Pinneberg
Seminar

Azubis lernen die Top Ten der guten Manieren

Christoph Wiesner (18) macht in Pinneberg eine Ausbildung zum Tanzlehrer. Er zeigt, wie ein Krawattenknoten korrekt geknüpft wird.

Christoph Wiesner (18) macht in Pinneberg eine Ausbildung zum Tanzlehrer. Er zeigt, wie ein Krawattenknoten korrekt geknüpft wird.

Foto: Oskar Petermann

Der Kunde geht rechts – und was Lehrlinge sonst noch wissen müssen. Einblicke in ein ganz besonderes Seminar in Pinneberg.

Pinneberg.  Die schwarze Krawatte mit weißen Schrägstreifen baumelt lose um Christoph Wiesners Hals. Das breite Ende um das schmale herumziehen, dann von oben durch die entstandene Schlinge führen. Der 18-Jährige grinst selbstsicher, als er seine Krawatte in wenigen Sekunden bindet. „Das ist gar nicht so schwer“, sagt er und rückt den Knoten zurecht. „Christoph hat es verstanden“, sagt Kersten Steinke (56), Leiterin des Seminars „Business Knigge für Azubis“. „Genau so wird eine Krawatte gebunden.“

In den Räumen der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg bringt sie an diesem Vormittag fünf Azubis die wichtigsten Benimmregeln für Ausbildung und Job bei. Das Hamburger Abendblatt hat mal reingehört, was Berufsanfänger so alles wissen sollten. Die Top Ten der guten Manieren.

1. Links schützt rechts

2. Rang vor Alter und Geschlecht

Jonas Hanl (20) findet diese Regeln besonders wichtig. Zustimmendes Nicken von den vier anderen Teilnehmern. „Links schützt rechts“ habe seinen Ursprung im Mittelalter, erklärt Kersten Steinke. Der Mann habe sein Schwert links getragen. Bei Gefahr habe sich die Dame zu seiner Rechten dann hinter dem gezogenen Schwert verstecken können und sei geschützt gewesen. Das habe sich bis heute gehalten. Aufs Geschäftsleben übertragen heißt das: Der Kunde oder der Gast geht rechts. Die wichtigste Regel sei aber „Rang vor Alter und Geschlecht“: Es sei höflich, den Rangniedrigeren immer zuerst dem Ranghöheren vorzustellen. Das gehöre sich einfach so. Rang zähle in der Geschäftswelt am meisten.

3. Höhergestellte zuerst informieren

Auch diese dritte Grundregel ist wichtig, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Während der dreieinhalbstündigen Schulung zeigt Kersten Steinke ihren Schülern Wissenslücken in Sachen gutes Benehmen auf und füllt sie. „Es geht hauptsächlich darum nachzubessern, die Teilnehmer wissen schließlich schon einiges.“ Kersten Steinke ist aufgeschlossen, höflich, stilbewusst gekleidet. Eine Frau, die formvollendeten Umgang nicht nur vermittelt, sondern vorlebt. In ihren Sitzungen mit jungen Azubis nutzt sie ein Quiz, um die wichtigsten Benimmregeln zu vermitteln.

„Es ist wie bei Günther Jauch: Man kommt ins Gespräch, es ist eine lockere und entspannte Atmosphäre“, sagt sie, „so lernt es sich am besten.“ Es sind Fragen etwa wie: „Wo würden Sie Benimmregeln im Internet nachschlagen?“ Richtig unter den drei Antwortmöglichkeiten wäre gewesen, „Deutscher Knigge-Rat“ bei Google einzugeben. Die fünf jungen Frauen und Männer im Raum beantworten nur etwa ein Drittel korrekt, aber das sei ganz normal, sagt Kersten Steinke. Auch ihre Schüler scheint das nicht zu stören. Sie wirken locker und entspannt, ja heiter. „Es wird immer viel gelacht“, sagt die Seminarleiterin. „Aber trotzdem lernen sie hier auch etwas.“ Zum Bespiel die wichtigsten Regeln zum Business-Outfit.

4. Körper zu 85 Prozent bedecken.
5. Je wichtiger, desto formeller

Diana Klass hat beide verinnerlicht. Die 18-Jährige ist Auszubildende bei der Sozietät Poppe, einer Anwaltskanzlei in Pinneberg. Sie brauche den Knigge im Umgang mit Mandanten und bei Firmenfeiern. Kersten Steinke wirkt zufrieden. Genau wie die anderen vier Azubis wurde Diana von ihrer Firma vermittelt und für das Seminar angemeldet.

„Das Seminar ist eine Unterstützung für unsere Mitgliedsfirmen und für die Azubis selbst“, sagt Susan Burmester (59). Sie ist für Buchhaltung und Mitgliederbetreuung bei der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg zuständig und hat auch das Azubi-Seminar mitorganisiert. „Hier gleichen wir die Wissenslücken der Azubis aus und bekommen nicht nur von ihnen selbst, sondern auch von ihren Firmen positives Feedback.“ Nicht-Mitglieder dürfen bei den Seminaren allerdings noch nicht mitmachen. Auch Jonas Hanl ist zufrieden: „Von einigen Knigge-Regeln war ich zwar überrascht, aber ich habe heute viel gelernt. Zum Beispiel, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält und wie man einen Händedruck richtig ausführt.

6. 60 Zentimeter Distanz

7. mittelstarker Händedruck

Ein Lächeln und Blickkontakt zum Gegenüber. Lachend machen Jonas Hanl, der zurzeit eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei C.
Otto Gehrckens macht, und Christoph Wiesner den perfekten Händedruck vor. Die beiden scheinen sich gut zu verstehen und haben sichtlich Spaß.

Christoph Wiesner – er ist der, der jetzt eine Krawatte binden kann – macht eine Ausbildung zum Tanzlehrer an der Tanzschule Leseberg. Die Benimmregeln braucht er in seinen Unterrichtsstunden eher weniger. „Sie sind aber wichtig in den Pausen und vor und nach dem Unterricht.“

8. Kunden beim Namen nennen – und sich seinen Namen auch einprägen: Das ist in seinem Beruf besonders wichtig.

9. Duzen oder Siezen?

Das ist nach Kersten Steinkes Worten eine Frage, die ganz stark von der Firmenpolitik abhängt. Und die sich deshalb nicht pauschal beantworten lasse.

10. Smalltalk

Für Jonas Hanl ist geschäftlicher Smalltalk in dem von ihm angestrebten Beruf besonders wichtig. Kersten Steinke erklärt: Es gebe keine immer gültigen Smalltalkthemen, sie seien situationsabhängig.

Als das Seminar zu Ende ist, gibt jeder einen Feedbackbogen ab. Das Ergebnis ist durchweg positiv. Kersten Steinke ist zufrieden mit dem Tag: „Wir hatten viel Spaß. Ich glaube, ich sogar am meisten.“