Straßenverkehr

Doppelter Radweg irritiert Elmshorner Fahrradfahrer

Radler können am Ellerndamm in Elmshorn zwischen den alten Fahrradwegen auf dem Bürgersteig und neuen Fahrstreifen auf der Fahrbahn wählen. Bei einigen Radlern führt das zu Verunsicherungen.

Elmshorn. Christin John ist irritiert. Die junge Frau fährt mit dem Fahrrad den Ellerndamm in Elmshorn entlang. Nur welchen der beiden Radwege soll sie benutzen? Sie entscheidet sich für die aus ihrer Sicht sicherere Variante: den rot gepflasterten Streifen auf dem Gehweg. „Ich möchte schon wegen meines Hundes Nico nicht auf der Straße fahren.“ Der Hund zerrt an der Leine und bellt aufgeregt, als wolle er zustimmen. Und die Elmshornerin wundert sich, warum es nun am Ellerndamm gleich vier Fahrradwege gibt – zwei in jede Richtung.

Bürgermeister Volker Hatje liegt die Förderung des Radverkehrs am Herzen. So soll ein Veloroutenkonzept den Weg in eine radverkehrsfreundliche Zukunft weisen. Als erste Maßnahme richtete die Stadt Fahrrad-Schutzstreifen auf dem Ellerndamm ein. Weitere Streifen folgen im westlichen Teil der Langelohe und am Steindamm. Das schmeckt nicht jedem. Ein Passant, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wirft der Stadt Fehlinvestition vor. „Das ist doch rausgeschmissenes Geld“, so der Rentner. „An dem alten Radweg ist doch nichts auszusetzen.“

Tatsächlich bleibt die Mehrheit der Radfahrer auf dem am Gehweg angelegten alten Radweg. Die meisten fühlen sich dort anscheinend sicherer als auf den von der Stadt im August frisch aufgetragenen Fahrradschutzstreifen auf der Fahrbahn.

„Manchmal haben die Radfahrer eine Wahl“, sagt Ellen Unger vom Flächenmanagement der Stadt. „So gibt es Wege, die rot gefärbt oder gepflastert sind, um sich in der Oberfläche vom Gehweg abzugrenzen.“ Manchmal trenne auch eine markierte Linie oder ein Pflasterstreifen den Gehweg in zwei Bereiche. „Diese Radwege sind aber nicht mit einem blauen Radweg-Schild gekennzeichnet und daher nicht benutzungspflichtig.“ Sie dürfen benutzt werden, müssen aber nicht. In anderen Fällen dürfen Radfahrer nicht auf die Straße ausweichen: Radwege, die mit einem blauen Radweg-Verkehrszeichen beschildert sind, müssen benutzt werden.

Die Markierungskosten für den Schutzstreifen einschließlich roter Einschlämmung in den Furten betrugen rund 6800 Euro. „Wir hätten natürlich den Gehweg sanieren können“, sagt Unger. Das hätte dann aber viel mehr Geld gekostet. „So haben wir eine doppelte Lösung.“ Der alte Fahrradweg ist immer noch vorhanden und kann weiterhin ge nutzt werden. Der neue Schutzstreifen biete die Möglichkeit, auch auf der Straße sicher und komfortabel mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. „Zuvor haben wir oft von Radfahrern zu hören bekommen, dass sie, wenn sie erlaubterweise die Straße benutzten, von aufgebrachten Autofahrern bedrängt wurden“, sagt Unger. Offensichtlich kenne nicht jeder die Novelle der Straßenverkehrsordnung. Die gestrichelte Markierung soll den Radfahrern nun mehr Abstand zum Autofahrer verschaffen.

Komfort soll auch der angenehme Straßenbelag sowie die vorgezogene Wartefläche vor der Ampel zur Friedensallee bieten. Dieser Bereich ist den Fahrradfahrern vorbehalten und daher bei einer roten Ampelphase von Autos freizuhalten. Das Linksabbiegen wird für die Radfahrenden durch die direkte Abbiegemöglichkeit bei einer grünen Ampelphase erleichtert.

Auf einer Länge von rund 300 Metern trennt die gestrichelte Markierung beidseitig anderthalb Meter von der Fahrbahn ab. Damit kein Zweifel aufkommt, wem sie zustehen, wurden Fahrradsymbole auf den Belag gemalt. Nur bei unbedingtem Bedarf, wenn zum Beispiel Lastwagen oder Busse einander begegnen, darf die Markierung überfahren werden – wenn dabei kein Radfahrer gefährdet wird. „Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass sich die Geschwindigkeit verringert und Radfahrer mit einem größeren Sicherheitsabstand überholt werden“, sagt Unger. Radfahrer halten sich zudem vermehrt an die Straßenverkehrsordnung, fahren nicht bei Rot über die Ampel und seltener in die falsche Richtung.

Die Fahrbahn ist trotz neuer Markierung für Autofahrer breit genug. Sie misst immer noch mindestens die in einschlägigen Regelwerken vorgeschriebenen 4,50 Meter. Einen Nachteil gibt es allerdings für die Autofahrer: Das Parken ist für Kraftfahrzeuge auf Schutzstreifen verboten.