Pinneberg
Kreativität

Mit dem Pinsel Emotionen wecken

Sabine Jakobi am Palettentisch mit 18 Farben, dem Herzstück des neuen Malorts in Elmshorn

Sabine Jakobi am Palettentisch mit 18 Farben, dem Herzstück des neuen Malorts in Elmshorn

Foto: Sabine Jakobi / HA

Sabine Jakobi aus Klein Nordende eröffnet in Elmshorn einen Malort im Sinne des Pädagogen Arno Stern

Elmshorn.  Das Malspiel wurde von Arno Stern vor rund 60 Jahren in Paris begründet, wo er heute noch mit 92 Jahren tätig ist. Für 90 Minuten, einmal wöchentlich, treffen sich Menschen aller Altersstufen, nun Elmshorn um gemeinsam das Malspiel zu genießen. Am Freitag, 1. September, eröffnet Sabine Jakobi aus Klein Nordende in der Nachbarstadt einen Malort im Sinne von Stern.

Das Angebot richtet sich an Kinder und Erwachsene

Ihr Angebot richtet sich an Kinder und Erwachsene, die stehend an der Wand mit Farben und Pinseln malen. „Es entstehen hier keine Kunstwerke. Ich leite nicht an und die Teilnehmer brauchen keine Voraussetzungen“, sagt die ehemalige Erzieherin, die bis 2012 eine Walddorf-Kita geleitet hat. Es wird spontan gemalt, intuitiv.

„So kann jeder das Malen erleben, ohne dass es bewertet oder gedeutet wird.“ Stern nennt es das „lustvolle, beglückende Hervorbringen der eigenen Spur.“ Sie könne nur im geschützten Raum stattfinden, mit Menschen, die das gleiche Ungewöhnliche tun.

„Ich konnte in meiner Arbeit als Erzieherin oft beobachten, wie ein Kind ganz abtaucht in seine eigene Welt des Spiels. So soll es auch beim Spiel mit den Farben sein“, sagt sie. Die Gefühle, die intuitive, kreative Seite solle angesprochen werden, die im Alltag oft nicht gefragt ist. Eine Ausgeglichenheit dieser beiden Seiten gebe Wohlbefinden und Selbstbewusstsein. „Man spürt sich selbst und kann sich dadurch im Einklang mit seiner Persönlichkeit entwickeln.“

Das Malspiel findet in einem eigens dafür eingerichteten Raum statt, die Wände sind zu großen, mit Packpapier überzogenen „Pinnwänden“ umgebaut. In der Mitte des Raumes steht das Herzstück, der Palettentisch mit 18 hochwertigen Farben. Die Malenden können zwischen ihrem Blatt an der Wand und dem Palettentisch pendeln. Das konkurrenzlose Miteinander werde genauso aufgenommen, wie das intensive Eigenleben, erklärt Jakobi. Es dürfe erzählt und gelacht werden, aber nie über das, was auf den Bildern zu sehen ist. „Dieser geschützte Raum macht erst diese Art zu malen möglich“, sagt Jakobi, die im vergangenen Jahr selbst noch einmal an einem Seminar von Stern teilnahm.

Jakobi empfindet es als befreiend, einmal die Vernunft abzulegen und der inneren Stimme folgend mit Farbe und Pinsel zu experimentieren. „Keine Bewertungen, keine Deutungen“, sagt die Pädagogin. Eine Therapie ersetze ihr Angebot aber nicht.

Die Struktur, die Regeln und Rituale würden trotz aller Freiheit einen Rahmen geben, der nichts mit Gemansche und antiautoritären Spielereien gemein habe, so Jakobi. „Es entwickelt sich langsam eine hohe Geschicklichkeit im Gebrauch von Pinsel und Farbe. Die Konzentration wird auf natürliche Weise gefördert“, ist sie überzeugt.

Jakobi möchte besonders Mütter und Väter in der Erziehungszeit ansprechen. In einem zweiten Raum können sich Eltern mit einem Säugling zurückziehen. Im Vordergrund steht das Malspiel für den Erwachsenen, durch diese Beschäftigung mit sich selbst innerhalb einer Gruppe, komme eine Atmosphäre auf, die auch die Kinder positiv beeinflusse.

„Statt anderthalb Stunden nehmen wir uns zwei Stunden Zeit“, sagt die ehemalige Erzieherin über das Mittwochsangebot. „So ist für denjenigen, der mag, in der letzten halben Stunde in gemütlicher Runde ein Austausch zu Elternfragen möglich, den ich gerne mit Impulsen und meiner Erfahrung begleite.“

Tag der offenen Tür: Fr 15.9., 15 - 20 Uhr, Mühlenstr. 36, Kurszeiten ab Fr 1.9.: Di 15 - 16.30 Uhr, Mi 9.30 - 11.30 Uhr und 16.30 - 18 Uhr, Do 17.30 - 19 Uhr, Preise: 10er Karte für ein erstes Kennenlernen 120 Euro, danach 324 Euro für das Schuljahr (36 Malspiele) bei einmaliger Zahlung