Pinneberg
Schenefeld

Schenefelder starten ihre eigene Energiewende

Fünf Hausbesitzer beziehen Strom von der Sonne. Sie wollen Erfahrungen weitergeben

Schenefeld. Sie nennen ihn den „Pfiffikus der Siedlung“. Willy Kanow lebt in einem Reihenhaus am Ende einer Sackgasse in Schenefeld. Es ist idyllisch und friedlich hier. Die Bewohner kennen sich. Man grüßt und schnackt. Wenn hier jemand einmal etwas aufs Dach kriegt, dann bleibt das nicht unbemerkt. Und gerade auf den Dächern der kleinen Reihenhaussiedlung hat sich im vergangenen Jahr so einiges getan. Was mit einer Solaranlage anfing, hat sich vervielfacht. Auf insgesamt fünf Dächern glänzen jetzt Kollektoren um die Wette, verwandeln Sonnenlicht in Strom. Schuld daran ist: Willy Kanow.

Denn der Schenefelder wird nicht müde, sich für erneuerbare Energien einzusetzen. Der Rentner, der in der Entwicklungsabteilung für das Unternehmen Philips tätig war, hat viele Ideen. Zum Beispiel das Grüne Klassenzimmer, in dem die Jugend über die Möglichkeiten der Zukunft aufgeklärt werden sollten. Oder das Energiehaus. Das wünscht sich Kanow für die neue Schenefelder Mitte, auch für das wirbt er bei den Kommunalpolitikern um Unterstützung. Im Herzen der Stadt, direkt neben dem Rathaus, soll eine Anlaufstelle entstehen, wo sich Interessierte über Technologien informieren und sich Tipps und Tricks in Sachen Energieeffizienz holen können.

Sein neues Projekt hat der „Pfiffikus“, in Anlehnung an Friedrich Merz’ Steuervereinfachungsplan auf einen Bierdeckeln festgehalten. Denn Kanow hat durch seine bisherigen Versuche gelernt, dass eine gute Idee und gute Argumente allein nicht ausreichen, um es auch umzusetzen. Oft geht es dem Schenefelder viel zu langsam. So auch in diesem Fall. Kanow beobachtet betrübt, dass nur wenige die zahlreichen Informationsveranstaltungen der Stadt besuchen. Denn Schenefeld beteiligt sich an einem Projekt, will mustergültig in Sachen Energieeffizienz. Um die Bürger ins Boot zu holen, wurde 2015 zum Energiejahr erklärt. Verschiedene Veranstaltungen drehen sich um Einsparmöglichkeiten. Die Resonanz ist allerdings bislang sehr mager.

Statt zu meckern, hat sich der Schenefelder mit seinen Nachbarn zusammen getan. Sie wollen mit gutem Beispiel vorangehen und von ihren Erfahrungen berichten. Die sind durchweg gut. Wie gut, lässt sich am Besten an dem Fall von Udo Sauerbrey ablesen. Der Schenefelder arbeitete lange für die HEW – und zwar im Kraftwerk Brunsbüttel. Von Solaranlagen hielt er nichts. „Dieser Strom belastet unsere Netze viel zu stark“, erklärt er seine Abwehrhaltung. Doch dann kam Nachbar Kanow. Der Pfiffikus rechnete ihm und anderen vor, wie die Solaranlage sich rechnet und wie sie dimensioniert sein muss, damit sie für den Eigenbedarf genau ausreicht und eben nicht die Netze belastet. Untermauern konnte er das alles mit seiner Solaranlage, die er 2013 in Betrieb nahm.

Neun Module bringen pro Jahr einen Ertrag von 2250 Kilowattstunden. Rund 5000 Euro investierte er in die Kollektoren. 402 Euro sparte der ohnehin auf seinen Stromverbrauch bedachte Kanow 2014. Seine Nachbarn gehen von bis 700 Euro aus, die in 2015 sparen werden. Weil die Schenefelder sich auch sonst zusammentaten, konnten sie auch bei der Installation sparen.

„Die Solaranlage hat unser Leben verändert“, stellt Sauerbrey fest. „Man fängt an anders zu denken“, fügt Nachbar Eberhard Woelk hinzu. Ralph Behrens und Klaus Brüning, der auch in der Kommunalpolitik aktiv ist, nicken. Die Eigenheimbesitzer nutzen jede Gelegenheit, ihren erzeugten Strom gleich in die Geräte einzuspeisen. „Bei mir läuft gerade die Waschmaschine“, sagt Woelk mit Blick auf den Himmel, durch den die Sonne bricht.

Wer sich für mehr Infos interessiert, für den planen Kanow und Co. planen einen Workshop. Anmeldungen und Fragen können per E-Mail an willy.kanow@t-online.de gerichtet werden. Kanow hat bereits sein nächstes Projekt vor Augen. Er möchte die Besitzer des Wohngebäudes von gegenüber überzeugen, kleine Solaranlagen auf dem Dach zu installieren. Kanows dazu: „Das ist perfekt dafür.“