Pinneberg
Schenefeld

Für Schenefeld scheint der Zug abgefahren

Vertreter aus Wissenschaft, Verkehr und Politik diskutieren im Stadtzentrum mit Bürgern über bessere Schienenanbindung

Schenefeld. Mit der Bahn von Hamburg bis nach Schenefeld, das bleibt wohl noch lange Wunschvorstellung vieler Pendler. Das wurde am Sonnabend während einer Podiumsdiskussion im Stadtzentrum Schenefeld zur Verkehrsplanung einmal mehr deutlich. „Es jährt sich zum 40. Mal, dass die Pläne für eine Bahnanbindung begraben wurden“, sagt Jürgen Beeck, Sprecher der Verkehrsinitiative „Starten: Bahn West“.

In ihr haben sich Bürger der Borner Runde, der Luruper Verkehrs-AG, der Bürgerinitiative Volkspark und der Arbeitskreis Verkehrsplanung Schenefeld zusammengeschlossen, um sich für eine Schienenanbindung ihrer Stadtteile im Hamburger Westen und der Stadt Schenefeld einzusetzen, sei es per U-Bahn, Straßenbahn oder Hochbahn. „Auto- und Busverkehr können in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Mobilität der Bewohner nicht mehr gewährleisten“, so Beeck. Herbert von Gerpen, Mitstreiter und Vertreter der Schenefelder Initiative, erinnerte daran, dass vor 60 Jahren der Schenefelder Platz mit Hamburg über die Straßenbahn verbunden war. Damals hatte die Kommune lediglich 6800 Einwohner. Er hofft, dass Hamburg Schenefeld künftig stärker in seine ÖPNV-Planung einbeziehe. Die meisten Hamburger wollen allerdings lieber das U-Bahn-Netz ausbauen statt einer Wiedereinführung der Straßenbahn, wie eine Umfrage des NDR ergab. Demnach sprachen sich nur 21 Prozent der Befragten für den Bau einer Stadtbahn aus. 71 Prozent waren für neue U-Bahnstrecken.

„Schenefeld steht nun mal nicht im Mittelpunkt der Hamburger Politik“, sagte Dietrich Hartmann, Geschäftsführer Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Natürlich liege der Ausbau einer guten Verkehrsverbindung im Interesse des HVV, müsse aber auch finanzierbar sein. Die Einnahmen aus den Fahrscheinen deckten die Kosten nicht. Dennoch hätte es in den vergangenen Jahren einen stetigen Ausbau an öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben. „Wir befördern derzeit 740 Millionen Fahrgäste“, sagt Hartmann. „Wir können aber nicht jedem Bürger eine U-Bahnhaltestelle vor die Tür setzen.“

Die neue U-Bahnlinie 5 soll Bramfeld im Osten mit der Innenstadt und mit Osdorf und Lurup im Westen verbinden, eine Länge von 28 bis 32 Kilometern haben und nach letztem Stand bis zu 3,8 Milliarden Euro kosten.

Christiane Küchenhof, Bürgermeisterin Schenefelds, erinnerte daran, dass in ihrer Stadt mit XFEL künftig Weltforschung betrieben werde und auch sonst große Arbeitgeber hier ansässig seien. Für deren Mitarbeiter sei eine Schienenanbindung an die Hansestadt wünschenswert. Schenefeld habe immerhin 5300 Ein- und 5800 Auspendler. „Wir wollen bei den Hamburgern auf dem Zettel bleiben“, sagt Küchenhof. Schließlich sei die 19.000-Einwohner-Stadt an drei Seiten von Hamburg umgeben. Zudem wünsche sie sich eine stärkere Beteiligung Schleswig-Holsteins und des Kreises.

Man arbeite eng mit Hamburg zusammen, versicherte Claudius Mozer, Geschäftsführer Südholstein Verkehrsservicegesellschaft mbh. „Man kann es Hamburg nicht verübeln, dass sie Schenefeld nicht in ihre U5-Planung einbeziehen.“ Er sehe zudem in Schenefeld keinen Verbesserungsbedarf: „Die Versorgung im Busverkehr ist gut.“

Damit wollen sich die Befürworter einer Schienenanbindung nicht abspeisen lassen. Für eine bereits beim Hamburger Senat vorliegende Petition hatten Vertreter der Bürgerinitiative „Starten: Bahn West“ weitere Unterschriften gesammelt. Diese sollen am Donnerstag, 5. Februar, in Hamburg an Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, übergeben werden.