Pinneberg
Kreis Pinneberg

Die fetten Jahre sind vorbei

Im Norden ging der Anbau von Kürbis innerhalb von zwei Jahren um etwa ein Drittel zurück – trotz Boom zu Halloween

Kreis Pinneberg. In leuchtendendem Orange sind sie in diesen Wochen auf Wochenmärkten, in Lebensmittelgeschäften, in Schaufenstern und vor Haustüren zu sehen: Kürbisse, ob zum Essen oder Dekorieren, sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Über mehrere Jahre wuchs die Anbaufläche in Schleswig-Holstein kontinuierlich auf rund 80 Hektar im Jahr 2011. Das meldet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Doch nun zeichnet sich ein Wandel ab – offenbar ist die Nachfrage nach Kürbis im Norden langsam gesättigt. 2012 wurde die Frucht noch auf 65Hektar angebaut, 2013 waren es nach Angaben des Statistikamtes Nord nur noch 55 Hektar.

Von einem spürbaren Rückgang bei der Nachfrage will Michael Mählmann noch nicht sprechen. Der Landwirt aus Todesfelde bei Bad Segeberg hat am Donnerstag auf dem Pinneberger Wochenmarkt fast alle seine Halloweenkürbisse verkauft. Diese besonders großen Exemplare eignen sich gut zum Aushöhlen und Schnitzen. Er meint, dass im Kürbisboom immer mehr Anbauer auf den Zug aufgesprungen sind. Dies habe zu sinkenden Preisen geführt, sodass das Geschäft nun vielleicht für den einen oder anderen nicht mehr lohnenswert sei. Kurz gesagt, so Mählmann: „Viele Schweine machen den Trank dünn.“ Er baut selbst auf einem halben Hektar Kürbis an, den er zurzeit für 1,60 Euro pro Kilogramm auf dem Markt verkauft.

Der Anbau sei zwar relativ einfach, aber arbeitsintensiv, sagt Mählmann. Denn Kürbisse dürfen nicht gespritzt werden. Außer dem großen Halloweenkürbis hat er die Sorten Hokkaido, Muskat, Butternut und Gelber Zentner im Angebot. Letzterer sei vor allem bei älteren Damen beliebt. „Die legen den noch wie früher süß-sauer ein.“

Am besten verkaufe sich der Hokkaido, sagt der 45-Jährige, der Kürbis am liebsten als Suppe isst. „Der ist am einfachsten zu verarbeiten, weil man die Schale mitessen kann.“ Auch halte er sich richtig gelagert bis Ende Januar. Michael Mählmann sieht die aktuelle Entwicklung gelassen, er will weiterhin Kürbis anbauen. Nur bei den Halloweenkürbissen, denen die Kunden gruselige Fratzen ins Fleisch schneiden, nimmt er im nächsten Jahr eine andere Sorte. „Die müssen noch größer sein.“

Ein paar Meter weiter steht Christian Boltzen hinter seinem Gemüsestand. Auch er hat an diesem Tag zwar fast alle Kürbisse verkauft. „Aber die Nachfrage ist definitiv gesunken“, sagt der 37-Jährige. „Ich habe im vergangenen Jahr bestimmt ein Drittel mehr verkauft.“ Auch Boltzen, der den Hof seiner Familie in Klein Offenseth-Sparrieshoop in dritter Generation führt, hat in den vergangenen Jahren verstärkt Kürbis angebaut. In diesem Jahr hatte er allerdings mit ungewöhnlich hohen Temperaturen zu kämpfen. Und das, wo eine Kürbispflanze sowieso schon etwa 40 Liter Wasser am Tag benötige, etwa doppelt so viel wie eine Kohlpflanze.

Erstmals seit sieben Jahren, so eine Statistik der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, seien die Kürbiseinkäufe 2013 nicht weiter gestiegen. Im Durchschnitt verbrauchte jeder Haushalt in Deutschland 564 Gramm Kürbis.

Doch warum ist der Markt jetzt offenbar gesättigt, der Boom vorbei? Christian Boltzen hat eine Vermutung. „Viele Menschen wissen immer noch nicht, was man alles mit Kürbis machen kann“, sagt er. Es müsse ja nicht immer Suppe sein. „Ich bereite Kürbis am liebsten im Ofen zu, in Spalten geschnitten, mit etwas Öl und Kräutern. Dazu Pellkartoffeln und Quark. Schnell gemacht und lecker.“