Pinneberg
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Dieser Pinneberger will freies Internet für alle

Foto: Andreas Daebeler

Joachim Dreher will das Projekt Freifunk in Pinneberg nach vorn bringen. Auch Asylbewerber sollen von freiem W-Lan profitieren.

Pinneberg. Joachim Dreher steht auf dem Vorplatz der barocken Landdrostei. Mitten in Pinneberg. Der 62-Jährige kramt einen Laptop aus der Aktentasche. Sein Rechner fährt hoch. Ginge es nach ihm, könnte er nun durchs Internet surfen, E-Mails lesen und die Öffnungszeiten seines Lieblingsrestaurants herausfinden. Doch daraus wird nichts. Beim Thema öffentliches W-Lan ist Pinneberg noch Wüste.

Joachim Dreher will das ändern. Er propagiert das Prinzip Freifunk, das in anderen Städten längst zum Einsatz kommt. Ein Konzept, das auf den Gedanken der Teilhabe setzt. Besitzer eines Internet-Zugangs geben einen geringen Teil ihrer Bandbreite für die Öffentlichkeit frei. Dreher hofft auf Unterstützer. Er will in Pinneberg einen Freifunk-Verein gründen. Wie es ihn etwa in Hamburg längst gibt.

Joachim Dreher ist alles andere als ein Novize, wenn es um Netzwerke, Software & Co geht. Erst seit kurzem darf er sich Ruheständler nennen. Zuvor betreute er beim Computer-Konzern IBM Kunden. Ihn fasziniert die Idee, lokale Sozialstrukturen zu stärken und die Demokratisierung der Kommunikationsmedien voranzutreiben. Eben das haben sich die Freifunkler auf ihre Fahnen geschrieben. „Es geht nicht um kommerzielle Nutzung“, sagt Dreher, der seit vielen Jahren in der Kreisstadt für die Grünen Kommunalpolitik betreibt. „Bürgerschaftliches Engagement ist das Thema dieser Initiative.“

In Hamburg gibt es bereits Hunderte Knotenpunkte, an denen Menschen ihre Internet-Anschlüsse mit öffentlichen Nutzern teilen. Im Kreis Pinneberg nur wenige. Einen in Pinneberg, einen in Appen und einen in Rellingen. Das mag an Ängsten vor drohendem Missbrauch liegen. Derzeit wird derjenige, der einen Teil seiner Bandbreite freigibt, im Zweifel zur Verantwortung gezogen – etwa wenn über seine Leitung verfassungsfeindliche Nachrichten verschickt werden. Ein am Donnerstag präsentierter Gesetzentwurf sieht keine Erleichterungen für Freifunkler vor. Sie würden weiterhin in Haftung genommen – und sind aufgefordert, Nutzern ihres Netzes eine namentliche Registrierung abzufordern.

Seine Ängste vor Missbrauch hielten sich in Grenzen, sagt Dreher. So statte der Freifunk-Verein seine Mitglieder mit speziellen, etwa 20 Euro teuren sogenannten Routern, aus. „Dort kommt ein eigenes Betriebssystem zum Einsatz.“ Verbindungen würden so abgesichert. Zudem seien die öffentlich freigegebenen Bandbreiten so gering, dass keine großen Datenmengen abgerufen werden könnten. Bilder oder Videos, die womöglich gegen Gesetze verstoßen, seien im Freifunk-Netz somit kaum ein Thema. Wer über kriminelle Energie verfüge, sei ohnehin nicht auf derartigen Wegen unterwegs.

Geht es um potenzielle Nutzer des Freifunk-Netzes hat Joachim Dreher nicht zuletzt Menschen, die in Not geraten sind, im Auge. „Ich denke an die steigende Zahl von Asylbewerbern, die sich kurz nach ihrer Ankunft in Pinneberg kein Internet leisten können“, sagt er. Für Flüchtlinge sei die weltweite Datenautobahn häufig die einzige Chance, mit Familienangehörigen und Freunden in ihrer Heimat zu kommunizieren. Freifunk-Knoten in der Nähe von Asyl-Unterkünften und Sozialeinrichtungen könnten helfen.

Dreher wirbt derzeit um Unterstützer. Er hat bereits ein Gespräch mit City-Manager Dirk Matthiessen geführt. Auch Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa ist eingeweiht. Krappa ist ein Befürworter von öffentlich zugänglichem W-Lan in der City. „Es geht darum, die Verweildauer potenzieller Kunden zu verlängern“, sagt er. Derzeit würden Gespräche mit Anbietern sogenannter Hotspots geführt. Das Konzept Freifunk sei lediglich als ergänzende Idee zu verstehen. Dass die Stadt sich in der Richtung engagiere, sei erst denkbar, wenn die Haftungsfrage auch für Privatpersonen, die ihr Netz zur Verfügung stellen, geklärt sei.

Dreher will nicht warten. Er hat bereits alle politischen Parteien in Pinneberg angeschrieben, um das Projekt voranzutreiben. Auch mit Trägern aus dem Sozialbereich, etwa der Diakonie, werde er Kontakt aufnehmen. Sein Ziel sei es, im Jahr 2015 bis zu 20 Knotenpunkte im Stadtgebiet zu installieren. „Ich werde Firmen ansprechen und Flyer verteilen“, sagt der 62-Jährige. Er kann sich auch vorstellen, die Bürgerbewegung der Lokalen Agenda, um die es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden ist, ins Boot zu holen.

Für die Gründung seines Vereins sucht Joachim Dreher interessierte Pinneberger, die bereit sind, sich für die Umsetzung des Konzepts Freifunk zu engagieren. Sie können sich unter der Telefonnummer 04101/55 29 10 bei ihm melden.