Pinneberg
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Drostei gibt das Rüstzeug fürs Berufsleben

Mona Ritter arbeitet seit mehr als einem halben Jahr im Kulturzentrum an der Dingstätte als FSJlerin

Mona Ritter arbeitet seit mehr als einem halben Jahr im Kulturzentrum an der Dingstätte als FSJlerin

Foto: Picasa

Die Abiturientin Mona Ritter absolviert in dem Pinneberger Kulturzentrum ein Freiwilliges Soziales Jahr – und erlangt jede Menge künstlerische Praxis.

Pinneberg. Was erwartet ein junger Mensch, wenn er mit 18 Jahren nach dem Schulabschluss ins Ausbildungs- und Berufsleben geschubst wird? Hegt er süße Träume von der großen weiten Welt oder stellt er pragmatische Überlegungen an, welches Studium in Frage kommt? Oder entscheidet er sich dafür, erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren? Mona Ritter, 19, hatte sich vergangenen Sommer für letztere Variante entschieden und sich als FSJlerin in der Drostei Pinneberg beworben. Jetzt ist sie seit mehr als einem halben Jahr im Kulturzentrum an der Dingstätte beschäftigt und stolz auf ihre Arbeit und ihre eigenen Bereiche.

„Es ist ein ganz anderes Leben als die Schulzeit. Wenn ich abends Feierabend habe, bin ich müde. Ich unternehme dann kaum noch etwas“, sagt die 19-Jährige und ergänzt: „ Aber es ist toll, sich für die Arbeit hier zu engagieren.“

Abiturientin ist erste FSJlerin in der Pinneberger Drostei

Als sie im vergangenen Jahr ihr Abitur am Gymnasium im niedersächsischen Harsefeld bei Buxtehude bestanden hatte, wusste sie schon, dass die Künstlerische Leiterin Stefanie Fricke sie als erste FSJlerin in Sachen Kultur in der Drostei ein Jahr lang beschäftigen wollte. „Als Einrichtungsleitung übernimmt man natürlich auch eine Verantwortung, wenn die jungen Menschen ohne vorherige Berufspraxis in den Arbeitsalltag integriert werden sollen“, sagt Stefanie Fricke. Aufgrund ihrer jetzt gemachten „positiven Erfahrungen“ habe sie erneut eine Stelle für ein weiteres Freiwilliges Soziales Jahr ausgeschrieben. Die neue Bewerbungsphase laufe bereits.

Mona Ritter hatte ein halbes Jahr vor ihrer Reifeprüfung eine kleine „Panikattacke“ erlebt. Die Frage „Was soll ich nach der Schule machen?“ musste dringend beantwortet werden. Über ihre Recherchen ist sie dann auf die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung gestoßen, die jungen Menschen bis zum 27. Lebensjahr Adressen vermitteln, bei denen sie sich für ein Freiwilliges Jahr bewerben können, indem sie vor allem ihre Motivation für das Gesuch darlegen.

Das Motto der zuständigen Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig-Holstein: „Ein Jahr für dich und ein Jahr für andere“. Die Teilnehmer erproben in dieser Zeit Eigenverantwortung und Teamfähigkeit sowie Kreativität. „Lernen auf beiden Seiten“, so lautet auch eines der positiven Fazite von Drostei-Leiterin Stefanie Fricke. Im Jahr 2013/2014 waren landesweit etwa 1600 FSJler im Einsatz.

Großes Interesse an Kultur und schöpferischem Tun brachte Mona Ritter mit, als sie ihre Sachen packte, um für ein Jahr in Pinneberg Neues zu lernen und sich beruflich zu orientieren. „Am ersten Tag war ich sehr aufgeregt“, erinnert sie sich. Die Aufregung hat sich längst gelegt, aber die Faszination für das barocke Gebäude ist geblieben: „Es ist herrlich alt. Ich finde die Drostei sehr eindrucksvoll.“

Auch in den vielseitigen Alltag der Kulturstätte habe sie sich längst eingefunden: Telefondienst, Kartenvorbestellungen entgegennehmen und Mails „checken“ gehören mittlerweile zur Routine. Sie hat einen eigenen Mail-Account (Adresse) und ist erfolgreich zuständig für die Facebook-Plattform: Je mehr „Like“-Bewertungen desto besser: Von 200 auf 270 habe sie es geschafft. „Auf diese Weise erhöht sich die Reichweite“, erklärt sie die Funktion des digitalen Netzwerks.

