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Wedel

Öko-Konto der Wedeler Marsch steht im Plus

Ute Ojowski (v.l.), Julia Voß, Florian Biebelriether und Marco Sommerfeld stellen das neue Öko-Refugium vor

Ute Ojowski (v.l.), Julia Voß, Florian Biebelriether und Marco Sommerfeld stellen das neue Öko-Refugium vor

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Agentur schafft Ausgleich auf Vorrat für Großprojekte. Auf 24 Hektar sollen jetzt seltene Vögel und Amphibien eine Heimat finden.

Wedel.  Nimmt der Mensch der Natur etwas weg, muss er es an anderer Stelle wieder ersetzen. Nach diesem Prinzip funktioniert der Öko-Ausgleich. Um bei Eingriffen in die Natur wie der Elbvertiefung oder der Verlegung von Stromtrassen rechtzeitig für einen Ersatz sorgen zu können, hat die Stiftung Naturschutz die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein gegründet. Positiv auf dem Ökokonto schlägt jetzt eine stiftungseigene Fläche in Wedel nahe der Elbe zu Buche. „Wir verbessern diesen Bereich im Sinne des Naturschutzes“, sagt Ute Ojowski von der Ausgleichsagentur über die 24 Hektar in der Wedeler Marsch bei Fährmannssand.

Damit neben der Vernichtung von nutzbarer Fläche für die großen Bauvorhaben nicht auch noch wertvoller Ackerboden für die Kompensationsmaßnahme verloren geht, setzt die Stiftung Naturschutz auf eine extensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung, sagt Flächenmanagerin Julia Voß.

Von dieser Eingriffs-Ausgleichs-Regelung sollen in der Wedeler Marsch Kiebitz, Rotschenkel, Wiesenpieper und Feldlerche, aber auch Amphibien wie der Moorfrosch profieren. Eine schützenswerte Fläche war der Bereich schon vorher. Nun ist er durch einige bauliche Veränderungen für die Flora und Fauna verbessert und sind die Regeln für den Pächter verschärft worden.

Nur zwei Rinder pro Hektar dürfen in der Brutzeit weiden

Um den Tieren bessere Lebensbedingungen zu schaffen, soll mehr Regenwasser in der Fläche gehalten werden, erklärt Florian Biebelriether von der dänischen Firma Amphi Consult, die die ökologische Aufwertung umsetzt. Deshalb werden kleine Entwässerungsgräben angestaut, die früher schnell das Nass Richtung Elbe transportierten. Die Ufer der Gräben werden abgeflacht. Zudem haben Bagger Mulden ausgehoben, in denen sich Wasser sammeln kann und so ebenfalls gute Lebensbedingungen für Amphibien und Vögel bietet.

Zudem muss der Pächter die Beweidung reduzieren. In der Brutzeit dürfen nur noch zwei Rinder pro Hektar gehalten werden. Außerhalb dieser Zeit wird die Zahl höher sein. Sie wird je nach Situation von den Naturschützern festgelegt. Eine Beweidung bleibt allerdings unerlässlich, denn die Wiederkäuer sorgen für eine kurze Grasnarbe und damit für einen idealen Lebensraum für die am Boden lebenden Vögel.

Die Wiesenvögel sind derzeit die Sorgenkinder im Unterelberaum des Kreises. Marco Sommerfeld von der Carl-Zeiss-Vogelstation registriert schon seit einiger Zeit sinkende Bestände. Hinzu kommt seit Kurzem der Marderhund, ursprünglich in Russland beheimatet, der eingewandert ist und eine umfangreiche Population gebildet hat. Der Räuber dezimiert die Bestände an Wiesenvögeln radikal. Auf der Elbinsel Pagensand gibt es deswegen praktisch keine auf dem Boden brütenden Vögel mehr. Je mehr Lebensmöglichkeiten es für die Tiere gibt, desto größer sei die Chance, dass eine aussreichende Population überlebt, sagt Ute Ojowski.

Wofür mit dem Projekt in der Wedeler Marsch ein Ökoausgleich geschaffen werden soll, wissen die Experten in Kiel noch nicht. Doch angesichts des geplanten Baus der A 20 und der Mega-Stromtrasse SuedLink dürfte an Abnehmern kein Mangel herrschen.

Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein GmbH ist eine Tochtergesellschaft der landeseigenen Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Das Unternehmen versteht sich als Schnittstelle zwischen Vorhabenträgern, Behörden und Naturschutz. Angeboten wird Beratung von Vorhabenträger von Großprojekten bei der Suche nach geeigneten Kompensationsflächen beziehungsweise Ökokonten. Die GmbH übernimmt die Abstimmung mit Behörden und erarbeitet Verträge. Es werden Lösungen erarbeitet, wenn beispielsweise streng geschützte Arten, Biotope oder Lebensraumtypen betroffen sind. Für den Träger großer Infrastrukturprojekte bedeutet es eine Lösung aus einer Hand. Alle Abstimmungen kann er ausschließlich mit der Ausgleichsagentur führen.