Pinneberg
Stadtmarketing

Stadt Pinneberg hat ein Problem mit dem P

Pinnebergs City-Manager Dirk Matthiessen, hier auf dem Platz vor der Drostei, glaubt immer noch an den Erfolg der Marketing-Kampagne

Pinnebergs City-Manager Dirk Matthiessen, hier auf dem Platz vor der Drostei, glaubt immer noch an den Erfolg der Marketing-Kampagne

Foto: Andreas Daebeler / HA

Vor zwei Jahren startete Pinneberg eine Marketing-Kampagne. Die Wirtschaft beteiligt sich bis heute kaum. War das Projekt ein Flop?

Pinneberg.  Im März 2014 stellt Dirk Matthiessen die PR-Kampagne für die Stadt Pinneberg vor. Im Zentrum steht ein dickes, knallrotes „P“. Ergänzt um einen Slogan, der Pinneberg zuschreibt, persönlich, ehrlich und anders zu sein. 60.000 Euro kostet das Marketing 2014. Weitere 40.000 Euro im darauffolgenden Jahr. Heute, zwei Jahre später, hält Matthiessen, der 2012 aus Heide in die Kreisstadt kam, um Pinnebergs Image zu wandeln, das dicke „P“ weiterhin hoch. Auch öffentlich, für alle sichtbar. Vor der Drostei. Doch ist es etwas einsam um den City-Manager geworden.

Denn regionale Unternehmer, die das PR-Konzept mit Leben erfüllen, die Anzeigen finanzieren und Plakate drucken sollten, haben Matthiessen im Stich gelassen. 2015 meldete sich nicht ein einziger Interessent. „Enttäuschend, da sind wir nicht ans Ziel gelangt“, räumt der 53-Jährige ein. Offenkundig hätten Firmen „ein Problem damit, ein positives Bekenntnis zur Stadt abzugeben“.

War Pinnebergs Marketingcoup also letztlich nur ein teurer Flop? „Nein“, sagt Dirk Matthiessen entschlossen. Er hält an der Kampagne fest, will weiter mit der beauftragten Marketingagentur „Gruppe drei“ zusammenarbeiten. Bis zu 40.000 Euro seien für 2016 im rund 200.000 Euro umfassenden Etat des Pinneberger Stadtmarketings reserviert. „Mit Symbolen und einer Marke an sich ist es nicht getan, wir benötigen in Pinneberg ein neues Denken.“ Und das brauche eben Zeit.

Michael Patt ist als Kaufmann in der Versicherungsbranche unterwegs. Man kennt ihn. Er engagiert sich in der Pinneberger Wirtschaftsgemeinschaft und für das Open-Air-Kino auf dem Drosteiplatz. Menschen wie er sollten mit der Kampagne angesprochen werden. Doch Patt erkennt für sich keinen Mehrwert, wenn er auf den PR-Zug aufspringt: „Unternehmer wie ich haben einen vergleichsweise kleinen Etat für Werbung, da muss man ganz genau überlegen, was sich auszahlt.“ Das vor zwei Jahren vorgestellte Markenbild nebst Logo hingegen bewertet Patt positiv. Das rote „P“ begegne ihm ständig im Stadtbild.

Auch Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa hebt das einheitliche Erscheinungsbild hervor, das um sich greife. „Es ist überall in den Köpfen angekommen, dass die Stadt Pinneberg ihr Image aufpolieren will“, ist er sich sicher. Auf das Stocken der Plakat-Kampagne reagiert der Wirtschaftsförderer mit einem Appell: „Pinneberger Unternehmer sind aufgerufen, sich stärker einzubringen.“ Grundsätzlich sei der Imagewandel ein Prozess, der Geduld erfordere.

Mit Gisela Meyer-Hahn ist eine überregional bekannte Künstlerin an der Pinnau beheimatet. „In meinem Umfeld spielt die Imagekampagne überhaupt keine Rolle mehr“, sagt sie. Der 2014 gewählte Spruch „Wir können auch anders“ sei angesichts der schwierigen Lage Pinnebergs ohnehin der falsche Claim gewesen. Eine Argumentation, die Matthiessen nachvollziehen kann: „Es war zu befürchten, dass der Spruch ironisch genutzt wird, aber wir wollten provozieren“, sagt der City-Manager. Vor allem unter Politikern hatte der Satz in den vergangenen zwei Jahren Hochkonjunktur, wenn es darum ging, Katastrophen zu kommentieren. Matthiessen: „Das haben wir riskiert.“

Finanzchaos, stockende Schulsanierungen und Spott, etwa weil die Stadt Flüchtlingen Gerichtsvollzieher schickt – eine Außendarstellung, gegen die Matthiessen anzukämpfen hat. Negativmeldungen, wie sie in den vergangenen Monaten vermehrt auftraten, seien nicht förderlich für das Image. „Doch Politik und Stadtverwaltung wollten seinerzeit den Wandel“, erinnert Matthiessen. Es habe den klaren Auftrag gegeben, Pinneberg zu einer Marke zu entwickeln. Eine neue Kampagnenidee hat Pinnebergs City-Manager im Köcher: Das dicke „P“ soll auf Reisen gehen, Pinneberger sollen sich mit dem Symbol im Urlaub ablichten lassen.

Von der Stadtverwaltung fühlt sich der City-Manager angemessen unterstützt. Bürgermeisterin Urte Steinberg spricht von ersten Ergebnissen, die zu verzeichnen seien, das neue Markenbild im Stadtgebiet sei deutlich sichtbar. „Gemeinsam mit dem Stadtmarketing werden wir die Kampagne weiterentwickeln“, verspricht die Rathauschefin. Sie würde sich wünschen, dass die Pinneberger ihre Stadt in Zukunft selbstbewusster nach außen vertreten. Matthiessen wird trotz des Zuspruchs mit weniger Geld auskommen müssen – die Stadt zieht sich zusehends aus der Finanzierung des Marketings zurück.