Pinneberg
Elmshorn

Vorstand des Holsteiner Verbands tritt zurück

Züchter und Springreiter Thomas Voß aus Schülp fordert, dass der Vorstand von allen Mitgliedern gewählt wird.

Züchter und Springreiter Thomas Voß aus Schülp fordert, dass der Vorstand von allen Mitgliedern gewählt wird.

Foto: Bernd Settnik / picture alliance / Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Nach Streit um Provisionsforderungen: Vorsitzender Thies Beuck und sein Team bleiben kommissarisch im Amt. Neuwahl im Februar.

Elmshorn.  Der Druck, den die Pferdezüchter aus dem Kreis Pinneberg auf den Holsteiner Verband ausgeübt haben, hat ein personelles Erdbeben ausgelöst: Gleich zu Beginn der zweiten von insgesamt zwölf Körbezirksversammlungen hat der gesamte Vorstand des Holsteiner Verbandes in Rendsburg seinen Rücktritt erklärt. „Zum Wohl des Verbandes mussten wir diesen Schritt gehen“, zitiert Sprecherin Donata von Preußen in einer Mitteilung vom Freitagvormittag den Ersten Vorsitzende Thies Beuck (57).

Bei der Körbezirksversammlung im Kreis Pinneberg zwei Tage zuvor hatten die Mitglieder dem Vorstand das Misstrauen ausgesprochen (42 Nein- und 29 Ja-Stimmen). Die Pinneberger Körbezirksmitglieder sind der Meinung, dass es eines Neuanfangs bedürfe, um die Verbandsarbeit erfolgreich fortsetzen zu können. Der Abstimmung vorausgegangen waren Diskussionen, bei denen es um die bei den Holsteiner Kör- und Auktionstagen gestellten Provisionsansprüche des bereits zuvor zurückgetretenen Vorstandsmitgliedes Christian Dietz (54) und die Rolle des ebenfalls zuvor zurückgetretenen Vorstandsmitglieds Günther Friemel (50) ging.

„Die haben nach der Empörung im Körbezirk Pinneberg die Reißleine gezogen und sich gesagt, das tun wir uns nicht mehr an“, sagt der Züchter und internationale Springreiter Thomas Voß aus Schülp bei Rendsburg dem Hamburger Abendblatt. Insider sind sicher: Der Vorstand musste damit rechnen, dass auf jeder der nach Pinneberg folgenden elf Körbezirksversammlungen die gleichen bohrenden Fragen zu dem Umgang mit Dietz und Friemel gestellt werden. Und vor allem mussten Beuck und die anderen sechs Vorstände einkalkulieren, dass bei jeder Versammlung erneut die Vertrauensfrage gestellt und dem Vorstand das Misstrauen ausgesprochen werden würde. „Die Abstimmungszettel lagen in Rendsburg schon bereit“, sagt eine Züchterin dem Abendblatt.

Maßgeblich für die Empörung der Züchter sind Provisionsforderungen von fünf Prozent, die das damalige Vorstandsmitglied Christian Dietz für die Akquirierung von Neukunden aus Südafrika gestellt und die der Vorstand abgenickt hatte (wir berichteten). Dietz sagte, dass er sich die Provision mit Auktionator Friemel teilen wollte; Friemel bestreitet das. Die Züchter sehen eine Verquickung von Geschäftsinteressen und Ehrenamt, zumal Dietz die Auktionskataloge und die Internetseite des Verbandes konzipierte und gestaltete. Bei Friemel kommt hinzu, dass er als vereidigter Auktionator zur Neutralität verpflichtet war. Verkaufsleiter Ove Asmussen macht den Vorgang öffentlich; der Verband kündigte ihm fristlos. Der Verband trennte sich von Auktionator Friemel, die Zusammenarbeit mit Dietz ist ausgesetzt.

Asmussen und Dietz klagen nun gegen den Verband. „Das sind schwebende Verfahren, deswegen können wir uns nicht dazu äußern“, sagte Beuck bei der Pinneberger Körbezirksversammlung. „Asmussen ist als Whistleblower zum Bauernopfer geworden, Dietz und Friemel standen zu lange unter dem Schutz des Vorstandes“, sagt Züchter Jan Lüneburg aus Hetlingen, der aus Protest von seinem Vorstandsposten zurückgetreten war. „Wir stehen geschlossen hinter Asmussen“, sagt eine Züchterin. Beuck räumte bereits vor den Pinneberger Züchtern Fehler in der Informationspolitik ein.

Die Züchter fordern nun vor allem mehr Transparenz und Demokratie. „Wir wollen, dass der Vorstand nicht mehr von den Delegierten gewählt wird, sondern von allen Mitgliedern“, sagt Thomas Voß dem Abendblatt. Die wenige Dutzend Delegierten seien zu leicht zu beeinflussen, bei 4700 Mitglieder sei das deutlich schwerer. „Und wir fordern, dass der neue Vorstand die Geschäftsführung stärker kontrolliert.“ Das sei über eine Art Aufsichtsrat möglich.

Bis zu einer für Februar angesetzten außerordentlichen Delegiertenversammlung bleibt der Gesamtvorstand kommissarisch im Amt. Der Vorsitzende Thies Beuck war für eine Stellungnahme gegenüber dem Abendblatt nicht zu erreichen.