Pinneberg
Schenefeld

Asbest-Alarm bei Abrissarbeiten auf Baustelle

Beim Abriss eines alten Fertighauses haben Arbeiter krebserregende Asbestplatten direkt auf der Baustelle zertrümmert

Beim Abriss eines alten Fertighauses haben Arbeiter krebserregende Asbestplatten direkt auf der Baustelle zertrümmert

Foto: Felix Busjaeger / HA

Die Arbeiter einer Abbruchfirma verstoßen gegen das Gesetz. Die Nachbarn schlagen Alarm, die Polizei schreitet ein.

Schenefeld.  Großer Ärger in einer kleinen Schenefelder Straße: Beim Abriss eines alten Fertighauses haben Arbeiter krebserregende Asbestplatten direkt auf der Baustelle zertrümmert. „Echt heftig, was da passiert ist“, sagt Schenefelds Ordnungsamtschef Axel Hedergott. Heftig fanden es die Nachbarn, dass die gefährlichen Arbeiten erst einen Tag später gestoppt wurden. Zunächst hatten Stadt und Polizei nicht reagiert.

Ortstermin an der Straße Op de Gehren: Von dem weißen Fertighaus aus den späten 70er-Jahren steht nur noch eine Seitenwand, vor der Ruine liegt massenweise Bauschutt. Ein Absperrband der Polizei ist gespannt, ansonsten ist die Baustelle nicht gesichert. Der vierfachen Mutter Jule Spincke, die nebenan wohnt, sträuben sich die Haare. „In den Wänden des Hauses ist damals Asbest verbaut worden“, berichtet sie.

Am Freitag fielen ihr und der anderen Nachbarin Thara Krakow auf, dass die Arbeiter der Abrissfirma mit der Demontage der Außenwände begonnen hatten. Schutzanzüge, Atemmasken, Handschuhe – alles vorgeschrieben, aber nicht vorhanden. Die asbesthaltigen Fassadenplatten wurden gewaltsam aus den Wänden gerissen und in kleine Teile zerschlagen. Daraufhin alarmierten die beiden Frauen die Stadtverwaltung – und blitzten ab, weil der zuständige Mitarbeiter nicht mehr erreichbar war. Auch ein Anruf bei der Polizeistation in Schenefeld blieb erfolglos. „Die sagten, sie seien nicht zuständig und verwiesen wieder auf das Ordnungsamt“, erinnert sich Jule Spincke. Und Ehemann Ben ergänzt: „Wir haben Kinder. Es ist vom Bauherrn und der Abrissfirma unverantwortlich, die Anwohner einem solchen Gesundheitsrisiko auszusetzen.“

Ordnungsamtschef Hedergott fand am Montag eine Notiz über die Asbestpanne auf seinem Schreibtisch. „Wenn ich am Freitag da gewesen wäre, hätte ich die Arbeiten sofort stoppen lassen.“ Am Montag schickte er dann einen Mitarbeiter los. „Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei bereits die Baustelle stillgelegt.“ Am Sonnabendvormittag hatte das für Umweltfragen zuständige Bezirksrevier in Pinneberg der Baustelle einen Besuch abgestattet, nach dem die Schenefelder Kollegen die Anzeige von Freitag weitergeleitet hatten.

„Die Asbestplatten wurden nicht, wie es vorgeschrieben ist, von einer Fachfirma entsorgt, sondern vor Ort auf der Baustelle zertrümmert“, sagt Polizeisprecherin Peggy Bandelin. Es handele sich dabei um eine Straftat nach dem Chemikaliengesetz, hinzu komme ein Verstoß gegen die Gefahrstoffverordnung. Bandelin: „Wir haben ein Ermittlungsverfahren gegen die Abrissfirma eingeleitet. Anhaltspunkte, auch gegen den Hausbesitzer zu ermitteln, haben sich nicht ergeben.“

Auch die Kreisverwaltung, die als Bauaufsichtsbehörde für Schenefeld zuständig ist, hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet. „Wir warten derzeit auf den Polizeibericht“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens und verspricht: „Wir werden jetzt genau darauf achten, dass die Entsorgung der Gefahrstoffe ordnungsgemäß erfolgt.“ Laut dem Kreissprecher ist inzwischen auch die Staatliche Arbeitsschutzbehörde mit Sitz in Itzehoe involviert.

Involviert ist auch ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er hat das alte Fertighaus erworben, will nach dessen Abriss auf dem Grundstück ein Schwedenhaus in Fertigbauweise errichten und dort wohnen. „Ich habe mich bei meinen künftigen Nachbarn bereits entschuldigt.“ Ihm sei beim Kauf des alten Hauses eine Baubeschreibung überreicht worden, sodass er über die asbesthaltigen Fassadenplatten Bescheid wusste. „Ich habe alle Unterlagen an die Abrissfirma weitergegeben, die war ebenfalls informiert.“ Das Unternehmen verfüge auch über alle Zertifikate, um solche Arbeiten vornehmen zu können. Zu den Vorfällen sei es durch mangelnde Aufsichtspflicht seitens der Firma und Nachlässigkeit der Arbeiter gekommen. Der Abriss könne mit Ausnahme der asbesthaltigen Außenwände fortgesetzt werden. Wann und wie diese abgebrochen werden, werde derzeit mit der Arbeitsschutzbehörde geklärt.