Spannend finde sie die Begegnung mit Künstlern

Spannend finde sie die Begegnung mit Künstlern, wie kürzlich mit dem Bildhauer Jörg Plickat. „Auf diese Ausstellung habe ich mich richtig gefreut“, sagt Mona Ritter, die in der Schule den musisch-künstlerischen Zweig gewählt hatte. Arbeit bekam sie genug bei der Vorbereitung von Plickats Ausstellung in der Drostei: Gemeinsam mit ihrer Kollegin Karina Kropp war sie für die Beschilderung zuständig. „Einen ganzen Tag lang habe ich nur die Schilder neu hergestellt: gedruckt, geschnitten und wieder aufgeklebt.“ Außerdem war es ihre Aufgabe, Bildrahmen und -träger zu reinigen – mit Fingerspitzengefühl versteht sich.

Und die Begegnung selbst mit dem bekannten Künstler fand sie sehr beeindruckend: „Er war ganz locker drauf und hat einfach gefragt: ,Wie geht’s?’“, so die FSJlerin.

Wenn es um Werbung für Veranstaltungen geht, wie Flyer oder Plakate, kommt sie richtig in Fahrt: „Das macht mir großen Spaß“, sagt sie und strahlt. Hier könne sie ihre Fähigkeiten einschätzen („Ich habe ein Auge für Farben und Formen“) und ihre Erfahrungen, die sie in einem Praktikum während der Schulzeit in einer Werbeagentur gesammelt hat, einbringen. So kann sie sich das Drostei-Projekt „Halbjahresplan“ im Hosentaschenformat auf ihre Layout-Fahnen schreiben. Und der Rabe Rüdiger vom Kinderprogramm stammt sogar aus ihrer Feder: Sie hat ihn selbst gezeichnet.

Auch wenn ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten kein Kriterium für die FSJ-Platzauswahl waren, so begleiten sie sie weiterhin. In freien Minuten skizziere sie in ihrem Heft Figuren – oder schreibe. Ihre erste Geschichte habe sie bereits in der dritten Grundschulklasse zu Papier gebracht – über Bobo, den Elefanten. Seit fünf Jahren schreibe sie an einem Fantasy-Roman, nachdem sie als 14-jährige bereits eine längere Geschichte vollendet hatte.

Inspiriert worden sei sie einst beim Schlendern über einen Flohmarkt. „Da sprang der Funke über, die Idee war geboren“, erinnert sie sich, „ich schrieb tagelang an der Geschichte, die sich mittlerweile zu einem riesigen Kosmos auswächst“. Zwar lege sie zurzeit eine Schreibpause ein – aber ab und zu kämen die Worte doch zu ihr, wenn sie an der wöchentlichen Schreibschmiede in der Drostei teilnehme. So schreibt sie bildhaft in einem kurzen Text über einen Mann, in dessen Wohnung immer wieder Worte vergessen wurden – „Völlig durcheinander und teilweise zerknickt und abgerissen lagen sie vor seiner Tür, wie ein bunter Haufen aus Strickwolle. (…) Da las er, welches Wort er aus dem Haufen gezogen hatte: ,Vertrauen’.“

Ein Stichwort für ihre Zukunft? Mona Ritters gut gefüllter Rucksack mit kreativen Ideen und künstlerischer Praxis dürfte auf ihrer Wanderschaft ins Berufsleben eine große Hilfe sein, wenn sie sich ab September zum Beispiel für ein Studium Kommunikationsdesign oder für einen Ausbildungsplatz als Mediengestalterin bewirbt. Ganz obenauf liegen dann die praktischen Erfahrungen des Freiwilligen Sozialen Jahres – die kann sie als erstes auspacken und anwenden.