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Rellilngen /Itzehoe

Brandstifter Andre M. bleibt im Gefängnis

Zwei Anwohnerinnen vor den ausgebrannten Autowracks in Rellingen. Andre M. bleibt im Gefängnis

Zwei Anwohnerinnen vor den ausgebrannten Autowracks in Rellingen. Andre M. bleibt im Gefängnis

Foto: Arne Kolarczyk

Berufungskammer in Itzehoe bestätigt die Verurteilung des Rellinger Brandstifters zu zwei Jahren und drei Monaten Haft.

Rellingen/Itzehoe.  Andre M. bleibt hinter Gittern. Die Kleine Strafkammer des Landgerichts Itzehoe hat Dienstagnachmittag die Berufung, die der Rellinger Brandstifter und die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Amtsgerichts vom März eingelegt hatten, verworfen. Damit bleibt die Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen versuchter schwerer Brandstiftung in drei Fällen bestehen – und Richter Werner Hinz ordnete zudem die Fortdauer der Haft an.

Am vierten Prozesstag des Berufungsverfahrens hatte der Angeklagte überraschend die Brandstiftungen vom 8. September 2014 eingeräumt. In einer schriftlich verfassten Erklärung und später auch persönlich in seinem letzten Wort bekannte der 27-Jährige, zwar keine Erinnerung mehr an die Taten und die Festnahme durch die Polizei zu haben. Er sei jedoch nach Anhörung aller Zeugen zu dem Schluss gekommen, dass nur er die in der Anklageschrift beschriebenen Brandstiftungen begangen haben könne.

Niemand müsse Angst vor ihm haben

„Ich kann mich dafür nur bei den Geschädigten entschuldigen und später versuchen, den finanziellen Schaden wieder gut zu machen“, ließ Andre M. erklären. Er wisse, dass ihn viele für gefährlich halten – gerade vor dem Hintergrund der Taten von 2006 und 2007, bekannte der 27-Jährige. Jedoch müsse künftig niemand in Rellingen Angst vor ihm haben. „Von mir geht keine Gefahr aus, ich möchte nur in Frieden leben.“

Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Bachmann hält den Angeklagten dagegen sehr wohl für gefährlich. Andre M. leide unter einer angeborenen Psychopathie und weise außerdem Züge einer Persönlichkeitsstörung auf. Der Psychiater urteilte nach Aktenlage, weil der Angeklagte und sein Verteidiger Thomas Penneke eine Zusammenarbeit mit dem Gutachter abgelehnt hatten. Daher musste Bachmann auf die Vorgutachten über Andre M. zurückgreifen, die während früherer Verfahren sowie in seiner Zeit in der Klinik Neustadt erstellt worden waren.

Dort saß der Angeklagte von 2008 bis Ende 2013 . Er war 2007 festgenommen worden, weil er mit einem Komplizen angeblich einen Bombenanschlag auf das Rellinger Apfelfest geplant hatte. Der Prozess vor dem Landgericht Itzehoe endete im Juli 2008 mit einem Freispruch in diesem Punkt. Verurteilt wurde das Duo wegen mehr als 100 Straftaten. Darunter Pkw-Brandstiftungen, Sachbeschädigungen, Reifenstechereien, ein Buttersäureanschlag und die Sprengung eines Zigarettenautomaten. Andre M. erhielt eine dreieinhalbjährige Jugendstrafe und wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

Ein hochreflektierte, nicht unintelligenter Mensch

Dort sei er ständig angeeckt. Erst 2013, als ihm die Entlassung in Aussicht gestellt wurde, habe sich sein Verhalten gebessert. Bachmann sprach davon, dass Andre M. Ärzte und Gutachter manipuliert habe – ohne dass sie es realisiert hätten. Der Gutachter bezweifelte, dass der 27-Jährige therapierbar sei. Er könne durch eine Behandlung noch gefährlicher werden. „Egal wo er sich befindet, ob in der JVA, im Maßregelvollzug oder in der Sozialtherapie, Herr M. wird für Hilfe nicht erreichbar sein und einen therapeutischen Scherbenhaufen hinterlassen.“

Dennoch sei seine Schuldfähigkeit weder durch die Psychopathie noch die verordneten Psychopharmaka eingeschränkt gewesen. Andre M. habe geplant und zielgerichtet gehandelt. Bachmann beschrieb ihn als „hochreflektierenden, nicht unintelligenten Menschen.“ Wenn überhaupt eine Behandlung möglich sei, dann nur durch einen Spezialisten und mit aktiver Mitarbeit des Angeklagten.

„Mein Mandant sieht nach dem jetzigen Verfahren die Notwendigkeit einer psychologischen Behandlung ein“, so Verteidiger Penneke. Er hob das „indirekte Geständnis“ seines Mandanten hervor und regte eine Bewährungsstrafe an, deren Höhe er ins Ermessen des Gerichts stellte.

Aussetzung zur Bewährung kommt nicht in Frage

Staatsanwalt Kjell Gasa wertete die Einlassung von Andre M. nicht als Geständnis. „Er hat nur das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammengefasst. Die lässt tatsächlich keinen anderen Schluss zu als den, dass Herr M. der Täter ist.“ Die Beweislage sei eindeutig, da der Angeklagte die Taten direkt vor den Augen von Zivilpolizisten beging, die jeden Schritt von ihm überwacht und die Fahrzeugbrände sofort gelöscht hätten. Gasa wiederholte seinen Strafantrag aus dem ersten Verfahren von zwei Jahren und zehn Monaten.

„Das Amtsgericht lag mit der Höhe seines Urteils richtig“, befand dagegen Richter Hinz. Eine Strafaussetzung zur Bewährung sei angesichts der Vorstrafen des Angeklagten nicht in Frage gekommen. Allerdings stehe ihm aus Sicht der Kammer der Weg offen, nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe eine Entlassung anzustreben.

Das wäre in vier Monaten. Vorher muss sich der 27-Jährige noch in zwölf weiteren Anklagepunkten vor Gericht verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs würde sich die Strafe noch erhöhen. Das Urteil der Berufungskammer von Dienstag kann ebenfalls noch durch eine Revision angegriffen werden. „Ich kann mir das vorstellen. Mein Mandant muss das jetzt erst einmal sacken lassen, dann werden wir beraten“, sagt dazu Verteidiger Penneke.