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Kreis Pinneberg

Wie Pinnebergs Jäger Pelz salonfähig machen

Im Kreis Pinneberg betreut Rainer Bonnhoff in Klein Offenseth-Sparrieshoop die Sammelstelle für Felle. In der Hand hält er einen Marderhund

Im Kreis Pinneberg betreut Rainer Bonnhoff in Klein Offenseth-Sparrieshoop die Sammelstelle für Felle. In der Hand hält er einen Marderhund

Foto: Anne Dewitz / HA

Rainer Bonnhoff sammelt die erlegten Raubsäuger wie Marderhund und Fuchs für das Pilotprojekt Fellwechsel. Positive Bilanz.

Kreis Pinneberg.  Der Pelzmantel ist aus der Mode gekommen, weil er oft mit Tierleid in Verbindung gebracht wird. Doch Pelz kann auch ein Nebenprodukt der kontrollierten Jagd sein. Ein neues Label soll solche heimischen Pelze kennzeichnen.

„Wir jagen Raubsäuger, um das Niederwild zu schützen und um Artenschutzprojekte zu unterschützen“, sagt Jäger Rainer Bonnhoff. Im Kreis Pinneberg betreut der Obmann für Hundewesen bei der Kreisjägerschaft (KJS) in Klein Offenseth-Sparrieshoop eine der ersten Sammelstellen für Felle in Schleswig-Holstein. Jäger bringen ihm erlegte Rotfüchse, Marderhunde, Waschbären und Co. Bislang wurde nur ein Teil von deren Fellen verwertet. „Vereinzelt dienten sie zum Abrichten von Jagdhunden, oft jedoch wurden die erlegten Tiere im Wald vergraben“, sagt Bonnhoff.

Nun entdecken heimische Kürschner mehr und mehr qualitativ hochwertige Ware aus nachhaltiger Jagd. Daher hat das Präsidium des Deutschen Jagdverbands (DJV) als Vertreter aller 15 Landesjagdverbände entschieden, die Nutzung von Bälgen aus der Jagd aktiv zu fördern. Der DJV und der Landesjagdverband Baden-Württemberg haben dafür gemeinsam die Fellwechsel GmbH gegründet, die am 14. November 2016 im Handelsregister in Berlin eingetragen wurde.

Jedes angelieferte Tier wird mit einer Nummer versehen

Damit wurde der Grundstein für ein Pilotprojekt gelegt: Die Fellwechsel GmbH ist die Betreibergesellschaft einer Abbalgstation, die zum Jahresbeginn 2017 in Rastatt in Baden-Württemberg errichtet wurde. Dort werden Füchse, Marderhunde, Waschbären, Stein- und Baummarder, Iltis, Mink, Nutria und Bisam angenommen, gestreift und entweder gegerbt, getrocknet oder als weiterverarbeitetes Produkt auf den Markt gebracht. „Unser Ziel ist es, hochwertige Wildpelze zu gewinnen und den Jägern für die Zulieferung entsprechend der Tierart und der Balgqualität eine Vergütung zu zahlen“, sagt Frederik Daniels, Leiter der Abbalgstation.

Jedes angelieferte Tier mit verwertbarem Fell wird individuell markiert, und diese ID-Nummer verbleibt am Fell. Die Markierung ermöglicht es auch weiterverarbeitenden Betrieben wie den Kürschnern, die Herkunft der Felle aus der nachhaltigen, heimischen Jagd zu dokumentieren.

Das vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks vergebene Logo WePrefur an lizensierte Betriebe basiert auf der Verarbeitung von Fellen aus der heimischen Jagd (www.weprefur.de). „25 Kürschner in ganz Deutschland haben sich uns angeschlossen“, sagt Reinhard Bösch, WePrefur-Beauftragter im Zentralverband des Kürschnerhandwerks. Er rechnet damit, dass die Zahl noch steigen wird. „Wir wollen weder Pelze noch den nicht abbaubare Plastikschrott aus China, der hier als Kunstfell importiert wird.“

Die Jäger plädieren für eine sinnvolle Nutzung der Felle

Während Produkte aus Polynitrilocyt nicht verrotten und so eine große Belastung für die Umwelt darstellen würden, weise das Naturprodukt Pelz eine Tragedauer von bis zu 50 Jahren auf und könne immer wieder verwendet, umgearbeitet, modernisiert und repariert werden.

