Pinneberg
Quickborn

Jugendtrainer gesteht Missbrauch an Jungen

Der Angeklagte Jugendtrainer Kai H. versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Neben ihm sein Verteidiger Henry Brendel

Der Angeklagte Jugendtrainer Kai H. versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Neben ihm sein Verteidiger Henry Brendel

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Der Angeklagte Kai H. räumt vor Landgericht Itzehoe ein, sich an drei Fußball-Kids des TuS Holstein Quickborn vergangen zu haben.

Quickborn/Itzehoe.  Als er die Fotografen und Kamerateams sah, versteckte Kai H. sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Wenig später zeigte der 42-jährige Halstenbeker vor der Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe sein wahres Gesicht. Er räumte ein, sich als Jugendtrainer des TuS Holstein Quickborn in den Jahren 2013 bis 2015 an drei seiner Schützlinge sexuell vergangen zu haben.

Die Vorwürfe, die Staatsanwältin Jana Bewersdorff in der Anklageschrift aufzählte, wiegen schwer. 16 Mal soll Kai H. sexuelle Handlungen an den ihm anvertrauten Kindern vorgenommen haben und dabei planvoll vorgegangen sein, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Die Opfer: drei Jungen, zur Tatzeit fünf, sechs und neun Jahre alt. Der Angeklagte erschlich sich demnach das Vertrauen der Kinder und auch ihrer Eltern.

Mit zwei Kindern unternahm er außerhalb des Trainings Ausflüge, etwa auf eine Kart-Bahn in Bispingen, in einen Eselpark in Nessendorf oder ins Kino. Teils auf dem Parkplatz der Einrichtungen, teilweise auf dem Rückweg kam es zu den Übergriffen. „Ich habe einen Schlenker gemacht“, berichtete der 42-Jährige dem Gericht. Kai H. steuerte dann einen Feldweg in der Nähe der Tangstedter Wulfsmühle an, um unbeobachtet zu sein. Die Geschehnisse mit dem dritten Jungen spielten sich während eines Trainingscamps in Schönhagen an der Ostsee ab, wo sich der Angeklagte mit dem Kind auf der Toilette einschloss. Ein weiterer Fall mit einem der Opfer ereignete sich sogar in der elterlichen Wohnung.

Kai H. verniedlichte seine Handlungen als Massagen. Was in den meisten Fällen als Massage begann, endete jedoch damit, dass der Jugendtrainer seine Schützlinge an den Genitalien befummelte. Zuvor hatte er die Kinder zum Entkleiden aufgefordert. Um sie abzulenken, drückte er ihnen teilweise sein Handy zum Spielen in die Hand. Einen Jungen ließ er auf seinem Schoß sitzend den Wagen lenken, während er ihn an den Genitalien berührte.

„Wieso, weshalb, warum, so richtig kann ich mir das auch nicht erklären“, sagte der 42-Jährige. Er räumte alle 16 Vorfälle ein, bemühte sich jedoch, das Geschehen herunterzuspielen. So behauptete Kai H., das Befummeln der Kinder habe ihn nicht erregt. Zumindest eines der Opfer behauptet jedoch in der polizeilichen Vernehmung das Gegenteil. Auch gab der Angeklagte an, er habe sofort aufgehört, wenn eines seiner Opfer Stopp gesagt habe. Auch in diesem Punkt hat einer der Jungen bei der Polizei gegenteilige Angaben gemacht. Und: Geschenke wie einen Quadrocopter, die Kai H. einem Jungen machte, sollen laut dem Angeklagten nicht im Zusammenhang mit den Übergriffen stehen. Auch in diesem Punkt steht Aussage gegen Aussage.

Zudem bestritt der 42-Jährige, er habe den Kindern Konsequenzen bis hin zum Rausschmiss aus der Mannschaft für den Fall angedroht, dass sie ihren Eltern von den Übergriffen berichten. „Es mag sein, dass ich gesagt habe, dass wir dann keine Ausflüge mehr machen können. Mehr aber nicht“, so der Halstenbeker.

Als „schwer vorstellbar“ bezeichnete es die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt, dass der Angeklagte nicht aus Gründen der eigenen sexuellen Befriedigung gehandelt habe. „Ich fühlte mich glücklich und hatte Freude daran. Es waren auch Gefühle dabei“, so der Angeklagte, der von den Taten als einen „Gefühlsaustausch“ sprach. „Ich brauchte irgendwie Geborgenheit, ich war selbst ein Scheidungskind.“

Die Geborgenheit hätten ihm nur die Kinder geben können, weil er aufgrund seiner Fußballbesessenheit keine Zeit für andere Dinge gehabt habe, so der Angeklagte. Er habe sich neben seinem Full-Time-Job als Anlagenelektroniker 15 bis 20 Stunden wöchentlich im Ehrenamt für den Fußball eingesetzt. „Eine feste Beziehung hatte ich da nicht mehr.“ 14 Jahre war Kai H. als Trainer in diversen Vereinen aktiv, darunter beim TuS Hasloh und SC Ellerau. „Vorher habe ich mir nie etwas zuschulden kommen lassen“, beteuerte der Angeklagte.

Das Vertrauen in den korpulenten Mann war groß, als er laut eigenen Angaben 2012 zum zweiten Mal beim TuS Holstein anheuerte. Um so fassungsloser waren die Eltern der Fußballer, als eine Mutter mit ihrer Anzeige im Juli 2015 den Fall ins Rollen brachte und der Verein den Mann rauswarf. Sie wird bei der Fortsetzung des Prozesses am 1. Februar aussagen, ebenso wie mehrere Kripobeamte. Ob dann auch die Opfer gehört werden, will die Kammer noch klären. Kai H. hatte angekündigt, mit seiner Einlassung den Kindern eine Aussage ersparen zu wollen.