Pinneberg
Heede

Jäger müssen bleifrei schießen

Kreisjägerschaft Pinneberg hat wegen der vom 1. April an geltenden Verordnung den Schießstand in Heede umgebaut

Heede. Für die 1100 Jäger der Kreisjägerschaft Pinneberg beginnt am Mittwoch ein neues Zeitalter. Vom 1.April an darf in Schleswig-Holstein nicht mehr mit bleihaltiger Munition auf Wild geschossen werden. Um die Gesetzesänderung umzusetzen, musste sogar der 34 Jahre alte Schießstand in Heede komplett umgebaut werden. Etwa 150.000 Euro investiere die Kreisjägerschaft in ihren neuen Übungsplatz, erklärt Günter Heitmann, der stellvertretende Vorsitzende. Ende April soll der Schießstand eingeweiht werden, sagte der Zimmerermeister im Ruhestand, der seit Beginn der Arbeiten im Oktober täglich auf der Baustelle ist und den Fortschritt beaufsichtigt. Die strengen Auflagen der Behörden und des Umweltamtes mussten erfüllt werden. „Das ist so, als würde man ein Einfamilienhaus nachträglich unterkellern.“

Grund für den aufwendigen Umbau des Schießstandes seien unumgängliche Sicherheitsvorkehrungen, die mit der Gesetzesänderung einhergehen, erläutert Kreisjägermeister Wolfgang Heins. Bleifreie Munition weise ein völlig anderes Abprallverhalten auf als die bisher bleihaltigen Schrotkugeln. „Wir müssen unseren Mitgliedern eine Trainingsstätte bieten, auf der sie das Schießen mit der neuen Munition üben und sich fit für die Jagd machen können.“ So sind entlang des 100 Meter langen Schießstandes, der von einem großen Erdwall umgeben ist, bis zu den Zielscheiben jeweils 25 Zentimeter dicke Betonplatten auf die Blenden gesetzt worden, die wiederum mit zwei Zentimeter dicken Panzermatten aus Gummi versehen wurden. Dies verhindere jedes Abprallen der Geschosse, selbst wenn sie aus nächster Nähe abgefeuert wurden und es sich um 15.000 Schuss handelt, erklärt Heitmann. „Kein Geschoss darf den Schießstand verlassen.“ Auch neue Fangtrichter für die Geschosse mussten angeschafft werden.

Die sechsstellige Investition müsse durch die Übungsschützen refinanziert werden, erklärt Heins. Für jedes Schießen in Heede werde künftig eine zusätzliche Gebühr erhoben. Dabei zahlen die Jäger ohnehin schon mit einer Sonderabgabe von 38 Euro je Mitglied und Jahr drei Jahre lang den Kauf des 14 Hektar großen Jagdreviers im Heeder Wald für 135.000 Euro ab. Dieses Areal haben sie von den schleswig-holsteinischen Landesforsten erworben, weil der Pachtvertrag mit dem Land auslief. Immerhin beteiligt sich das Land am Umbau des bald modernsten Schießstandes in Schleswig-Holstein mit 54.000 Euro, erläutert Heins.

Die Jäger sind nicht begeistert, dass sie nun nur noch mit bleifreier Munition auf Wildtiere schießen dürfen. So seien die spezifischen Eigenschaften der bleifreien Geschosse ganz andere als die bisher verwendete Munition. Sie seien leichter und würden mit einem anderen Pulver verschossen, erläutert Heitmann. Das führe dazu, dass die Schrotkugeln viel weiter streuen würden als vorher. In dicht besiedelten Revieren berge das die Gefahr von Unfällen, warnen die Vertreter der Kreisjägerschaft.

Zudem bestehe keine 100-prozentige Sicherheit mehr, dass das Tier bei einem Treffer auch sofort getötet wird. „Wir befürchten, dass das angeblich erlegte Wild oft noch lebt und sich unnötig vor Schmerzen quält.“ Dabei könnten der Tierschutz und die Waidgerechtigkeit leiden, fürchten Heins und Heitmann. Ein so angeschossenes Tier könnte davonlaufen, sich im Unterholz verstecken und so nicht rechtzeitig von den Jägern entdeckt werden. Außer dem langen Tierleiden hätte dies zur Folge, dass das Fleisch unbrauchbar würde und nicht mehr verwendet werden könnte. „Dabei ist Wildfleisch das beste Biofleisch, das es gibt“, ist Heitmann überzeugt.

Munitionshersteller arbeiten noch an einer neuen Generation Schrotkugeln

Die Munitionshersteller hätten sich noch nicht richtig auf die neue Generation der bleifreien Geschosse eingestellt und bislang noch nicht die idealen Schrotkugeln entwickelt, um die Sicherheit für Leib und Leben und den Tierschutz auf dem Niveau zu garantieren, wie es viele Jahre bei den bleihaltigen Schrotkugeln der Fall war.

„Aber wir sind nicht grundsätzliche gegen die bleifreie Verordnung der Landesregierung“, versichert Kreisjägermeister Heins. „Wir hätten uns nur eine längere Übergangsfrist gewünscht.“