Pinneberg
Itzehoe/Kreis Pinneberg

Wo wird die neue Stromtrasse verlaufen?

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Netzbetreiber Tennet stellt drei mögliche Elbquerungen vor. Zwei der Trassen würden ab 2020 im Kreis Pinneberg gebaut werden.

Itzehoe/Kreis Pinneberg.  Wo genau ein neuer Stromtunnel die Elbe unterqueren wird, durch den von 2025 an Windstrom von der Nordsee in den Süden geleitet werden soll, entscheidet sich Anfang 2017. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreis Pinneberg betroffen sein wird, ist recht groß. Zwei der drei möglichen Trassen berühren ihn. Die eine würde zwischen Seestermühe und Neuendeich unter die Elbe gehen. Die andere ist bei Hetlingen geplant und würde an Uetersen, Moorrege, Heist und Haseldorf vorbeiführen. Beide Varianten würden von Brunsbüttel und Wilster über Neuendorf die Krückau queren und auch Elmshorn und Klein Nordende tangieren.

Eine Präferenz für die Elbquerung gebe es noch nicht, sagt Lex Hartmann, Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet. So sei auch die Trassenführung über Brokdorf nach Freiburg möglich, die den Kreis Steinburg beträfe. „Wir planen jetzt, zu 100 Prozent Erdkabel für die 700 Kilometer lange Strecke zu verwenden“, sagt Hartmann. Unter der Elbe entstünde ein begehbarer Tunnel für die bis zu acht Stromkabel, die je Meter 80 Kilogramm wiegen und mit 320.000 Volt Gleichstrom die erneuerbare Energie nach Bayern und Baden-Württemberg leiten. Hartmann: „Das ist wie eine Autobahn ohne Abfahrt bis Süddeutschland.“

Noch bis Ende dieses Jahres werde es drei öffentliche Veranstaltungen in den betroffenen Kreisen in Schleswig-Holstein geben. Die für den Kreis Pinneberg sei für November terminiert.

Anders als vor drei Jahren, als Tennet für den Bau der Südlink-Stromtrasse als Freileitung bereits eine Führung über Hetlingen favorisierte, will sich das niederländische Unternehmen noch nicht festlegen, betont Hartmann. Die Firma habe aus dem Widerstand aus der Bevölkerung gelernt, dass es die Akzeptanz erhöhe, wenn ein Entscheidungsprozess lange offen gestaltet wird. Bis zum ersten Quartal 2017 sollen jetzt noch alle Anregungen von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange berücksichtigt werden, die für oder gegen die jeweiligen Trassenverläufe sprechen. Erst danach präsentiere Tennet der Bundesnetzagentur für die gesamte Strecke bis Großgartach und Grafenrheinfeld einen bevorzugten Verlauf – samt. Letztlich entscheide dann die Bundesnetzagentur, welche Trasse die beste sei, die Mensch und Natur am wenigsten stört. Wirtschaftliche Belange spielten nur eine untergeordnete Rolle, betont Hartmann.

Schließlich seien durch die erst Anfang 2016 geänderte gesetzliche Vorgabe, Erdkabel zu bevorzugen, drei Jahre verloren. Die Südlink-Trasse könnte erst 2025 fertiggestellt werden, drei Jahre nach Abschaltung des letzten Atomkraftwerks in Deutschland. „Auch dieser Zeitplan ist noch recht sportlich“, sagt Hartmann. Um das zu schaffen, müsste das Planfeststellungsverfahren spätestens Ende 2020 genehmigt sein. „Wir brauchen vier bis fünf Jahre Bauzeit“, sagt er.

Die Stromkabel sollen 1,80 Meter unter der Erde liegen. Über eine bis zu 25 Meter breite Schneise durch die Landschaft müssen sie ständig zu erreichen sein. Während der Bauarbeiten sei sogar eine 50 Meter breite Trasse nötig, um die Erde ab- und wieder aufzutragen. Die Flächen blieben aber weiterhin landwirtschaftlich nutzbar und würden nach bisherigen Erkenntnissen keine Auswirkungen auf Gesundheit oder Landanbau haben, auch wenn die Kabel eine Wärme von 40 Grad Celsius erzeugten. Für alle Schäden stehe Tennet gerade. Die Eigentümer der Grundstücke, unter denen die Kabel vergraben werden, würden mit einer einmaligen Zahlung entschädigt, die etwa 20 Prozent des Grundstückswertes entspreche.

Durch die Komplettverlegung der Stromtrasse unter die Erde stiegen die Investitionskosten von drei auf zehn Milliarden Euro. „Wir haben Mehrkosten von zehn Millionen Euro pro Kilometer“, sagt Hartmann. Dafür werden die Stromverbraucher und die Industrie aufkommen müssen. „Wir schreiben das auf 40 Jahre ab.“ 2015 wurde eine Milliarde Euro verpulvert für jenen erzeugten Windstrom, der im Norden nicht verbraucht und im Süden neu erzeugt werden musste. 2014 waren es erst 350 Millionen Euro.