Pinneberg
Appen

Investor schockiert Denkmalamt

Fenster, Türen, Fußboden und Kacheln der Kommandeursvilla in Appen: alles futsch. Behörde stoppt Arbeiten

Appen.  Erneute Aufregung um die frühere Kommandeursvilla an der Unteroffizierschule der Luftwaffe. Die hatte im März eine Hamburger Immobiliengesellschaft von der Bundesanstalt für Immobilienverwaltung erworben und gleich danach Bürger und Behörden mit einem Kahlschlag geschockt, den die Forstbehörde als „hart an der Grenze der Legalität“ beurteilte (das Abendblatt berichtete). Jetzt hat der neue Eigentümer offenbar das unter Denkmalschutz stehende Gebäude von 1936 mit seinen Sanierungsarbeiten dermaßen verschandelt, dass die Denkmalbehörde einschreiten musste und die Arbeiten mit sofortiger Wirkung stillgelegt hat.

Ein Experte beklagt: Das Gebäude ist fast entkernt

Wer zurzeit an der Marseille-Kaserne vorbeifährt, wundert sich über die mit Holzverschlägen vernagelten Fenster im Erdgeschoss und die sperrangelweit offen stehenden Fenster im Obergeschoss. Dies sei eine reine Sicherheitsvorkehrung, um das leer stehende Gebäude vor Einbrechern und möglichem Vandalismus zu schützen, behauptet Manfred Mehr, nach eigenen Angaben neben Alexander Krause einer der beiden Geschäftsführer der Cubé Estate GmbH, der die Villa jetzt gehört.

„Wir wollen auf dem Gelände eine Wohnbebauung entwickeln“, erklärt Mehr. „Das ist ja ein großes Grundstück.“ So hat die Cubé Estate GmbH neben der Villa auch das zwei Hektar große Areal dazu erworben. Allerdings gebe es dafür weder einen Bauantrag noch einen gültigen Bebauungsplan, betont Kreissprecher Oliver Carstens im Namen der Bauaufsichtsbehörde. Ein solcher Bauantrag, sollte er eingereicht werden, würde auch „mit Sicherheit nicht genehmigt werden“.

Im Gebäude sei bereits mit der Sanierung der jahrzehntelang leer stehenden Villa begonnen worden, erklärt Mehr. So sollen der Fußboden herausgerissen, die elektrischen Leitungen entfernt, die Heizung ausgebaut, Dachschrägen entfernt, der Putz von den Wänden geholt, sämtliche Türen und Zargen ausgebaut und sogar die originalen Fliesen von Wand und Boden geklopft worden sein, was der Cubé-Estate-Gesellschafter zum Teil bestätigt.

Das Problem dabei ist: Nichts davon war mit dem Denkmalamt abgesprochen oder von diesem genehmigt worden. Darum hat die Behörde die Bauarbeiten jetzt stillgelegt, als sie davon erfahren und sich das Malheur vor Ort angeschaut hat. „Das Gebäude ist fast entkernt“, klagt ein Beobachter. „Das sind erhebliche Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz.“ Der Eigentümer werde jetzt mit der ganzen Härte der Behörde rechnen müssen, sagt der Insider. Er scheine „völlig schmerzbefreit zu sein“ und glaube, er könne tun und lassen, was er wolle. Kreissprecher Carstens will sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Dem Eigentümer drohen Geldstrafe oder sogar Haft

Es ist nicht das erste Mal, dass es der neue Eigentümer mit dem Denkmalschutz und den behördlichen Auflagen nicht so ernst nimmt. So hatte er im Frühjahr ohne Genehmigung das Gelände eingezäunt und mit einem Sichtschutz versehen, sodass von der Straße aus nicht einsehbar war, dass er radikale Rodungsarbeiten vornahm und dabei auch drei alte, dicke Eichen abholzte, die Meike Rehder vom Bundesforstamt für unbedingt schützenswert erachtete. Förster Axel Suersen sprach daraufhin auch von „forstlichem Unfug“, den der Eigentümer hier getrieben habe.

Von einem Bußgeld sah die Forstbehörde seinerzeit noch ab. So glimpflich dürften die Verantwortlichen nach Abendblatt-Informationen dieses Mal nicht mehr davonkommen. Gemäß Denkmalschutzgesetz drohen ihnen bis zu 500.000 Euro Strafe oder sogar bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass der Cubé-Estate-GmbH-Gesellschafter Krause mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Wie der Hamburger Oberstaatsanwalt Carsten Rinio auf Nachfrage berichtet, habe die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl über 6000 Euro gegen Krause wegen Betruges erwirkt, der zudem 2015 zu 1200 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung rechtskräftig verurteilt worden sei.

Aktuell ermittele die Staatsanwaltschaft gegen Krause wegen Unterschlagung. Rinio: „Allerdings wissen wir zurzeit nicht, wo sich Herr Krause aufhält.“