Bönningstedt

Widerstand gegen Elektrifizierung der AKN

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Burkhard Fuchs
Diese Bönningstedter Anlieger sind gegen die Elektrifizierung der Bahnstrecke vor ihrer Haustür: Klaus Sierssen (v.l.), Katja Repschläger, Torsten Brandes, Nicole Mentel, André Händler sowie Edelgard und Willi Miltz

Diese Bönningstedter Anlieger sind gegen die Elektrifizierung der Bahnstrecke vor ihrer Haustür: Klaus Sierssen (v.l.), Katja Repschläger, Torsten Brandes, Nicole Mentel, André Händler sowie Edelgard und Willi Miltz

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Projekt S 21: Bürger in Bönningstedt kritisieren „falsche Technologie und Verschandelung der Landschaft“. Sie drohen jetzt mit Klage.

Bönningstedt.  Der Widerstand gegen die geplante Elektrifizierung der AKN-Bahnstrecke zwischen Kaltenkirchen, Quickborn und Eidelstedt wächst. Nach der Anwohner-Initiative an der Bahnstraße in Quickborn, die sich gegen den Bau des zweiten Gleises quasi auf ihren Grundstücken wehrt, haben sich nun Anlieger in Bönningstedt gegen das S-Bahn-21-Projekt zusammengetan. Alle haben ihre Bedenken schriftlich im Planfeststellungsverfahren vorgebracht.

Sollte das 90-Millionen-Projekt trotz alledem genehmigt werden, würden sie sich juristischen Beistand holen, kündigt Anwohner Klaus Sierssen an. „Notfalls werden wir dagegen klagen. Wir halten durch.“ Und wenn es nur gelänge, den Ausbau, der 2020 fertiggestellt sein soll, um einige Jahre zu verzögern, wie ihnen dies vor drei Jahrzehnten mit dem zweigleisigen Ausbau der AKN-Strecke geglückt sei, ergänzt Anwohner Torsten Brandes.

Die Anwohner haben eine Reihe von Argumenten gegen den Bau. Die geplanten Hochspannungsleitungen verschandelten die Landschaft und sorgten für Elektrosmog, der ihre Gesundheit gefährde. Zudem müssten sie, die bis zu drei Meter dicht an den Schienen wohnen, hinnehmen, dass sie für den Bau der Stromleitungen bis zu 55 Quadratmeter Grund und Boden an die S-Bahn abtreten müssten. Und jederzeit müsse Mitarbeitern der Zutritt zu ihren Grundstücken ermöglicht werden. Meterhoch gewachsene Hecken müssten dran glauben. „Wer kommt für den Wertverlust unserer Grundstücke auf?“, fragt sich Katja Repschläger.

Aus dem Verkehrsministerium hieß es dazu: „Die benötigten Grundstücksflächen werden marktgerecht entschädigt. Es ist zutreffend, dass teilweise auf betroffenen Grundstücken Dienstbarkeiten einzuräumen sind. Diese Dienstbarkeiten führen jedoch nicht zwangsläufig zu einem Betretungsrecht.“

Auch die geplanten Ausgleichsflächen seien nicht einmal in der Nähe des Ortes geplant. „Davon haben wir überhaupt nichts“, sagt Nicole Mentel. Nachts könnte die ausgebaute Strecke womöglich für Güterzüge genutzt werden, weil die Bahnstrecke Elmshorn – Hamburg ohnehin völlig überlastet sei und bis 2030 nicht dreigleisig ausgebaut werde, klagt Anwohner Brandes.

Auch die Technik halten sie für veraltet. So könnten die Züge anwohner-freundlich mit einem Batterie-Akkubetrieb laufen, wie er ja bei den Elektroautos immer mehr verbessert werde, so die BI. Dass es sogar völlig emissionsfrei gehen könnte, zeige der Wasserstoff-Brennstoffzellen angetriebene I-Lint-Zug, der Ende 2017 zwischen Buxtehude und Cuxhaven im Nahverkehr eingesetzt werden soll.

Brandes: „Wir stören uns daran, dass überhaupt keine Alternativen geprüft wurden.‘“ Dem entgegnet das Verkehrsministerium: „Ein Fahrzeug, was sowohl den Anforderungen an das System der Hamburger S-Bahn erfüllt und sowohl über Stromschiene und Akku- bzw. Brennstoffzellentechnik betrieben werden kann, ist am Markt nicht existent. In jedem Fall sind die Anschaffungskosten gegenüber einem konventionellen Zwei-System-Fahrzeug um ein Vielfaches höher.“.

Auch das Kernargument, dass mit der S-Bahn das Umsteigen am Bahnhof Eidelstedt entfalle, greift nicht für alle Fahrgäste, erklärt Anwohner André Händler: „Wer in die S 3 umsteigen will, um nach Pinneberg oder Altona zu fahren, muss künftig länger warten.“

Bönningstedts Gemeinderat sieht das S-Bahn-Vorhaben sehr kritisch. Er fürchtet durch die höhere Taktfrequenz im Vergleich zum AKN-Angebot längere Schließzeiten an Bahnübergängen und somit mehr Staus, Verkehrslärm und Feinstaubbelastungen. Gefordert wird daher an der Norderstedter/Bahnhofstraße eine Troglösung für den Straßenverkehr und der Bau eines Parkhauses am Bahnhof, das Pendler kostenlos nutzen dürften.

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