Pinneberg
Haselau

Chor singt in Schottland plattdeutsche Lieder

Die Sänger der Kantorei Haselau vor einem Auftritt in der Dreikönigskirche

Die Sänger der Kantorei Haselau vor einem Auftritt in der Dreikönigskirche

Foto: privat / HA

Auftritt bei einem Wettbewerb zur Pflege regionaler Sprache. Mehr als 20 Gesangsgruppen sind aus den USA, Kanada und Australien dabei.

Haselau.  Zu diesem Konzert im Oktober fällt die Anreise deutlich länger aus als sonst. Denn der gemischte Chor aus Haselau plant, im schottischen Oban an der Westküste an einem Wettbewerb teilzunehmen. Dieser wird von der Organisation „An Comunn Gàidhealach“ organisiert, die sich der Pflege der gälischen Kultur verschrieben hat. Um regionale Sprachen zu pflegen, tragen die Chöre Stücke aus der Heimat vor.

„Das wird eine überragende Sache“, so Chorleiter Michael Horn-Antoni. Mehr als 20 Gesangsgruppen sind eingeladen worden, unter anderem aus den USA, Kanada und Australien. Jeder muss drei Pflichtstücke vortragen, die derzeit einstudiert werden. Hinzu kommen fünf bis sechs Lieder, an deren Arrangements der Dirigent gerade arbeitet. Von den 22 Sängern aus Haselau wird es plattdeutsches, dazu gälisches und englisches Liedgut zu hören geben. Als Bonbon wird Pastor Andreas-Michael Petersen auf dem Dudelsack spielen. Zum Unterhaltungswerk von Kantorei-Konzerten trägt Horn-Antoni mit seinen Moderationen bei. Derzeit wird an den Texten für die schottische Konkurrenz gefeilt.

Messen, Beatles- und Gospelsongs

Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes ist nur ein Teil der Kantorei-Aufgaben. Der Leiter bietet seinen Sängern seit 23 Jahren auch neue Herausforderungen an. Messen, Beatles- und Gospelsongs werden einstudiert. Die Experimentierlust bricht sich Bahn, wenn Lateinamerikanisches und Rockiges unterstützt durch ein E-Klavier aufgeführt wird und dadurch der Eindruck eines Orchesters entsteht.

Bei der Chorarbeit kann sich der pensionierte Musiklehrer der Theodor-Heuss-Schule auf die Kontakte zu ehemaligen Schülern verlassen. Fast alle der heutigen Solisten haben in der Pinneberger Gospel-AG oder den Unterstufenchören angefangen. Verstärkt wird der Chor auch über die „Gospelwerkstatt“. Die trifft sich vier- bis sechsmal im Jahr. Am Sonnabend wird geprobt, am Sonntag das Einstudierte während des Gottesdienstes vorgetragen. Neulinge sind willkommen. Der Stamm besteht aus 40 Sängern, manchmal kommen bis zu 80. Wer gut bei Stimme ist, darf in die Kantorei aufsteigen.

Vorsitzender des Kulturvereins nutzte seine Kontakte

Diesen Weg ist auch Thomas Herion gegangen. Er leitete die Frida-Levy-Gesamtschule in Essen. Seinen Ruhestand wollte der passionierte Segler aber in Haselau verbringen. Seine Integration in die dörfliche Gemeinschaft klappte nicht nur dank des Chors. Herion leitete das Kulturprogramm seiner Schule, in der Theater, Kunst und Musik als eigenständige Hauptfächer unterrichtet werden. Diese Erfahrungen bringt er seit Anfang des Jahres als Vorsitzender des Kulturvereins Haseldorfer Marsch ein. Zusammen mit der ebenfalls neuen Stellvertreterin Anne-Lena Nötzelmann konnte er den Verein vor der Auflösung retten. Der Schottland-Fan hatte auch seine Kontakte genutzt, damit der Chor an dem Wettbewerb teilnimmt.

Vier Tage lang wird der Chor in Schottland sein. Da der Tripp insgesamt 13.000 Euro kostet, ist ein weiterer Auftritt in der „Easedale-Concert Hall“ geplant, „einem der schönsten Häuser in Schottland“, so Horn-Antoni. Mehrere Spender unterstützen die Aktion. Am Sonntag, 28. Juni, ist von 19 Uhr an ein Benefizkonzert in der Haselauer Kirche geplant. Weitere Infos gibt’s auf www.kirche-haselau.de im Internet.