Pinneberg
Elektromobilität

Quickborner tankt ab jetzt an der Steckdose

Martin Oster aus Quickborn-Heide hat seinen Spritfresser gegen einen schicken Stromverbraucher getauscht. Im Abendblatt berichtet er über seine Erfahrungen

Martin Oster aus Quickborn-Heide hat seinen Spritfresser gegen einen schicken Stromverbraucher getauscht. Im Abendblatt berichtet er über seine Erfahrungen

Foto: Wolfgang Klietz

Quickborner hat seinen Benziner gegen einen Renault Zoe getauscht. Im Abendblatt wird Martin Oster über seine Erfahrungen berichten.

Quickborn.  Wie weit kommt man damit?“ – „Ist das wirtschaftlich?“ – „Wie lange braucht der, bis er wieder voll ist?“ – das sind die drei Fragen, die mir schon am ersten Tag als Besitzer eines Elektro-Autos mehrfach gestellt werden. Sobald man meinen schwarzen Renault Zoe als ein durch Strom angetriebenes Kfz ausgemacht hat, ist die Neugier bei vielen Passanten groß. Genau diese Fragen habe auch ich mir gestellt, als ich vor einigen Wochen auf dem Heimweg von der Arbeit in meinem Renault Megane GT vom Beschluss der Bundesregierung hörte, dass der Kauf von Elektroautos in den kommenden Jahren mit bis zu 4000 Euro subventioniert wird.

Also überprüfte ich mein eigenes Fahrprofil. Täglich 70 Kilometer Arbeitsweg von Quickborn-Heide durch den Kreis Segeberg nach Bad Oldesloe und abends hin und wieder mal zum Bowling und anderen Freizeitbeschäftigungen in der Umgebung. Langstrecke maximal im Urlaub oder um Freunde zu besuchen. 98 Prozent der Zeit pendle ich aber im näheren Umfeld. Fazit: Ich habe das Fahrprofil für ein Elektro-Auto! Also schaute ich mich auf dem E-Automarkt um und wurde auch recht schnell fündig.

„Kunden wie Sie lieben wir“, sagt der Händler

Während meine Probefahrt vorbereitet wurde, klopfte der Verkäufer meine Impulse zum Umstieg in die E-Mobilität ab und fing damit sehr zögerlich an. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurden mir die Gründe klar. Denn sein Telefon stand seit Bekanntmachung der Subvention nicht mehr still, und er wurde, wie er sagt, mit den wildesten Vorstellungen von der neuen Fortbewegungsmethode konfrontiert. Als ich ihm dann aber schon sehr früh signalisierte, dass ich den ideellen Charakter des Wechsels von meinem Sitzplatz auf einem Benzintank hin zu dem auf einem Hochleistungs-Akkumulator durchaus verinnerlicht hatte, und mir davon kein wundersames Sparpotenzial versprach, wirkte er deutlich erleichtert und überraschte mich mit dem Satz: „Kunden wie Sie lieben wir!“

Denn vor meiner ersten Probefahrt hatte ich mir schon intensive Gedanken über die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen der E-Mobilität gemacht. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist dabei sehr genau zu betrachten. Steuerbefreiung, niedriger Wartungsaufwand und geringe Kilometer-Kosten stehen bedingt durch die natürlich notwendige Batterie und idealerweise die Installation der heimischen Lademöglichkeit vergleichsweise hohe Anschaffungspreise gegenüber. Hierauf werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal eingehen. So viel sei aber jetzt schon erwähnt: Das Pendel schlägt in beide Richtungen nicht weit aus.

200 Kilometer mit einer Tankfüllung

Die Reichweite – wenn es denn nicht gleich ein hochpreisiges Modell aus dem Hause Tesla sein soll – ist bei den heutigen Fahrzeugen bei rund 200 Kilometern erschöpft.

Mit einem täglichen Pensum von 70 Kilometern Arbeitsweg werde ich aber selbst im Winter, wenn die Reichweite auf Grund der niedrigen Temperaturen absinkt, nicht in Stress geraten, und der abendliche Ausflug zur Bowlinghalle ist auch noch drin. Zudem habe ich beschlossen, mir eine leistungsstarke Wallbox in der heimischen Einfahrt installieren zu lassen, an der ich in einer Stunde meinen Wagen wieder voll aufladen kann. Und das 100 Prozent regenerativ. Denn ich bin zu einem Stromanbieter gewechselt, der ausschließlich Energie aus Wind- und Wasserkraftwerken sowie Photovoltaikanlagen einkauft. Wenn schon emissionsfrei fortbewegen, dann doch auch mit sauberer Energie. Sicherlich tanke ich noch Strom aus dem bundesdeutschen Mix, der auch Atomkraft und Braun- und Steinkohle beinhaltet. Das geht technisch gar nicht anders. Doch erhöhe ich durch meinen Wechsel den Anteil an Ökostrom im Stromnetz und finanziere die klimafreundlichen Kraftwerke.

Der Akku hat einen Wert von 7000 Euro

Auf der Zulassungsstelle brachte ich die nette Dame am Schalter in Schwierigkeiten, denn sie hatte noch nie ein E-Kennzeichen zugelassen. Das gibt es seit November 2015 für rein elektrisch betriebene Kraftfahrzeuge, und man darf damit in Hamburg und anderen Städten dank Elektromobilitätsgesetz (EmoG) kostenlos parken. Wenn Sie also einmal hinter einem Auto mit einem hinter der Ziffernfolge nachgestelltem E fahren, atmen Sie ruhig einmal tief ein. Sie inhalieren nur gesunde Luft.

Vor der Zulassung musste ich mit der Versicherung noch klären, dass mein Akku im Wert von 7000 Euro mitversichert ist. Denn der kann beim Zoe nur gemietet werden. Andere Hersteller bieten auch ein Kaufmodell an. Vorteil für mich: Sinkt die Kapazität des Stromspeichers unter 75 Prozent, gibt es eine Austausch-Batterie. Und wenn ich mich einmal verschätze und liegen bleibe, genügt ein Anruf bei Renault – und ich werde zur nächsten Lademöglichkeit geschleppt. Das ist mir übrigens mit meinem Benziner auch schon mal passiert. Damals musste ich mich selbst um mein Fortkommen kümmern.

Reichweite, Wirtschaftlichkeit, Lademöglichkeiten und ein komplett anderes Fahrverhalten sind also Punkte, mit denen man sich auseinandersetzen muss, bevor man sich für oder gegen die neue Fortbewegungsmethode entscheidet. Meine Beweggründe sind aber weniger wirtschaftlicher Natur, vielmehr versteckt sich dahinter ein philosophischer Gedanke. Denn ich bin schon lange der Meinung, dass Strom, gewonnen aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind und Wasserkraft, die universelle Energieform der nahen Zukunft sein muss.

Zukunft gehört den regenerativen Energien

Nur, wenn es Vorreiter der neuen Technologie gibt, wird sich die Spirale drehen, die die Lade-Infrastruktur verbessert, die das heute schon realisierte, umweltgerechte Recycling der Autobatterien optimiert und den Anteil der regenerativ erzeugten Energie im Stromnetz erhöht.

Als ich meinen Zoe in Empfang nehme und zu meiner ersten Tour starte, die bei meinen Mitmenschen die anfangs erwähnten Fragen aufwirft, fühle ich mich wie ein Pionier, der in ein neues Zeitalter aufbricht. Ich freue mich auf die weiteren Erlebnisse mit meinem neuen geräuscharmen Begleiter und werde davon berichten.