Pinneberg
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Die Städte scheuen teure Einsätze des THW

Die ehrenamtlichen Helfer des THW Pinneberg sind ausgebildet für ein großes Spektrum an verschiedensten Spezialeinsätzen

Die ehrenamtlichen Helfer des THW Pinneberg sind ausgebildet für ein großes Spektrum an verschiedensten Spezialeinsätzen

Foto: THW Pinneberg / HA

Ortsvereine des THW können sich nur dann finanzieren, wenn eine Erstattung der Einsatzkosten durch die Verursacher erfolgt.

Pinneberg.  Aktiv in Pinneberg für die Welt: So wirbt der Ortsverband des Technischen Hilfswerkes (THW) der Kreisstadt auf der eigenen Homepage für sich. Die 100 Helfer haben ein großes Einsatzgebiet, das nicht nur Pinneberg und Umgebung umfasst. Für einige Spezialaufgaben werden sie auch kreisweit aktiv, betreuen zudem die Kreise Steinburg und Dithmarschen mit. Viele Male packten Aktive aus Pinneberg auch bei Kriseneinsätzen in der ganzen Welt mit an.

Alles passiert ehrenamtlich. Das THW ist eine Bundesbehörde, Unterkunft, Fahrzeuge und die Einsatzmittel werden also vom Bund gestellt. Die Kosten für den Dienstbetrieb bekommen die OV jährlich pauschal ausgezahlt, für die Deckung von Einsatzkosten des THW reicht dieses Geld jedoch nicht. „Wir sind daher grundsätzlich auf die Erstattung von Einsatzkosten angewiesen“, erklärt Claus Böttcher, bis vor einem Jahr der Ortsbeauftragte für das Pinneberger THW. Um das zu gewährleisten, habe die Bundesregierung vor einiger Zeit eine Abrechnungsverordnung für das Technische Hilfswerkes erlassen.

Kosten können nicht weitergegeben werden

Seitdem geht für jeden Einsatz eine Rechnung raus – und auch die Kommunen müssen für die Dienste des THW zunächst zahlen. Fordert aber eine Feuerwehr zur Brandbekämpfung oder bei einem Unwetter mit vielen vollgelaufenen Kellern die Hilfe der Männer in Blau an, sind die dafür entstehenden Einsatzkosten durch die jeweilige Kommune als Träger der Feuerwehr zu begleichen.

Weitergeben an die Immobilienbesitzer kann diese Kommune die Kosten nicht, was ein Dilemma ist. Einsätze bei Bränden, um Menschen aus lebensbedrohlichen Lagen zu befreien sowie bei öffentlichen Notständen sind kostenlos.

„Wir beobachten, dass sich einige Feuerwehren lieber selbst durchbeißen anstatt unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt Böttcher. Der langjährige Ortsbeauftragte, der seit seinem Rückzug noch als Fachberater für das THW Pinneberg tätig ist, wirbt dafür, dass Feuerwehren und Kommunen die Geldfrage ausblenden, wenn es um mögliche THW-Einsätze geht, „unsere Kosten, werden Sie nicht den Job kosten! Wir stellen nur das in Rechnung, was sich unmittelbar aus dem jeweiligen Einsatz an Kosten ergibt“, sagt Böttcher.

Ohne Erstattung ist das Geld im September aufgebraucht

Ohne eine derartige Erstattung habe der Ortsverband keine finanziellen Mittel, um etwa Diesel für die Fahrzeuge zu kaufen oder die notwendigen Entschädigungen der Arbeitgeber zu begleichen, die ihre Mitarbeiter für die Einsätze freistellen. Ohne diese Erstattungen reichen die Bundesmittel des Ortsverbandes pro Jahr im Durchschnitt nur bis zum September.

„Eine Kommune zieht zudem Vorteile aus einem gemeinsamen Einsatz mit dem THW“, sagt Böttcher. So sei etwa die Ortsfeuerwehr bei einem Unwetter und vielen vollgelaufenen Kellern viel schneller fertig, wenn das THW mit seinen großen Pumpen zur Unterstützung alarmiert werde. Das THW habe auch schon alleine die Einsatzstelle abgearbeitet, wenn bei Sturm etwas ein großer Baum gefällt werden musste oder ein Gerüst zusammengebrochen war.

„Den Kommunen entstehen ja auch Kosten, wenn sie Spezialfahrzeuge von Privatfirmen anfordern“, sagt Florian Ramcke, der Böttchers Nachfolger als Ortsbeauftragter in Pinneberg angetreten hat. Der Einsatz eines Schwerlastkrans oder eines Baggers einer Privatfirma komme oft teurer als die entsprechenden Einsatzmittel des THW. 15 Einsätze hatte der Pinneberger Ortsverband unter Ramckes Leitung in diesem Jahr – darunter mehrere außerhalb des Kreises.

Der neue Ortschef ist 46 Jahre alt, Industriemechaniker von Beruf, verheirateter Familienvater von zwei Kindern und seit 28 Jahren im THW aktiv. Mit Detlef Dwenger (52) gibt es auch einen neuen Stellvertreter. Der 52 Jahre alte Elektroingenieur, verheiratet und Vater dreier Kinder, engagiert sich bereits seit seinem 18. Lebensjahr im THW.