Bösch, der in Bayern als Kürschner arbeitet, appelliert, die bislang ungenutzten Felle aus hiesiger Jagd zu verwerten. „Wir wollen die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass jedes Jahr nur etwa zehn Prozent der durch die ökologisch notwendige Raubwildregulierung anfallenden Strecke weiterverarbeitet wird. Das ist weder wirtschaftlich noch jagdethisch vertretbar. Wir haben die Wahl: wegwerfen oder nutzen.“

Damit stößt er bei den Jägern im Kreis Pinneberg auf offene Ohren. „Wir stehen für Nachhaltigkeit“, sagt Rainer Bonnhoff. „Wir möchten verantwortungsbewusst mit der Natur und ihren Ressourcen umgehen. Darum plädieren wir für eine sinnvolle Nutzung jener Felle, die bei der notwendigen Raubwildregulierung anfallen.“ Jäger würden nach gesetzlichen Vorgaben Fuchs, Marderhund, Waschbär, Marder, Bisam und Nutria schießen. Bei dem „Balgbeauftragten“ wurden von Dezember bis Februar etwa 60 erlegte Tiere abgegeben. Die Tierkörper müssen möglichst schnell verpackt, spätestens nach zwei Tagen tiefgefroren und mit dem Herkunftsnachweis versehen werden. Dieser garantiert eine lückenlose Dokumentation.

Ob die Qualität des Balges zum Gerben ausreicht, sollte jeder Jäger selbst entscheiden anhand der langen Grannenhaare und der dichten Unterwolle. „Wichtig ist, dass das Fell weitgehend unversehrt ist“, sagt Bonnhoff. Qualitativ hochwertige Felle können vor allem während der Wintersaison (Mitte November bis Mitte Februar) gewonnen werden, da diese aufgrund der Unterwolle dicker und damit wärmer sind. Damit ist die erste Saison für das Pilotprojekt nun fast vorbei. Daniels zieht eine positive Bilanz: „Deutschlandweit wurden mehr als 330 Sammelstellen eingerichtet. Offensichtlich haben wir einen Nerv getroffen.“

Die verwendeten Felle stammen aus nachhaltiger, waidgerechter Jagd aus dem Wald, dem Feld und der Wiese. Die nationalen Tierschutz- und Jagdrichtlinien werden hier eingehalten. Des Weiteren werden die Felle mit einer biologisch einwandfreien Zurichtung verarbeitungsfähig gemacht.

„Die Felle unter dem Label WePrefur werden im europäischen Inland unter Beachtung aller arbeitsrechtlichen Vorgaben hergestellt“, sagt Kürschnermeister Bösch. Außerdem würden dadurch die regionalen Arbeitsplätze gesichert.

Einer der wenigen Kürschner aus dem Norddeutschen Raum, der nach den Richtlinien von WePrefur arbeitet, ist Stefan Buchmann. In seinem Atelier Pelzwerk Hamburg im Stadtteil Eppendorf entwirft er Haute Couture aus Pelzen, die aus hiesiger Jagd stammen. Mit einem modernen Entwurf gewann er auf der Messe „Jagd und Hund“ in Stuttgart 2017 den Redfox Award. „Es gibt zu dem Thema Pelz leider viele Lügen und Unwahrheiten die dazu führen, dass sich größtenteils falsche Meinungen gebildet haben“, sagt Buchmann. Es werde nicht differenziert zwischen den unterschiedlichen Fellarten und deren Herkunft. Der Pelzdesigner und gelernte Kürschnermeister hofft diesbezüglich nun auf ein Umdenken.