Pinneberg
Itzehoe/Rellingen

Mann soll Frau mehrfach misshandelt haben

Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht Itzehoe

Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht Itzehoe

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht Itzehoe gegen den Rellinger Suat E., dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft.

Rellingen/Itzehoe.  In Handschellen wird Suat E. am Donnerstag in den Saal des Landgerichts Itzehoe geführt. Seit der 53-Jährige aus Rellingen am Karfreitag durchdrehte und nachts auf seine schlafende Ehefrau losging, sitzt er hinter Gitter. Versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Doch handelte der Angeklagte, der seine Ehefrau gewürgt und ihr mehrfach ins Gesicht geschlagen hat, wirklich in Tötungsabsicht? Das ist die entscheidende Frage in dem Verfahren. Suat E. hatte zu Beginn die Misshandlungen eingeräumt, einen Tötungsvorsatz jedoch bestritten. Das Opfer Andrea E. hatte angegeben, Todesängste ausgestanden zu haben und durch das Würgen bewusstlos geworden zu sein.

Nachdem die beiden Söhne als einzige Tatzeugen die Aussage verweigert hatten, sagten am zweiten Prozesstag mehrere Freunde des Paares aus, das zum Tatzeitpunkt zwar noch unter einem Dach, jedoch schon in Trennung lebte. „Suat kam mit der Trennung nicht klar“, sagte Gülseren K. (45). Sie schilderte, dass der 53-Jährige bereits Jahre zuvor seine Frau verprügelt hatte.

Andrea E. habe ihr am Tag nach der neuerlichen Tat aus dem Krankenhaus eine Whats-App-Nachricht geschickt. „Ich war schockiert und habe sie sofort angerufen, sie hat nur geweint.“ Am Nachmittag habe sie dann Andrea E. getroffen und sei mit ihr zur Gerichtsmedizin gefahren, um die Verletzungen dokumentieren zu lassen. „Sie sah nicht gut aus.“

Auch Heike D. (62) bekam am Tag nach dem Übergriff zwei Fotos vom Opfer geschickt, auf denen die Verletzungen im Gesicht zu sehen waren. „Ich bekam einen Riesenschreck.“ Andrea E. habe Angst gehabt, dass der Angeklagte ins gemeinsame Rellinger Haus zurückkehren und die Tat vollenden könnte. Heike D. fuhr daraufhin mit ihrem Lebensgefährten dorthin und tauschte das Schloss der Eingangstür aus.

Die Zeugin berichtete, dass Schloss der Schlafzimmertür von Andrea E. sei seit Längerem kaputt gewesen. „Sie schob nachts immer ein Regal davor. Ausgerechnet in der Tatnacht hat sie es vergessen.“ Der Angeklagte soll seine Ehefrau in den 30 Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens bereits zweimal zuvor misshandelt, dabei einmal mit der Hand am Hals gepackt und gegen eine Wand gedrückt haben.

Heike D. erzählte dem Gericht auch von einem Treffen mit Suat E. einige Tage vor dem Vorfall. Sie habe ihm dabei von einer Bekannten erzählt, die kurz zuvor mit 39 Jahren plötzlich verstorben sei. „Ich war davon sehr mitgenommen. Er sagte nur: Ich wünschte, das würde Andrea auch passieren“.

Auch am Abend vor der Tat flippte Suat E. aus. Opfer der Entgleisung war nicht seine Frau, sondern Thomas S., ein Bekannter. Den bedachte Suat E. beim Spieleabend in einer Kneipe mit den Worten „Wenn du nicht meine Frau in Ruhe lässt, dann breche ich dir beide Beine.“ Thomas S. bestätigte das vor Gericht, gab jedoch an, die Drohung nicht für voll genommen zu haben.

Was der Angeklagte am Abend vor dem Vorfall in der Kneipe getrunken hat, dazu gab es unterschiedliche Aussagen. Es könnten mehrere Wodka Lemon gewesen sein. Andere Zeugen sprachen von einigen Bieren. Und wieder andere gaben an, dass Suat E. zwischendurch auch Tee trank. „Promille hatte er“, so Kneipenwirt Panagiotis S. Der Prozess wird fortgesetzt.