler dürfen aufgenommen werden. Regelmäßig lagen mehr Anmeldungen vor, sodass Kinder abgewiesen werden mussten. 2018 musste der Schulleiter 34 Absagen schreiben. Für das nächste Schuljahr läuft derzeit das Anmeldeverfahren. „Aktuell liegen uns 145 Bewerbungen vor, sodass wir auf eine Punktlandung hoffen“, so Poeschel weiter. Weil seit Jahren die Höchstzahl ausgeschöpft wurde, „sind unsere bestehenden Klassen mit 28, 29 oder auch einmal 30 Schülern sehr voll, auch in der Oberstufe“, sagt er.

Erweiterung könnte die Gemeinde über ein ÖPP-Projekt stemmen

Bis eine Erweiterung bezugsfertig ist, dürfte es bei der Kapazitätsgrenze und den vollen Klassen bleiben. Möglich wäre eine Aufstockung des bisherigen Gebäudes, was die Gemeinde jedoch ablehnt. Sie hat den Bau eines Satellitengebäudes auf einer hinteren Fläche ins Spiel gebracht. Poeschel: „Das war erst unser Favorit.“ Dies habe sich jedoch geändert, seit die Variante eines direkten Anbaus im Raum steht. „Das wäre aus unserer Sicht optimal.“ Dann müsste die bisherige Sporthalle weichen, die ohnehin für eine sechsstellige Summe saniert werden müsste und längst nicht mehr zeitgemäß ist. Diskutiert wird, eine deutlich größere Halle auf dem Schulgelände zu bauen, die dann auch von der Halstenbeker Turnerschaft (HT) mitgenutzt werden könnte. Der Verein liebäugelt seit Jahren mit dem Bau einer eigenen Halle. Der Schulleiter hat sich bereits mit Vertretern des Vereins getroffen, um auszuloten, ob beide Seiten gemeinsame Sache machen können.

Geplant ist, dass die Gemeinde das Gesamtgrundstück der Schule inklusive des Sporthallenstandorts und der benachbarten Containeranlage überplanen lässt. Weiterhin soll ein Neubau einer Sporthalle in maximaler Größe geprüft werden. Das 2015 eröffnete Gymnasium mit Aula, Mensa und öffentlicher Bücherei hat der Baukonzern Hochtief als ein Projekt in Öffentlich-privater-Partnerschaft (ÖPP) errichtet. Die Gemeinde ist Eigentümer des von Hochtief errichteten Gebäudes, bis 2033 trägt der Baukonzern Instandhaltungs-, Reinigungs- und Hausmeisterleistungen. Bis zum Vertragsende zahlt die Gemeinde für Bau und Betrieb 31 Millionen Euro. Die Erweiterung sowie den eventuellen Sporthallenneubau könnte die Gemeinde auch über ein ÖPP-Projekt stemmen.

„Die Verwaltung erkennt den Bedarf an“, so Bürgermeister Claudius von Rüden. Der Schul- und am Mittwoch auch der Bauausschuss haben das Thema vertagt. Es soll jedoch am 1. April ein Votum der Gemeindevertretung eingeholt werden. Geplant ist, eine Stunde vor dem Gemeinderat eine gemeinsame Sondersitzung von Schul- und Bauausschuss abzuhalten. „Die Zeit drängt“, sagt von Rüden. Er möchte so schnell wie möglich mit den Planungen beginnen und dafür Geld in den Haushalt einstellen. Erste Baumaßnahmen könnten 2021 erfolgen. Vor dem Abriss der Sporthalle müsse eine neue Halle errichtet werden.